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Nicht nur neue Aufzüge: Mehr Lebensqualität bringt die Wohnungsbaugenossenschaft Weißwasser ihren Mietern in der Heinrich-Hertz-Straße.

Ein imposanter Blick in den Fahrstuhlschacht – auch für die Vorstände Dietmar Lange und Annegret Besser der Wohnungsbaugenossenschaft Weißwasser eG.
Ein imposanter Blick in den Fahrstuhlschacht – auch für die Vorstände Dietmar Lange und Annegret Besser der Wohnungsbaugenossenschaft Weißwasser eG. © Joachim Rehle

Nur einen Tag stand der Kran mit dem Riesenausleger zur Verfügung. Dietmar Lange, Technischer Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Weißwasser eG (WGW), brachte das gestern jedoch nicht aus der Ruhe. Bis auf eine Husche am Vormittag war das Wetter bestens und mit der Alko Fördertechnik GmbH Eberswalde war eine versierte Firma am Werk. In der Heinrich-Hertz-Straße 33 bis 37 sowie 12 bis 19 wurden mittels Kran die Schächte für insgesamt 13 Aufzüge durch das Dach eingesetzt und montiert. Zum dritten Mal nutzt die WGW dieses Verfahren, weil es günstiger ist, als den Aufzug in einem Glasgehäuse neben die Fassade zu platzieren. Günstiger in den Baukosten und in der späteren Unterhaltung. Auch sei der Aufzug extra für diesen Wohnungstyp entwickelt worden. 2019 bekamen die Karl-Liebknecht-Straße 5 bis 9 sowie die Aufgänge 39 bis 44 auf der Schweigstraße in Weißwasser auf diese Art einen Fahrstuhl. Dietmar Lange lobt die sehr gute Zusammenarbeit mit der Firma Alko, die eine eingespielte Truppe sei. Dass es sich um ein ostdeutsches Unternehmen handelt, ist ihm wichtig.

Auch junge Familien fragen nach barrierefreiheit

Mit der Baumaßnahme auf der Heinrich-Hertz-Straße setzt die WGW ihr umfangreiches Modernisierungsprogramm fort. Der Fahrstuhl reicht jeweils bis in den Keller. Die Kellereingänge an der Rückseite der Wohnblöcke werden abgesenkt und barrierefrei gestaltet. So kann künftig jeder Mieter, der nicht mehr so mobil zu Fuß ist, auf kurzem Weg vom Auto bequem seine Wohnung erreichen. Es ist die Philosophie der Genossenschaft, dass keiner umziehen muss, nur weil er nicht mehr so gut zu Fuß und womöglich auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen ist. Allein der Einbau der Fahrstühle auf der Heinrich-Hertz-Straße kostet zwei Millionen Euro. Seit die Mietrechtsreform andere Bedingungen für die Umlage von Modernisierungskosten festschrieb, steht das Wohnungsunternehmen umso mehr vor der Frage der Wirtschaftlichkeit. „Wir machen es trotzdem auf jeden Fall“, erklärt der WGW-Vorstand. Dietmar Lange verweist auf den sozialen Auftrag der Genossenschaft, „die Wohnungen für ein selbstbestimmtes und lebenslanges Wohnen herzurichten“. Vertreterversammlung und Aufsichtsrat haben diese Philosophie auch für die nächsten Jahre bestätigt.

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Dabei sei es nicht allein eine Frage des Alters. Auch junge Familien fragen immer öfter zuerst nach solchen Angeboten. Längst zeige sich ein Trend, so Dietmar Lange. Während vor Jahren die Wohnungen in den unteren Etagen gefragt waren, sind es in den Aufgängen mit Fahrstuhl die Wohnungen oben. „Der Zeitgeist hat sich geändert“, weiß er. Noch vor zehn Jahren sei über Aufzüge wenig geredet worden.

Die Elemente werden durch eine Luke im Dach in den Fahrstuhlschacht eingelassen. Kai Fiedler und Dirk Schmidt von der Alko Fördertechnik GmbH bereiten sie vor.
Die Elemente werden durch eine Luke im Dach in den Fahrstuhlschacht eingelassen. Kai Fiedler und Dirk Schmidt von der Alko Fördertechnik GmbH bereiten sie vor. © Joachim Rehle

Ganzes Wohngebiet wird aufgewertet

Außerdem erhält der Innenhof auf der Heinrich-Hertz-Straße ein neues Aussehen. Der Bodenaushub vor den Kellern wird zur Modellierung des Untergrunds für einen neuen Spielplatz genutzt. Erweitert wird die Zahl der Stellplätze. Da habe man ein Defizit, räumt Dietmar Lange ein. Die Baumaßnahme im Hof lässt sich die Wohnungsbaugenossenschaft weitere 200.000 Euro kosten. Bis zum Spätherbst soll alles zusammen für 2,2 Millionen Euro fertig sein. Der WGW-Vorstand klopft dreimal auf Holz. „Das klappt“, ist er zuversichtlich. Ergänzend soll der Wohngebietstreff (Straße der Kraftwerker 10) eingebunden werden. Dort befinden sich eine Tagespflege im Erdgeschoss und eine große Physiotherapie. Dietmar Lange spricht von einem Rundum-Paket. Zusammen mit der Baumaßnahme bedeute es eine Aufwertung für das Wohngebiet und nicht zuletzt mehr Lebensqualität für die Menschen dort.
Die Genossenschaft steckt mittendrin in der zweiten Modernisierungsrunde. Auf der Vertreterversammlung wurde das anspruchsvolle Programm der letzten Jahre gewürdigt. 6,5 Millionen Euro hat die WGW 2019 investiert, sechs Millionen werden 2020 verbaut und eine ähnliche Größenordnung in den nächsten Jahren.

Während der Corona-Beschränkungen liefen Reparaturen und Instandhaltung weiter. Man habe in engem Kontakt zu den Hausmeistern und den Servicebetrieben gestanden. Mit den meisten Firmen arbeitet die WGW schon sehr lange zusammen. Deshalb habe es auch in der Krisen-Zeit sehr gut funktioniert. Allerdings sei der Aufwand für die Koordinierung deutlich größer als sonst gewesen. Die Geschäftsstelle blieb zum Schutz der Mitarbeiter und Besucher geschlossen. Es waren aber jederzeit Ansprechpartner erreichbar.

Anfragen zur Aussetzung der Miete hat die Genossenschaft nur wenige erhalten. In Einzelgesprächen habe man versucht, mit jedem eine Lösung zu finden – auch für die Kleingewerbetreibenden, die die Corona-Schließung nach den Worten von Dietmar Lange „sehr getroffen“ hat.

Intensiv beschäftigt man sich in der Wohnungsbaugenossenschaft Weißwasser eG mit den Rahmenbedingungen für den Kohleausstieg, beispielsweise was die künftige Fernwärmeversorgung angeht.

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