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Hier dürfen keine neuen Wohnhäuser hin

Ein Areal in Radebeul soll der Natur vorbehalten bleiben, an einer anderen Stelle kann sich Gewerbe ansiedeln.

Der Streifen zwischen Mühlweg und Paradiesstraße, oberhalb der Haltestelle „Weißes Roß“ soll grün bleiben.
Der Streifen zwischen Mühlweg und Paradiesstraße, oberhalb der Haltestelle „Weißes Roß“ soll grün bleiben. © Arvid Müller

Radebeul. Wo in einer Stadt Wohnhäuser stehen dürfen, wo sich Betriebe ansiedeln können, wo Feld und Wiese unbebaut bleiben müssen - all das regelt der sogenannte Flächennutzungsplan. Dahinter verbirgt sich ein Planungsinstrument der öffentlichen Verwaltung, mit dem die städtebauliche Entwicklung einer Gemeinde gesteuert werden soll.

Eine Karte der Stadt, die Auskunft gibt über Baugebiete, Grünanlagen und Straßen. Auch landwirtschaftliche Flächen und Wald können eingetragen sein, ebenso wie Areale mit Einkaufsmöglichkeiten oder Gebiete der Abwasser- und Abfallentsorgung. Kurz gesagt, die wichtigsten Standortentscheidungen sind darauf dargestellt.

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In Radebeul stammt der aktuelle Flächennutzungsplan von 2006 und wurde seitdem erst einmal verändert: Als vor acht Jahren der Rewe-Markt an der Sidonienstraße in Radebeul-Ost gebaut wurde und das im Plan entsprechend ausgewiesen werden musste. 

Schon länger ist im Gespräch, die Übersicht komplett zu überarbeiten, um sie an aktuelle Entwicklungen anzupassen. Weil das aber ein größerer, arbeitsintensiver Akt ist, der sich länger hinzieht, hat der Stadtrat jetzt im Vorfeld zwei Teiländerungen beschlossen.

Keine weiteren Wohnhäuser am Mühlweg

Die Erste betrifft den Grünstreifen, der sich oberhalb der Meißner Straße zwischen Paradiesstraße auf der einen und Mühlweg auf der anderen Seite entlangzieht. Dort, wo der Lößnitzbach durch die Wiese fließt und nebenan in der Lößnitztalschänke Gäste bewirtet werden, gibt es noch unbebaute Grundstücke. Und das soll auch so bleiben.

Für die Flächen hinter der Haltestelle „Weißes Roß“ flatterten im Rathaus in der Vergangenheit bereits mehrere Bauanträge ein. Die Interessenten wollten am Taleingang zum Lößnitzgrund weitere Wohnhäuser errichten. Doch die Stadt will das Areal als Naherholungsgebiet erhalten, das nicht zugebaut werden soll.

 „Die Stadt beabsichtigt daher, im betroffenen Abschnitt des Lößnitztals der Entwicklung von Natur und Landschaft den eindeutigen Vorrang vor einer weiteren baulichen Nutzung der unbebauten Grundstücke zu geben“, heißt es dazu in der Stadtratsvorlage. Im Flächennutzungsplan wird das Gelände deshalb jetzt als Wohnfläche mit hohem Grünanteil ausgewiesen. Soll heißen: Neue Häuser dürfen nicht dazukommen.

Vorstellungen fürs Weiße Roß

Auch das angrenzende Areal rund um den ehemaligen Gasthof Weißes Roß wird in der Änderung des Flächennutzungsplans erwähnt. Dort sollen die teils denkmalgeschützten Gebäude gesichert werden und nur eine maßvolle Neubebauung möglich sein. Für das Weiße Roß selbst erhofft sich die Stadt eine neue Nutzung, ist aber selbst nicht Eigentümer und kann von allein nichts an dem Gebäude unternehmen.

Das „Weiße Roß“ würde die Stadt gerne saniert sehen, ist aber nicht Eigentümer.
Das „Weiße Roß“ würde die Stadt gerne saniert sehen, ist aber nicht Eigentümer. © Arvid Müller

Gewerbefläche an der Fabrikstraße

Die zweite, jetzt beschlossene Änderung des Flächennutzungsplanes betrifft ein 30.000 Quadratmeter großes Grundstück an der Fabrikstraße im Westen Radebeuls. Dort wollte ein Investor neun dreigeschossige Mehrfamilienhäuser mit Drei- und Vierraumwohnungen und vier Doppelhäuser bauen. 

Der Plan sah für diesen Bereich ursprünglich Wohnbaufläche vor. Auch der Stadtrat hatte sich einst für Wohnhäuser ausgesprochen, auch um zu verhindern, dass dort stattdessen ein Swingerclub gebaut wird – entsprechende Pläne gab es vor zwölf Jahren. Jetzt wurde das Areal aber in Gewerbegebiet umgeändert.

Die Stadt ist damit den nächsten Schritt gegangen, um eine Wohnbebauung an dieser Stelle zu verhindern. Begründet wurde die Ablehnung mit einem Lärmschutzgutachten, das Konflikte zwischen Wohnen und dem Gewerbe in der Nähe prognostizierte. In unmittelbarer Nachbarschaft haben Betriebe wie Hasse und Vadossi ihren Sitz.

 2018 hatten sich 14 Betriebe gegen Wohnhäuser ausgesprochen. Beschwerden der Mieter wären vorprogrammiert, hieß es in ihrer Stellungnahme. Der Investor bot daraufhin an, eine Lärmschutzwand auf eigene Kosten zum Hasse-Gelände nebenan zu bauen. Die Stadt lehnte sein Vorhaben trotzdem ab.

Auf diesem freien Grundstück an der Fabrikstraße soll sich Gewerbe ansiedeln.
Auf diesem freien Grundstück an der Fabrikstraße soll sich Gewerbe ansiedeln. © Arvid Müller

Umstrittene Entscheidung

Im Gegensatz zum Areal am Lößnitzbach, bei dem sich die Stadträte einig waren, ist das Grundstück an der Fabrikstraße deutlich umstrittener. Kritische Stimmen, insbesondere aus den Reihen von Bürgerforum/Grüne/SPD, hätten Wohnhäusern den Vorrang gegeben anstelle von Gewerbe, das dadurch noch näher an die Wohnungen an der Emil-Schüller-Straße heranrücke.

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