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Heute vor 60 Jahren begann die Tausendjahrfeier

31. Juli 1954: Die Festwoche zu 1000 Jahren Großenhain startet. Nach anfänglicher Skepsis waren viele mit Enthusiasmus dabei.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

„Wir Heimatfreunde haben damals vor einer Tausendjahrfeier gewarnt“, erinnerte sich der verstorbene Großenhainer Stadtchronist Siegfried Hoffmann an das große Fest 1954. Und auch allgemein war die Skepsis neun Jahre nach Kriegsende wohl groß. Doch die Festwoche wurde trotzdem als Höhepunkt und Ansporn für die Bürgerschaft vorbereitet. Und noch heute erinnert man sich schließlich freudig daran.

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Denn kurz vor Beginn soll es laut Hoffmann eine gewaltige Welle des Enthusiasmus gegeben haben. Ohne große finanzielle Unterstützung wurde ein Festumzug als Höhepunkt vorbereitet. Davon existieren noch viele private Fotos und auch Filmaufnahmen im Museum Alte Lateinschule. Es war d a s Ereignis, um den Großenhainern ihre Stadtgeschichte nahe zu bringen.

Die Feierlichkeiten begannen an jenem Sonnabend mit einer Festsitzung des Rates und der Stadtverordneten im Sitzungssaal. Eine Stunde später erklang das Oratorium „Empor“ vom hiesigen Komponisten Paul Gläser im Kultursaal der Kasernierten Volkspolizei an der Elsterwerdaer Straße. Mit dabei waren die Volkschöre Großenhain und Niederau, der Männerchor Großenhain-Naundorf, drei Solisten und das Kreiskulturorchester Riesa.

Gelbe Hemden, schwarze Schlipse

Den Abend gestalteten DDR-Volksmusikanten um Herbert Roth, die Suhler Instrumentalgruppe, auf der Freilichtbühne bei Trobischs Gaststätten, heute Schützenhaus. Tummelplätze mit Musik und Tanz gab es am Jugendclubhaus Strandterrassen an der Seeanlage und am Rahmenplatz. Großzelt-Tanzdielen luden dort ein. In der Klosterdiele im Gesellschaftshaus wurde eine zünftige Handwerkerstube eröffnet. Es gab Programmhefte, die Siegfried Hoffmann und seine Mitstreiter in gelben Hemden und schwarzen Krawatten – den Stadtfarben – verkauften.

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Der Rat der Stadt gab ein Buch „Großenhain im Wandel der Zeiten“ heraus. Darin heißt es im Vorwort: „Unsere Stadt begeht dieses Fest im Zeichen des Anbruchs einer neuen Ära, in der wir Arbeiter und werktätigen Bauern die Geschicke unseres Lebens in die eigenen Hände genommen haben.“ Im geschichtlichen Teil wurden unter anderem Beiträge von Museumsleiter Johannes Eichhorn und Richard Zöllner, einem ehemaligen Bürgermeister, verwendet. Weitere Beiträge wurden von Großenhainer Lehrern und von Ämtern verfasst. Betriebsreportagen sollten die politische Neuorientierung auch der wirtschaftlichen Produktion verdeutlichen.

Auch wenn Fest und Geschichtsvermittlung sozialistisch geprägt waren, schufen sich die Großenhainer eine Erinnerung, die lange anhielt. Über weitere Tage der Festwoche berichten wir in der Folge.