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Hier grüßt der Biber

Die Tiere sind streng geschützt. In Bad Muskau sind Biber für Stadt und Einwohner inzwischen aber ein Problem.

Kurz vor der Brücke der Räderschnitza im Bad Muskauer Orsteil Köbeln ist ein Biberdamm, der den Bach trocken legt. Nicht der einzige Problembereich.
Kurz vor der Brücke der Räderschnitza im Bad Muskauer Orsteil Köbeln ist ein Biberdamm, der den Bach trocken legt. Nicht der einzige Problembereich. © SZ-Archiv

Der Biber fühlt sich wohl in Bad Muskau: an Neiße, Legnitzka, Räderschnitza. Seit zwei Jahren siedeln hier die Tiere, bauen sie Burgen und Dämme. Die Folge: Durch das Anstauen der Gewässer werden Teile, selbst Biotope, trockengelegt. Anderswo werden nicht nur bei Starkregen angrenzende Häuser und Grundstücke unter Wasser gesetzt. „Teilweise gehen täglich Anrufe von Bürgern bei mir ein, weil Keller oder Gärten Land unter sind. So, wie an Bahnhofstraße oder Friedensmühle“, weiß Holger Zimpel.

Als technischer Mitarbeiter der Stadtverwaltung Bad Muskau ist er auch für die Biberproblematik zuständig. „Ich bin täglich drei bis vier Stunden draußen, um Pegelstände zu messen, Dämme und Schäden zu begutachten, Fotos zur Dokumentation zu machen“ erzählt er. Allein an der Räderschnitza gäbe es sechs Dämme, wodurch der Bach im Bereich Köbelner Straße fast trockengelegt sei. Auch an der Gemeindegrenze zu Krauschwitz sei ein Damm. Der habe, laut Zimpel, in Abstimmung mit Unterer Naturschutzbehörde und Landschaftspflegeverband „Oberlausitz“ e.V. eine Drainage erhalten. Also Rohre zur Regulierung der Stauhöhe. Während den Damm die Kommune Krauschwitz betreut, ist Bad Muskau unweit davon, in der Bautzener Straße, zuständig. Hier hat die Stadt einen Damm auf eigene Kosten mit Drainage versehen. Doch die Biber haben in Höhe Bahnhofstraße 5 einen dritten und bei der Friedensmühle einen vierten Damm errichtet.

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Überall dort, wo der Biber lebt und baut, werden große Bäume mit Fraß- und Nageschutz versehen. So soll verhindert werden, dass die Biber sie fällen.
Überall dort, wo der Biber lebt und baut, werden große Bäume mit Fraß- und Nageschutz versehen. So soll verhindert werden, dass die Biber sie fällen. © privat

Zwar hat Bad Muskau inzwischen die Genehmigung und Fördermittel erhalten, um Damm 3 verrohren und Damm 4 einreißen zu können. Gehofft wird, dass der Biber so zurück an die Bahnhofstraße mit den Dämmen mit Drainage wandert. Ob es funktioniert, bleibt abzuwarten. „Der Biber ist unberechnbar, wandert stetig“, weiß Holger Zimpel aus Erfahrung. „In der Köbelner Straße an der Räderschnitza haben wir mehrmals den Damm eingerissen. Die Arbeit dauerte je einen Tag und 24 Stunden später hatte der Biber neu gebaut.“ Mittlerweile seien die Tiere an der Räderschnitza bis zum Biotop beim Eiland-Kreisel gezogen, wo sie Bäume fällten, zwei Dämme bauten und das Biotop vom Wasserzufluss trennten. „Es ist nur noch eine stinkende Kloake“, sagt Zimpel, der selbst im Bereich Schaltgerätewerk weitere sechs Dämme entdeckte. „Glücklicherweise verursachen die keine Schäden.“

Für Bürgermeister Thomas Krahl stellen die streng geschützten Biber zunehmend ein Problem dar. Wirtschaftlich und personell. „Wir haben kein Geld, warten seit Jahren auf Bedarfszuweisung, um aus den Schulden zu kommen. Durch die Biber haben wir zusätzliche Kosten und müssen Personal binden, das eigentlich andere Aufgaben hat, die liegenbleiben.“ Rund 10.000 Euro müsse die Stadt jährlich für Dokumentationen, Kontrollen, Schutzmaßnahmen an Bäumen oder Dammabrisse ausgeben. „Es dürfte aber nicht sein, dass betroffene Kommunen, wie Bad Muskau, kaum Zuschüsse erhalten, obwohl durch ganzjährigen Einsatz von Verwaltungsmitarbeitern privates und kommunales Eigentum gesichert und zum Biberschutz beigetragen wird“, bemängelt der Stadtchef.

Auch in der Landkreisverwaltung kennt man die Bad Muskauer Probleme mit den streng geschützten Bibern und den mit ihren Bauten und ihrem Wirken verbundenen Folgen. „Die können nicht dauerhaft unbeachtet bleiben“, sagt Pressesprecherin Franziska Glaubitz. Daher habe Bad Muskau im Bereich Legnitzka eine Genehmigung erhalten, um Anstauhöhen an Biberdämmen mit Drainagerohren zu regulieren und Dämme in Bereichen mit angrenzender Bebauung entnehmen zu können. Im Waldbereich der Räderschnitza, die als geschütztes Biotop bereits besonderen Naturschutzwert besitze, bestehe dagegen nur an Wege- und Straßendurchlässen oder bei naher Bebauung Handlungsbedarf.

Allerdings bestätigt Glaubitz auch, dass Bad Muskau – als Träger der Unterhaltungslast an Gewässern zweiter Ordnung – grundsätzlich für entsprechende Kosten aufkommen müsse. Also auch in Sachen Biber. Die Stadt könne im Gegenzug für Maßnahmen, die der Konfliktminderung dienen und das Biberhabitat nicht zerstören, Fördermittel beim Förder- und Fachbildungszentrum Kamenz des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie beantragen. „Umsiedlungen oder Fangaktionen sind jedoch nicht förderfähig.“ Genau diese Regelungen sieht Stadtchef Krahl kritisch. Tierschutz könne und dürfe nicht zu Lasten von Kommunen gehen, die selbst bei Fördermitteln zehn Prozent Kosten tragen.

In welchen Größenordnungen Bad Muskau noch mit dem Biberproblem zu kämpfen hat, weiß niemand. Zwar arbeitet der Kreis mit ehrenamtlichen Biberbetreuern zusammen. Eine umfangreiche Erfassung und Überwachung der Biberpopulation, die genaue Rückschlüsse über Nachkommen, Sterberaten, Abwanderungen zuließe, wäre aber nur durch eine langfristig angelegte Studie mit einem Partner wie einer Universität möglich. Das gibt es nicht. Somit ist unbekannt, wie viele Biber in und um Bad Muskau leben. Durchgeführt wird vom Landschaftspflegeverband in Kooperation mit der Unteren Naturschutzbehörde lediglich ein Projekt zur Biberbetreuung im Landkreis. Dazu gehören Erfassung von Vorkommen durch ehrenamtliche Biberbetreuer, Information und Beratung Betroffener, insbesondere Gemeinden, und fachliche Einschätzungen.

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