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Hier finden Behinderte Hilfe im Alltag

Der Verein „Lebendig Leben“ steht chronisch Kranken und Behinderten bei Behördengängen und Problemen zur Seite. Jetzt auch in Kamenz.

Leila Kölbl (l.) und Mareike Jessing sind zwei Beraterinnen vom Verein „Lebendiger Leben“ des Teams Bautzen. Dienstags, 10 bis 12 Uhr sowie mittwochs, von 13 bis 15 Uhr sind sie in der Bautzner Straße 29 für ihre Klienten da.
Leila Kölbl (l.) und Mareike Jessing sind zwei Beraterinnen vom Verein „Lebendiger Leben“ des Teams Bautzen. Dienstags, 10 bis 12 Uhr sowie mittwochs, von 13 bis 15 Uhr sind sie in der Bautzner Straße 29 für ihre Klienten da. © Rene Plaul

Kamenz. Schlaganfall, chronisch krank, Rollstuhl, Depressionen, Borderline, Autismus. Die Liste ist lang. Und die daraus resultierenden Probleme sind nicht minder schwer zu tragen. Menschen, die es bis zu Leila Kölbl und Mareike Jessing ins Büro schaffen, haben aber einen ersten Schritt in die richtige Richtung getan. Und oft einen langen, schweren Weg hinter sich. Dafür bieten die Frauen des Vereines „Lebendiger Leben“ jedoch mehr als ein paar offene Ohren und ein emphatisches Herz. Das Team Bautzen mit insgesamt sechs Mitarbeitern und Beratern ist kompetent, hat Fachwissen und erste Erfolge aufzuweisen.

„Wir sind für Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung da. Wir setzen da an, wo sie oder ihre Angehörigen nicht mehr weiter wissen. Wo man im Ämter-Wirr-Warr schnell untergehen kann. Oder erst gar nicht auf die Idee kommt, wo es überhaupt Hilfe geben könnte“, sagt Leila Kölbl. Die 30-Jährige hat Neuro-Rehabilitation in Dresden studiert. Im Verein „Lebendiger Leben“ hat sie ihre Aufgabe gefunden.

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Diesen gibt es seit 1997. Er fördert vor allem selbstbestimmtes Leben behinderter Frauen, betreibt Lobby- und Netzwerkarbeit. Und seitdem es das neue Bundesteilhabegesetz in Deutschland gibt, ist man auch auf diesem Gebiet für alle Geschlechter zu Gange. Das Wortungetüm beinhaltet sinnvolle Wege aus oft ausweglosen Situationen. Die Bundesregierung brachte das Gesetz in diesem Jahr auf den Weg, als das Sozial- und Rehabilitationsrecht stagnierte. Viele Vereine und Netzwerke, die einfach näher an den Betroffenen und ihren Bedürfnissen dran sind, kümmern sich seitdem um die Beratung zu unterschiedlichsten Themen. So auch seit kurzem in Kamenz.

Büro seit 1. Juli in Kamenz

Das Büro an der Bautzner Straße 29 ist seit 1. Juli besetzt. Zweimal pro Woche sitzen hier Menschen unterschiedlichsten Alters vor den Beraterinnen. Das kann der Mittzwanziger sein, der eine bipolare Störung hat und dennoch am Arbeitsleben teilhaben möchte. Oder die 80-jährige Ehefrau, die einen Umzug mit dem pflegebedürftigen Mann allein stemmen muss. Und nicht weiter weiß. Schlaganfall-Patienten finden her. Sind wirklich alle Therapie-Möglichkeiten ausgeschöpft? Warum wurde mein Pflegegrad abgelehnt? Gibt es Selbsthilfegruppen in der Nähe? Was kann ich tun, wenn die Reha wieder abgelehnt wurde? Wie ändert sich mein Leben, wenn ich einen gesetzlichen Vertreter bestelle?

„Die Geschichten, die wir hören, sind komplex. Wie das Leben auch. Für uns steht die Diagnose der Krankheiten aber nicht im Vordergrund, sondern vielmehr, wie wir unseren Klienten schnell helfen können“, so Mareike Jessing. Ab und zu sitzt da auch jemand, der vielleicht suizidgefährdet ist. Da müssen die Frauen ganz genau zuhören, ihrem Bauchgefühl folgen. Braucht der Klient nur einen guten Psychiater oder sollte man ihn sofort zum Notarzt schicken? „Wir unterliegen natürlich der Schweigepflicht“, so Leila Kölbl. Alles, was hier erzählt wird, bleibt auch hier.

Der Idealfall lautet „Hilfe zur Selbsthilfe“. Aber so einfach ist das meistens nicht. „Dem einen reicht ein einziges Beratungsgespräch, andere kommen über Monate her“, sagt Mareike Jessing. Die studierte Bildungswissenschaftlerin freut sich mit dem Rest des Teams, nun auch in Kamenz angekommen zu sein. Viele der Kollegen haben selbst Erfahrung mit körperlichen, psychischen und kognitiven Behinderungen. Sie sprechen also aus Erfahrung. „Unser Auftrag lautet, uns mehr im ländlichen Bereich anzusiedeln. Wir betreuen die Region Bautzen und Mitteldeutschland“, so die 36-Jährige.

Das leer stehende Geschäft an der Bautzner Straße fiel ihnen beim Spaziergang durch Kamenz auf. Man fragte herum, wurde sich einig und renovierte den Laden selbst. Sämtliche Möbel stammen aus Spenden. Der Eingang wird bald noch behindertengerecht umgebaut. Damit auch die letzte Hürde verschwindet.

Das Bundesteilhabegesetz

Mit dem Bundesteilhabegesetz wurde das Sozial- und Rehabilitationsrecht stufenweise reformiert. Es unterstützt die Selbstständigkeit von behinderten Menschen in allen Lebensbereichen. Dafür wurden unabhängige Beratungsstellen eingerichtet, die meistens von Vereinen und Netzwerken betreut und vom Bund finanziert werden.

Die Beratungen sind kostenlos, unabhängig und qualifiziert.

Was wird geboten? Unterstützung bei Anträgen und Ablehnungen, Vermittlung von Kontakten, Hilfe bei den Themen Arbeit, Rente, Pflege, Geld, bedürfnisgerechtes Wohnen, Assistenz und Freizeit.

 Die Berater unterliegen der Schweigepflicht. Hausbesuche sind möglich.

Beratungsstellen in der Region: Kamenz, Bischofswerda, Hoyerswerda, Königsbrück und Radeberg.
Kontakt:  Telefon 0162 9189718, E-Mail: [email protected]

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