merken
PLUS

Hier gibt´s die Lausitz im Regal

Corina Cwolek hat sich in ihrem Laden in Schirgiswalde auf einheimische Produkte spezialisiert – Kaffee inklusive.

© Wolfgang Wittchen

Von Irmela Hennig

Anzeige
Leise rieseln die Rabatte

Unschlagbare Angebote im Advent für Löbau und Zittau. Finden Sie hier satte Rabatte und die besten Angebote für die Region.

Schirgiswalde. Nudeln, zum Beispiel. Die verkaufen sich richtig gut im Optimal-Lebensmittelmarkt von Corina Cwolek in Schirgiswalde bei Bautzen. Die Pasta aus Frischei kommt aus der kleinen Nudelmanufaktur von Jürgen Matthes aus Wehrsdorf. Einst betrieb die Familie über Generationen eine Bäckerei, erzählt Tochter Katrin Matthes. Dann begann der Großvater mit der Nudelproduktion. „Zu DDR-Zeiten war das nicht mehr erwünscht“, so die Oberlausitzerin, die mitarbeitet in der Nudelfirma. Doch als ihre Eltern nach der Wende eine neue Arbeit suchten, besannen sie sich auf den einstigen Broterwerb. Und nun kommen seit Jahren Nudeln aus dem kleinen Wehrsdorf.

Wer die bei Corina Cwolek im Laden am Schirgiswalder Kirchberg einkauft, hört bei einem kurzen Plausch diese und andere Geschichten von den regionalen Erzeugern. Auf die hat sich die Neukircherin spezialisiert. Vor Kurzem hat sie – mithilfe von Familie und Freunden – innerhalb von drei Tagen ihr Geschäft umgebaut und umgestaltet. In dem urgemütlichen Häuschen gibt es nun ganz viel von dem zu kaufen, was an Nahrungsmitteln und Getränken in der Ober- und Niederlausitz hergestellt wird. Bier von Landskron aus Görlitz zum Beispiel. Schokobecher von Riegelein aus Oderwitz, Pudding und Milchreis von Komet aus Großpostwitz, Cornflakes, Dinkelmüsli und Mehl von der Rätze-Mühle aus Spittwitz, Wasser von Oppacher, Sächsischer Leberkäse aus Bischofswerda, Joghurt und Quark von der Hofkäserei Vetter aus Wehrsdorf, Aroniasaft aus dem Pulsnitztal, Bautzner Senf, Obst aus Schirgiswalde und Rammenau – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Daneben bietet Corina Cwolek aber auch ein Grundsortiment an Produkten an, die in einen kleinen Dorfladen einfach hineingehören, aber nicht aus der Region stammen, wie Tütensuppen, Batterien oder Waschmittel. „Das ist vor allem für die ältere Stammkundschaft gedacht, die nirgends mehr hinkommen“, sagt die 35-Jährige.

Holzdecke, Steinflur, dazu die heimischen Produkte – das schafft Flair in den Räumen, die wohl schon ganz früher teilweise mal einen Tante-Emma-Laden beherbergten. Später war hier ein Fotogeschäft untergebracht. Dann ist Corina Cwolek mit ihrem Laden hierher umgezogen. Im August werden es sechs Jahre, dass sie die Optimal-Einkaufsmöglichkeit übernommen hat. Corina Cwolek, seit einigen Jahren auch Mutter, hat im Einzelhandel gelernt und dort auch in verschiedenen Stellen gearbeitet. Sie wusste also, was auf sie zukommt, als sie sich selbstständig gemacht hat.

Die Umstellung auf den Schwerpunkt „Lausitzer Produkte“ war letztlich die Antwort auf die Kundennachfrage. „Es hat sich gezeigt, dass die Menschen Regionales haben möchten. Sie wollen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen und sie möchten nicht, dass die 500 Kilometer weit durchs Land gefahren werden“, so hat die Unternehmerin festgestellt. Und dann sei noch viel Chemie im Produkt, um es haltbar zu machen. Nun kommt vieles aus der Umgebung. Und einen Teil der Waren holt Corina Cwolek selbst ab beim Hersteller. Denn nicht alle schaffen es, zu liefern. Montag ist das Geschäft darum geschlossen.

Ein Renner im Sortiment sei Kaffee – der kommt von der Rösterei im Museumshof in Ebersbach. Ladeninhaberin Corina Cwolek hat viel recherchiert, um ihr Lausitzer Angebot zusammenzustellen. Tipps bekam sie beispielsweise von Obstbau Menzel. Das Internet hat auch geholfen. Die Neukircherin hat sich dann einen Hefter angelegt, Ideen gesammelt, viel telefoniert, viel abgeklärt – zum Beispiel die Lieferfrage – und dann war es so weit. Noch ist die Umstellung ganz frisch, doch Corina Cwolek hat schon ein gutes Gefühl. Nach wie vor hält sie die Augen auf und prüft, womit sie ihren Laden noch füllen kann. Seit Februar gibt es beispielsweise Produkte der Fleischerei Ganske aus Neusalza-Spremberg. „Frische Wurst ist eben frische Wurst und die Qualität bei Ganske ist Bombe. Bei denen stehen die Leute Schlange.“

Frische Backwaren soll es hingegen nicht geben, denn in Schirgiswalde gibt es noch zwei Bäcker. Dafür baut Corina Cwolek auf ihrem Grundstück daheim Obst und Gemüse an und verkauft es im Laden – Beeren, Tomaten, Gurken, Porree oder Knollensellerie zum Beispiel. Und vermutlich wird noch so manches hinzukommen, was die Unternehmerin entdeckt. Denn Ober- und Niederlausitzer Produkte gibt es ganz vielfältig. Doch so kompakt wie bei Corina Cwolek bekommt der Kunde – ob Einheimischer oder Gast – sie kaum. Teilweise verkaufen Höfe, Manufakturen und Fleischereien ihre Waren selbst. Ein bisschen was ist in Supermärkten zwischen Weißwasser und Zittau zu finden. Einige regionale Hersteller wie die Krabat-Milchwelt in Kotten bei Wittichenau haben ein kleines Sortiment anderer Manufakturen in ihren Regalen stehen. Manches wird auf Wochenmärkten angeboten. Und in Rodewitz, gar nicht weit weg von Schirgiswalde, betreibt Simone Hölzel seit acht Jahren „Das Lädchen“. Auch sie hat sich regionale Produkte als einen Schwerpunkt gewählt. Das komme gut an.

Produzenten wie Katrin Matthes von der Wehrsdorfer Nudelfirma freuen sich über solche Initiativen. Sie sieht Supermärkte für ihr kleines Unternehmen nicht als Absatzmarkt. Aber kleine Geschäfte wie Optimal in Schirgiswalde seien wichtig. Auch Sebastian Klotsche vom Netzwerk „Die Lausitz schmeckt“ findet so einen Verkauf gut. Im Netzwerk haben sich 50 regionale Lebensmittelhersteller und andere Partner zusammengeschlossen, auch, um ihr Angebot gemeinsam zu vermarkten. Auf der Webseite der Initiative sind acht Läden aufgelistet, die hiesige Waren führen. Der Westen der Region ist ganz gut damit versorgt, im Osten sieht es dünn aus. Allerdings kann Sebastian Klotsche nicht viel zum Thema Handel sagen, denn „Die Lausitz schmeckt“ sei eine reine Erzeugergemeinschaft. Allerdings verkaufen einige Produzenten auch Waren anderer.

Ganz so einfach ist das mit dem Regionalladen nicht unbedingt. Es gab in der Oberlausitz in der Vergangenheit auch Projekte, die gescheitert sind. Im Krabat-Vorwerk in Groß Särchen war eine Weile eine kleine Verkaufsstelle mit Regional-Sortiment untergebracht. Und in Cunewalde hatte ein Lausitzladen sogar guten Zuspruch. Die Betreiber sind dann aber am Sprung in einen Dresdner Innenstadt-Markt als Filialstandort gescheitert.

Corina Cwolek verlässt sich auf ihre heimische Kundschaft und hat die nötige Berufserfahrung im Metier. Sie hat sich außerdem breit aufgestellt, beliefert unter anderem auf Wunsch ihre Kunden. Nimmt Wäsche an und vermittelt sie in eine Reinigung. Ihr Konzept ziehe auch junge Kunden an. Frisches Leinöl, frischer Honig – ja, das habe seinen Preis. Aber viele Menschen seien bereit, den für heimische Produkte auch zu bezahlen.