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Hier entsteigt der Kromlauer Herkules dem Staub

Ab Freitag soll er in der wieder erbauten Grotte des Rakotz-Ensembles zu sehen sein. Zuvor kam der Landeschef bei den Rettern des Halbgottes vorbei.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (Mitte) besuchte den Bildhauerbetrieb von Sven Schubert (links), auch der Gablenzer Bürgermeister Dietmar Noack (rechts) sah die Skulptur zum ersten Mal seit dem Fund.
Ministerpräsident Michael Kretschmer (Mitte) besuchte den Bildhauerbetrieb von Sven Schubert (links), auch der Gablenzer Bürgermeister Dietmar Noack (rechts) sah die Skulptur zum ersten Mal seit dem Fund. © Marcel Pochanke

Am Freitag soll die wiederaufgebaute Grotte im Kromlauer Park eröffnet werden. Darin wird auch die Herkulesstatue ihren Platz finden, die im Sommer letzten Jahres zufällig unter den Trümmern der künstlichen Höhle entdeckt wurde. „Sensationsfund“ lauteten damals die Titel. Dabei waren zunächst nur einige Fragmente zutage gekommen. Immerhin wurde nach und nach, auch weil der Bauschutt extra gesiebt wurde, das meiste gefunden – aber nicht alles. Das Gesicht fehlte ganz, auch die rechte Wade blieb verschollen und musste rekonstruiert werden. Das war die Arbeit von Bildhauer Dirk Bretschneider, der am Montag mit Ministerpräsident Michael Kretschmer darüber fachsimpelte, wie der neue Fuß zunächst als Modell in Gips geformt und dann aus dem sächsischen Sandstein geschlagen wird.

Etwas Feldherrenmäßiges

Dass es so weit kam, dass der Herkules in dem Bildhauerbetrieb am Rande von Dresden wieder aufersteht, dafür hatten sich Kretschmer und der SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Jurk besonders stark gemacht. Vor allem, gesteht der Landeschef lächelnd ein, weil ihm sein Parteigenosse, der Gablenzer Bürgermeister Dietmar Noack, erfolgreich „auf den Geist gegangen“ sei. Dafür lässt es sich Kretschmer nicht nehmen, für die entsprechenden Positiv-Bilder Modell zu stehen. Gerade in Corona-Zeiten eine willkommene Abwechslung, mehr als Macher denn als Krisenmanager wahrgenommen zu werden. So verzichtet er auf die Maske und sucht das Gespräch mit den Menschen hinter den Meißeln. Der Anzug des Ministerpräsidenten ist vom Steinabrieb schnell besprenkelt, da kann er auch gleich noch das Lagerdach besteigen und sich einen Überblick vom Gelände voller Steinquader und Statuen verschaffen. Es hat beinahe etwas Feldherrenmäßiges, und ja, einen Großteil des Umsatzes macht der Dresdner Betrieb, der größte seiner Art weit und breit, mit Geldern des Freistaates.

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Noch hängt der unfertige Herkules in den Seilen. Das Gesicht musste fast gänzlich rekonstruiert werden.
Noch hängt der unfertige Herkules in den Seilen. Das Gesicht musste fast gänzlich rekonstruiert werden. © Marcel Pochanke
Die Zeichnung dokumentiert, was vom Herkules im Schutt der Grotte gefunden wurde.
Die Zeichnung dokumentiert, was vom Herkules im Schutt der Grotte gefunden wurde. © Marcel Pochanke
Bildhauer Dirk Bretschneider schlägt den fehlenden Fuß aus dem Sandstein.
Bildhauer Dirk Bretschneider schlägt den fehlenden Fuß aus dem Sandstein. © Marcel Pochanke
Ministerpräsident Michael Kretschmer nähert sich zaghaft dem Herkules.
Ministerpräsident Michael Kretschmer nähert sich zaghaft dem Herkules. © Marcel Pochanke
Steinbildhauermeister Sven Schubert erklärt sein Werk.
Steinbildhauermeister Sven Schubert erklärt sein Werk. © Marcel Pochanke
Mit Herkules auf Augenhöhe.
Mit Herkules auf Augenhöhe. © Marcel Pochanke

Ein Heros von 1,31 Metern

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Dagegen nimmt sich der Kromlauer Herkules, für den Kretschmer eigentlich gekommen war, vergleichsweise bescheiden aus. Neben den steinernen 1,31 Metern des griechischen Heros wirkt der Landesvater beinahe hünenhaft. „Es ist etwas ganz Besonderes“, wiederholt er für die Presse das, was Firmenchef Sven Schubert und Thomas Bauer vom zuständigen Architekturbüro immer wieder sagen. Tatsächlich ist eine solche Herkules-Figur für das 19. Jahrhundert sehr selten.
Stolz ist man darauf, wie das Objekt aus den Einzelteilen wieder zusammengepuzzelt wurde. „Das ist etwas, was sie in Paris bei Notre Dame probieren; hier haben wir es vorgemacht“, scherzt Schubert. Dass der Herkules nicht ganz so gigantisch ist, hat auch sein Gutes: So passt er perfekt in die Nische der Grotte, die planmäßig fertig wird und kann ab Freitag besucht werden. Indes beginnt bei der Sanierung der Rakotz-Brücke der heikelste Abschnitt: Seit Montag wird direkt am Brückenbogen gearbeitet. Es sei eine „Arbeit am offenen Herzen“, sagt Architekt Thomas Bauer.

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