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„Hier kann ich meine Ideale umsetzen“

Der Umbau der Praxis in Leuben ist noch nicht ganz fertig. Trotzdem startet die neue Ärztin aus England am Mittwoch.

Dr. Kerstin Smith (links) ist die neue Landärztin in Leuben. Ihr Team, Schwester Sina (Mitte) und Schwester Claudia, freut sich auf die Arbeit mit der Medizinerin aus England.
Dr. Kerstin Smith (links) ist die neue Landärztin in Leuben. Ihr Team, Schwester Sina (Mitte) und Schwester Claudia, freut sich auf die Arbeit mit der Medizinerin aus England. © Claudia Hübschmann

Nossen. Sie ist die neue Landärztin im Nossener Ortsteil Leuben: Kerstin Smith. Nach mehr als 17 Jahren Arbeit in England kehrt die gebürtige Lommatzscherin in ihre Heimat zurück und übernimmt die Hausarztpraxis von Uta Haufe. Die 53-Jährige ist voller Vorfreude und Spannung auf ihre neue Aufgabe.

„Ich hatte mich seit circa zwei Jahren mit dem Gedanken getragen, nach Deutschland zu kommen. In England ist das Individuelle in der Arzt-Patienten-Beziehung verloren gegangen“, sagt Kerstin Smith. So habe sie selbst in einer Praxis mit zehn Ärzten, fast alle in Teilzeit, für 10.000 Patienten gearbeitet. Und das sei eine durchschnittlich große Praxis. „Das gibt keine Kontinuität und so funktioniert Allgemeinmedizin nicht.“

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Eine eigene Praxis in Deutschland war eigentlich nicht geplant. Die Medizinerin sah sich nach einem Angestellten-Verhältnis um. „Vor den mit einer Niederlassung verbundenen Verpflichtungen von der Business-Seite her habe ich mich gescheut.“ Die Bürokratie ist immens. In England musste sie sich um derartige Sachen gar nicht kümmern. Das war ein Vorteil. Dort gibt es ein staatliches Gesundheitssystem, Krankenkassen mit Abrechnung einzelner Arztbesuche gibt es nicht. Es wird eine Jahrespauschale pro Patient gezahlt, egal wie häufig er in die Praxis kommt. „In der Endabrechnung geht das auf.“ Und auch um andere Dinge, wie beispielsweise Bestellungen, musste sie sich nicht kümmern, „dazu hatten wir einen Praxismanager.“

Seit zwei Wochen ist Kerstin Smith nun in Deutschland. Ihr Mann, er ist Kanadier, wird im August nachkommen. Vorerst wohnen sie im gleichen Haus der Praxis. Ihre gemeinsame 19-jährige Tochter bleibt zunächst in England, wo sie studiert.

"Der Einsatz von Uta Haufe hat mich berührt"

Dass Uta Haufe einen Nachfolger suchte, wusste Kerstin Smith schon vor der Ausstrahlung einer ZDF-Dokumentation, in der darüber berichtet wurde. Den Link der Aufzeichnung schickte ihr ein Cousin. „Das hab' ich mir dann in England zusammen mit meinem Mann angesehen. Dann war eigentlich sofort klar: Das ist es. In Leuben werde ich gebraucht und kann meine Ideale umsetzen.“ Ohne diesen Einsatz von Uta Haufe hätte sie die Praxis wahrscheinlich nicht übernommen, meint Kerstin Smith. „Das ist ihr zu verdanken. Ihr besonderes Verhältnis zu ihren Patienten ist einmalig.“ Das hat die 53-Jährige derart berührt, dass sie den Weg in die Selbstständigkeit als niedergelassene Ärztin in Deutschland wagte. Und außerdem, so sagt Kerstin Smith, sei sie damit ja auch zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Familie und Freunde hat sie in der Gegend, sodass die Rückkehr nach so vielen Jahren diesbezüglich nicht schwerfällt. Und eine freudige Nachricht gab es dann auch noch kurzfristig. Weil Meißen jetzt als von der Unterversorgung bedrohtes Gebiet im hausärztlichen Bereich gilt, bekommt sie eine Förderung von der Kassenärztlichen Vereinigung.

Die Allgemeinarzt-Ausbildung in England ist anders

Nach England war Kerstin Smith aus Liebe gegangen. Studiert hatte sie in Dresden, innere Medizin. Arbeitete anschließend in einem Krankenhaus in der Nähe von Oschatz. Während einer Reise nach Indien lernte sie ihren Mann kennen, ging zunächst für kurze Zeit mit ihm nach Kanada. Für den Abschluss ihrer Facharztausbildung kehrten beide von 2000 bis 2002 nach Deutschland zurück. Danach suchten sie nach einem Land, in dem beide ihren Beruf gut ausüben konnten, sie als Ärztin und er als Pfarrer. In England absolvierte Kerstin Smith die Allgemeinarzt-Ausbildung. Wobei man dort in diesem Bereich ganz anders arbeitet als in Deutschland. „Diese Ausbildung in England ist super, sehr abwechslungsreich“, erzählt sie. Zu einem Allgemeinarzt kommen dort alle, vom Säugling bis zum Senior. Spezielle Kinderärzte gibt es nicht. Allgemeinärzte machen auch alles, egal ob es gynäkologische oder urologische Untersuchungen sind. Und anders als in Deutschland, ist der Allgemeinarzt immer der erste Ansprechpartner. Gleich zu einem Facharzt zu gehen, sei in England überhaupt nicht möglich.

„Der immense Umbau der Praxis ist dank des extremen Einsatzes der Baufirmen aus Leuben und Umgebung fast fertig“, sagt die Ärztin. Bis zur Eröffnung gibt es eine Zwischenlösung im Haus, damit gerade chronisch kranke Patienten kommen können. Denn ein Monat war ohnehin schon zu. Voller Dankbarkeit erzählt sie, „beim Umräumen habe ich eine Riesenunterstützung von zehn Leuten aus dem Dorfklub Leuben bekommen“.

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