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Riesa

Der Herd ist aus - die Hoffnung nicht

Noch sind die Gaststätten im Landkreis geschlossen. Die SZ will mit einer neuen Serie Vorfreude auf den Neustart machen. Heute: der Niederlommatzscher Wirt Erik Wagner.

In der Elbklause in Niederlommatzsch kocht der Chef noch selbst. Doch zurzeit ist Erik Wagner in seiner Küche ganz allein.
In der Elbklause in Niederlommatzsch kocht der Chef noch selbst. Doch zurzeit ist Erik Wagner in seiner Küche ganz allein. © Jörg Richter

Niederlommatzsch. In der Küche der Elbklause ist es dunkel. Und das am helllichten Tag zur besten Mittagessenszeit. Erik Wagner schaltet das Licht an. Normalerweise würden er und drei weitere Köche hier jetzt im Akkord Speisen zubereiten. Und mit Sicherheit würden von einigen Gästen auch die Niederlommatzscher Elbkähne bestellt - eine Kreation seines Vaters Lutz Wagner aus Hackfleisch-Klößen mit Pilzen und Gemüse und einem aufgespießten Salatblatt. Es soll das Segel eines alten Elbkahns symbolisieren. Doch sowohl auf dem Fluss als auch in der Küche herrscht Flaute.

Wegen Corona mussten Erik Wagner und seine Frau Anne die Elbklause schließen. Dieses Schicksal teilen sie mit allen Gastwirten Deutschlands. "Dabei sind wir diesmal halbwegs gut durch den Winter gekommen", erzählt der Koch. "Jedenfalls besser als die letzten Jahre." Er brauchte den zwölf Mitarbeitern nicht saisonbedingt kündigen. Sie blieben alle in Lohn und Brot. Die ganze Elbklause-Mannschaft freute sich auf den Beginn der Spargelzeit und das Ostergeschäft, die die Hauptsaison einleiten sollten. 

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Doch dann kam das Virus nach Sachsen. Und mit ihm die Furcht, sich anzustecken. Seitdem bleiben die Reisebusse mit den Rentner-Tagesfahrten weg. Sie sind neben den Wochenendausflüglern und Elbradweg-Touristen die Hauptzielgruppe. Das ist vorbei. "Wenn die Senioren Angst haben zu verreisen, dann bricht der Umsatz ein", sagt Anne Wagner und fügt traurig hinzu: "Meine Arbeit besteht zurzeit nur darin, Stornierungen entgegenzunehmen." Das sei nicht nur bitter, sondern schüre das ungute Gefühl, ohne Selbstverschulden langsam und allmählich seine Existenzgrundlagen zu verlieren und dagegen machtlos zu sein. 

2014 hat Erik Wagner die Elbklause in Niederlommatzsch von seinem Vater Lutz Wagner übernommen.
2014 hat Erik Wagner die Elbklause in Niederlommatzsch von seinem Vater Lutz Wagner übernommen. © Jörg Richter

"Es ist ein ähnliches Gefühl wie beim Hochwasser 2013", sagt Erik Wagner. Aber damals habe es wenigstens eine Perspektive gegeben. Nachdem die Elbe die untere Etage der Elbklause geflutet hatte, ging es ans Aufräumen. Nach etwas mehr als drei Wochen war alles wieder sauber, konnte das Gasthaus mit der Drei-Sterne-Pension wieder geöffnet werden. - Nun ist bald die doppelte Zeit ins Land gegangen und die Wirtsleute wissen immer noch nicht, wie lange der verordnete Geschäftstausfall dauern wird. 

Deshalb ist der 37-Jährige wie viele andere seiner Kollegen nicht gut auf die Bundesregierung zu sprechen. Sie hat verordnet, dass alle Hotels und Gaststätten wegen der Corona-Pandemie bis auf Weiteres zu schließen sind. Dabei gebe es ja, so Wagner,  Möglichkeiten, die Abstandsregeln einzuhalten. Vor allem auf seiner großen Terrasse mit Blick auf die Elbe und das Seußlitzer Schloss. Hier gebe es genügend Platz, die Tische weiter auseinander zu stellen, um wenigstens ein paar Gäste bewirten zu können, um die laufenden Betriebskosten bezahlen zu können. "Auch das Haus ist groß genug, damit die Gäste die zwei Meter Abstand einhalten können", sagt Erik Wagner. Warum soll das anders sein als in einem Supermarkt, wo wesentlich mehr Menschen unterwegs sind? Erst recht mit Mundschutz.

Erik und Anne Wagner mit ihrem Sohn Ernst auf der Terrasse vor der Elbklause. Hier wäre genügend Platz, um wenigstens ein paar Gäste trotz der Corona-Abstandsregeln zu bewirten.
Erik und Anne Wagner mit ihrem Sohn Ernst auf der Terrasse vor der Elbklause. Hier wäre genügend Platz, um wenigstens ein paar Gäste trotz der Corona-Abstandsregeln zu bewirten. © Jörg Richter

Erik Wagner will aber nicht nur schimpfen. Im Gegenteil. Er sagt: "Hut ab! Fast alle Behörden spielen gut mit und sind uns in dieser schwierigen Lage entgegengekommen." Er nennt an erster Stelle das Finanzamt Meißen. Das habe u .a. völlig unbürokratisch die Stundung von Steuernachzahlungen ermöglicht. Aber auch seine Hausbank, die Sparkasse Meißen, und die Dehoga Sachsen hätten sich in der Corona-Krise als sehr gute Partner erwiesen. 

Die Sparkasse hat die Kreditraten für drei Monate ausgesetzt und nach hinten verschoben. Und der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) habe wichtige Hinweise gegeben, welche Kosten, wie zum Beispiel GEZ- und Gema-Gebühren, in der Krise reduziert werden können. Die entsprechenden Antragsformulare gab es gleich dazu. 

Den Vorschlag, die Mehrwertsteuer für die Gastronomie von 19 auf 7 Prozent zu senken, finden Wagners, die alle Mitarbeiter notgedrungen in die Kurzarbeit schicken mussten, gut. "Das hilft uns vielleicht in der Zukunft, aber nicht jetzt", sagt Anne Wagner. 

Zur Elbklause mit zehn Zimmern gehört auch noch das Rad-Haus, eine Pension für Elbradweg-Touristen mit weiteren neun Zimmern. Auch das steht momentan leer. Die einzige Einnahmequelle ist die Weihnachtshütte vorm Eingang der Gaststätte. Hier dürfen Wagners regionale Produkte wie sächsischen Wein, Meißner Schwerterbräu in Flaschen, Nieschützer Spargel und Wurst von der Meißner Fleischerei Richter verkaufen. Anne Wagner sagt: "Wir machen das Beste aus der derzeitigen Lage und hoffen,dass es bald ein Ende hat." - Dann gibt es auch sicher wieder Niederlommatzscher Elbkähne.

So sehen die Niederlommatzscher Elbkähne, fertig auf dem Teller serviert, aus.
So sehen die Niederlommatzscher Elbkähne, fertig auf dem Teller serviert, aus. © Jörg Richter

Das Rezept: Niederlommatzscher Elbkähne

Zutaten: 1.000 g rohe Kartoffel, 500 g Kartoffelpüree, 300 g Schweinegehacktes, 2 Eigelb, 50 g Semmelmehl, 100 g Zwiebelwürfel, Salz, Pfeffer, gemahlener Kümmel, Senf, 800 g Sauerkraut, 500 g Champignons, 20 g Butter, 80 g Sahne, 200 g Sauerrahm, 100 g Schinkenspeckwürfel, 4  Salatblätter, 4 Holzzahnstocher.

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Zubereitung: Die Hackmasse mit dem Eigelb, der Hälfte der Zwiebelwürfel und dem Semmelmehl mischen, würzen und abschmecken. Acht ovale, gleichgroße Bällchen formen und im kochenden Salzwasser kurz aufkochen lassen, dann zehn bis 15 Minuten ohne Flamme garziehen lassen und danach im kalten Wasser abschrecken. Die Kartoffeln reiben und in einem Leinentuch auspressen. Das Püree mit der rohen Kartoffelmasse mischen und wenig salzen. Das kochfertige Sauerkraut erhitzen und mit der abgepressten Kartoffelstärke binden. Im Tiegel die Butter zerlassen, die übrigen Zwiebelwürfel glasig schwitzen und die Pilze in Scheiben dazugeben. Leicht anbräunen und abschmecken. Je ein Achtel der Kloßmasse wie einen "Elbkahn" um ein gares Hackstück formen, dabei den Schiffsbauch ausbilden und die Ladung auf dem Deck sichtbar lassen. Die acht Stücke im kochenden Salzwasser gar ziehen lassen. Wenn die "Elbkähne" nach zehn bis 15 Minuten oben schwimmen, sind sie fertig. Den gewürfelten Schinkenspeck braten und auslassen. Mithilfe der Zahnstocher als Mast werden die Salatblätter zu Segeln. Abschließend die "Kähne" mittig auf dem Teller, das Sauerkraut, die Pilze und den Sauerrahm drum herum, die Schinkenwürfel darüber und das Segel am Bug hissen. Guten Appetit.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog!

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