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Herzinfarkte enden in Sachsen häufiger tödlich

Im Bundesvergleich sterben im Freistaat deutlich mehr Menschen an einem Infarkt. Mediziner führen dafür zwei Gründe an.

© dpa/Stephan Jansen

Dresden. In Deutschland sterben weniger Menschen an Herzinfarkt. Allerdings gilt das nicht für Sachsen. Das geht aus dem Deutschen Herzbericht hervor, den die Herzstiftung am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat. Dafür wurden Zahlen von 2016 ausgewertet. Demnach überlebten bundesweit 48.700 Menschen den Infarkt nicht. 2015 waren es 49.200. Den gleichen Trend gibt es bei der koronaren Herzkrankheit – einer Verengung der Herzkranzgefäße. Hier starben 122.000 Menschen, ein Jahr zuvor waren es noch 128.000. „Der Rückgang ist ein Erfolg“, sagt Professor Dietrich Andresen, Vorstandschef der Deutschen Herzstiftung. 

Doch es gebe regional große Unterschiede. So hat Sachsen zwar die bundesweit niedrigste Zahl an Krankenhausaufnahmen aufgrund von Infarkt und koronarer Herzkrankheit. Bei den Todesfällen liegt der Freistaat mit 170 pro 100.000 Einwohner aber weit über dem Bundesdurchschnitt von 134. Kein Widerspruch, wie Professor Hugo Katus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, erklärt: „Das ist ein Ausdruck guter ambulanter Versorgung. Ins Krankenhaus kommen nur die wirklich großen Infarkte oder Gefäßverschlüsse. Und diese Menschen haben natürlich auch ein höheres Sterberisiko.“

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Herzkrankheiten kommen häufiger vor als Krebs

Aus Sicht von Professor Axel Linke, Ärztlicher Direktor des Herzzentrums der Uniklinik Dresden, zeige diese Diskrepanz aber auch, dass viele Sachsen die Anzeichen eines Herzinfarktes nicht kennen oder nicht ernst genug nehmen. „Hier müssen wir noch stärker aufklären.“ Nachteilig wirke sich auch die schlechtere medizinische Versorgung in ländlichen Gebieten aus. „In den Städten ist die ambulante kardiologische Versorgung wirklich gut, doch auf dem Land dauert es oft noch zu lange, bis Patienten einen Kardiologen erreichen“, sagt er. Laut Kassenärztlicher Vereinigung Sachsen sind im Freistaat 124 ambulante Kardiologen tätig, mehr als die Hälfte arbeitet in und um die drei Städte Dresden, Chemnitz und Leipzig.

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Bei anderen Herzerkrankungen wie Herzschwäche, -rhythmusstörungen und -klappenerkrankungen jedoch steigt die Zahl der Todesfälle und Krankenhausaufnahmen seit Jahren. „Und zwar besorgniserregend“, sagt Dietrich Andresen. Auch der plötzliche Herztod, den rund 65.000 Menschen pro Jahr erleiden, gebe Rätsel auf. Die Zahl der Herztoten zeige aber auch, dass in der Herzmedizin noch großer Forschungsbedarf besteht. „Wir Herzmediziner müssen immer wieder bekennen, dass bei uns die meisten Menschen sterben. Aber es kümmert keinen“, so Kardiologie-Professor Katus. „Da legt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine große Dekade gegen den Krebs auf, was ohne Zweifel wichtig ist. Aber für die Herzforschung gibt es nichts.“ Dabei seien Herzkrankheiten viel häufiger als Krebs. „Etwa jede achte Frau hat Brustkrebs, aber jede dritte ist herzkrank“, so Katus.