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Hier kehren künftig Hotelgäste ein

Das Barockgebäude Markt 9 in Zittau - das Vorderhaus des Filmpalastes - soll zu Herberge und Anlaufstelle für Touristen werden. Jetzt ist der Bau gestartet.

Architekt Christian Weise spricht mit Susanne Mannschott, der Chefin der Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft, über die Baumaßnahme Markt 9.
Architekt Christian Weise spricht mit Susanne Mannschott, der Chefin der Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft, über die Baumaßnahme Markt 9. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Das historische Eingangsportal zum Filmpalast am Markt ist derzeit kaum zu sehen. Direkt davor steht nun ein riesiger Kran mit entsprechender tonnenschwerer Standsicherung. Der Kran ist das sichtbare Zeichen, dass die Bauarbeiten an dem historischen Gebäude auf dem Zittauer Markt begonnen haben. Gerade eben hebt der Kran Gerüstbauteile über die Dächer der Nachbarhäuser auf die Rückseite vom Markt 9. 

Während die Gerüste noch aufgebaut werden, dringen aus dem ehemaligen Döner-Restaurant bereits lautes Hämmern und Bohren nach draußen. Die Entkernung der Räumlichkeiten ist schon im vollem Gange, Trockenbauwände werden eingerissen und Verkleidungen entfernt. 

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Die Außenwand zur Passage wird im Zuge des Umbaus um gut einen halben Meter nach innen versetzt. Dadurch soll der Deckenbogen in der Passage wieder vollständig sichtbar werden, erklärt Christian Weise, Inhaber des gleichnamigen Architekturbüros aus Görlitz. Die Görlitzer Architekten sind mit der Sanierung des historischen Barockgebäudes samt dem hinterem Kinobau beauftragt. Mit dem Markt 9 wird eines der letzten unsanierten Häuser an Zittaus zentralen Platz auf Vordermann gebracht.

Sanierung bei laufendem Betrieb

Der Kinobetrieb soll während der Sanierung normal weiterlaufen und auch der Zugang vom Markt soll für die Besucher jederzeit möglich sein. Dass sind aber nicht die einzigen Herausforderungen, vor denen Planer und Baufirmen stehen. Das Barockgebäude und dessen baulicher Zustand ist die größte Aufgabe - und beansprucht deshalb auch den größten Teil der rund 4 Millionen Euro teuren Investition, die mit mehr als zwei Millionen Euro aus dem Programm "Stadtumbau Ost" gefördert wird.

Die oberen Etagen stehen seit Jahrzehnten leer. Zuletzt wurde das erste Obergeschoss als Spielhalle genutzt. Einzelne Schilder und Einbauten deuten noch auf diese Vergangenheit hin - obwohl die Spielothek auch seit vielen Jahren dicht ist. Schon bald werden hier wieder Gäste ein- und ausgehen. Aber nicht in einer Spielhalle, vielmehr in einem Hotel, das in den oberen Etagen geplant ist. Im Frühsommer 2021 soll das Hotel seine Pforten öffnen - so sieht es der derzeitige Plan vor.

Knapp zwölf Monate sind ein enger Zeitplan. Das ist auch Architekt Christian Weise bewusst. Da darf es keine allzu großen Überraschungen während des Baus geben. Mit dem Umbau zu einem Hotel greifen die Eigentümer des Hauses Markt 9 einen anderen Teil der Geschichte des Gebäudes auf. Denn das Objekt wurde schon einmal als Hotel genutzt, trug seinerzeit den Namen "Goldene Sonne". Das Hotelleben endete 1910. 

Nun soll es wieder belebt werden. 16 Zimmer mit insgesamt 32 Betten entstehen in den drei oberen Etagen des Vorderhauses sowie im Seitenflügel. Das Hotel wollen die Eigentümer, die Familie Kieft, nicht selbst führen, denn sie kommen aus der Kinobranche, betreiben deutschlandweit zahlreiche Lichtspielhäuser - darunter auch das in Görlitz. Vielmehr wird das Hotel vermietet. Der künftige Betreiber habe Erfahrungen an anderen Standorten, erklärt Olaf Matz, der die Bauherren vertritt.

Tourismuszentrum nutzt komplettes Erdgeschoss

Bei ihren ersten Überlegungen ging es den Eigentümer noch gar nicht um die Errichtung eines Hotels. Vielmehr stand anfangs nur die Frage im Raum, wie man die baufälligen Dächer über die Jahre kriegt. Wenn einmal gebaut wird, dann nicht nur das Dach, so die Erkenntnis.

Mit dem Tourismuszentrum Naturpark Zittauer Gebirge fand sich auch bald ein erster Mietinteressent. Das Tourismuszentrum wird künftig das komplette Erdgeschoss nutzen, also sowohl die Räumlichkeiten des früheren Döner-Restaurants wie auch die ehemalige Eisdiele rechts der Passage. Die Fertigstellung der unteren Räumlichkeiten ist bereits für März 2021 vorgesehen.

Bei einer großen Runde im Rathaus sei dann überlegt worden, wie die oberen Etagen des Barockgebäudes belebt werden können. So entstand die Idee eines Hotels. "Was bietet sich bei der Lage Besseres als eine Herberge an", meint Susanne Mannschott, die Chefin der Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft (ZSG). Neben dem Markt 9 entsteht auch in der früheren Kaufhalle Mitte an der Ecke Albert-/Reichenberger Straße ein neues Stadthotel.

Insgesamt drei Bauabschnitte

Die Sanierung des Barockgebäudes Markt 9 ist der erste Bauabschnitt von insgesamt drei. In einem zweiten Abschnitt sollen auch Dach, Fassade, Fenster und Türen des hinteren Kinogebäudes auf Vordermann gebracht werden - und das parallel zum Bau des Vorderhauses. Auch der gut 20 Meter lange Eingangsbereich schreie nach einer Umgestaltung, so der Görlitzer Architekt.

Wann genau damit begonnen werden kann, wollen Planer und Bauherren-Vertreter noch mit dem Nachbarn abstimmen. Denn im Hof nebenan wird seit Kurzem ein Biergarten betrieben und deren Inhaber wollen sich das Sommergeschäft ungern durch Gerüste und Baulärm vermiesen lassen. 

Die Eigentümer vom Markt 9 wollen ihrerseits mit dem zweiten Bauabschnitt möglichst noch dieses Jahr starten. Denn wenn der Hotelbetrieb beginnt, sollen auch die Gerüste an der Kinofassade verschwunden sein.

Als dritter und letzter Abschnitt ist die Sanierung des Torhauses an der Amalienstraße angedacht. Diese Maßnahme soll aber erst nach dem Abschluss der ersten beiden Abschnitte angegangen werden. Auch deshalb, weil derzeit durch die Sanierung der Amalienstraße keine Baufreiheit am Gebäude herrscht. Der Bau der Amalienstraße wirkt sich auch auf die anderen Bauabschnitte aus. "Wir mussten deshalb die Logistik anders betrachten. Es kann nur über den Markt gehen", erklärt Christian Weise.

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Der Aufgang zur ehemaligen Spielhalle soll künftig der Hauptzugang zum Hotel sein.
Der Aufgang zur ehemaligen Spielhalle soll künftig der Hauptzugang zum Hotel sein. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Von der Terrasse des Vorderhauses hat man einen schönen Blick in Richtung Gebirge. Diesen Blick sollen bald auch die Hotelgäste genießen.
Von der Terrasse des Vorderhauses hat man einen schönen Blick in Richtung Gebirge. Diesen Blick sollen bald auch die Hotelgäste genießen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
In den Zimmern gibt es viele historische Gestaltungselemente, die erhalten bleiben sollen.
In den Zimmern gibt es viele historische Gestaltungselemente, die erhalten bleiben sollen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Der alte Treppenaufgang in die oberen Etagen.
Der alte Treppenaufgang in die oberen Etagen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Das ehemalige Restaurant wird derzeit entkernt und für die neue Nutzung umgebaut.
Das ehemalige Restaurant wird derzeit entkernt und für die neue Nutzung umgebaut. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

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