SZ +
Merken

Hier kommt die Maus

Auf den Feldern im Kreis droht eine Mäuseplage. Doch Landwirte dürfen sie nicht so bekämpfen, wie sie gern wollen.

Teilen
Folgen

Von Christoph Scharf

Putzig sieht sie aus, die Feldmaus. Wie sie frisches Grün in die Vorderpfoten nimmt und dann genüsslich zu nagen anfängt. Doch was im heimischen Terrarium bestenfalls possierlich wirkt, macht den Landwirten in der Region zunehmend große Sorgen. Denn nach dem relativ milden Winter mehren sich alle Anzeichen, dass dieses Jahr wieder eine Mäuseplage droht. „Wir erwarten, dass sich das Problem jetzt wieder ähnlich verschärft wie 2012“, sagt Andreas Jahnel vom Sächsischen Landesbauernverband. Damals hatten die Nager Ernteausfälle und Schäden in Millionenhöhe verursacht. Nun vermehren sich die Feldmäuse wieder außergewöhnlich stark, in Westsachsen, aber auch im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

„Wir mussten schon einige Male raus, um die Mäuse zu fangen“, sagt Lars Folde vom Gut Pesterwitz. Die Nager fressen die Wurzeln der Weinreben ab, „übrig bleibt nur ein Bleistift in der Erde“. Der Wein treibt zwar noch aus, vertrocknet dann aber schnell. Vielen Landwirten geht es ähnlich. Einige sind mit der sogenannten Legeflinte im Einsatz – einem Rohr, mit dem man Giftkrümel in die Mäuselöcher einstreuen kann. In jedes sollten wenigstens fünf Körner fallen, damit das Mittel wirkt. Dies sei die einzige Möglichkeit, die Plage wenigstens ein wenig einzudämmen. Weil für eine flächendeckende Bekämpfung der Aufwand aber zu hoch sei, bleibe nur noch eine weitere Möglichkeit: Ansitzmöglichkeiten für Raubvögel zu schaffen, die die Mäuse auf natürliche Weise bekämpfen.

Schäden in den Wäldern

Andreas Jahnel vom Bauernverband hält die Bekämpfung von Mauseloch zu Mauseloch für ein hilfloses Unterfangen. „Wenn man die Population nicht flächendeckend bekämpft, weichen die Tiere einfach aus.“ Das Einzige, was sonst noch helfen würde, wären außergewöhnlich starke Niederschläge, die die Tiere in ihren Bauten ersäufen. Das wäre allerdings auch mit beträchtlichen Folgeschäden für die Landwirte verbunden. „Wir haben eine ziemlich komplizierte Situation – und keine Anzeichen, dass sich was ändert.“

Ganz im Gegenteil: Das zuständige Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie befürchtet, dass 2015 wieder ein Gradationsjahr werden könnte – also ein Jahr, in dem der Mäusebestand ungewöhnlich stark ansteigt. Das kommt in Mitteleuropa etwa alle drei Jahre vor. Schon Anfang des Jahres wies das Landesamt die Landwirte deshalb auf die steigende Feldmausproblematik hin. „Wir informierten auch, dass nur rechtzeitige Kontrollen und eingeleitete Bekämpfungsmaßnahmen größere Verluste bei den landwirtschaftlichen Kulturen verhindern können“, sagt Sprecherin Karin Bernhardt. Zur selben Zeit wies die Behörde allerdings auch darauf hin, dass nur bestimmte chemische Mittel bei der Maus-Bekämpfung erlaubt sind und bestimmte Gifte verboten bleiben. Auch mit einer zeitlich befristeten Genehmigung sei nicht zu rechnen. So sind etwa Nagergifte auf der Basis von Chlorphacinon heute tabu – der Wirkstoff ist nicht nur für Feldmäuse, sondern auch für Haus- und Wildtiere und Wasserorganismen hochgiftig.

So wird sich die Mäusepopulation, die nicht durch den Winter dezimiert wurde, wohl in den Feldern weiter stark entwickeln. Das geht rasend schnell: Eine Maus kann bei einer Tragezeit von drei Wochen bis zu 13 Junge auf die Welt bringen. Die sind bereits nach weiteren zwei Wochen selbst geschlechtsreif. Unmittelbar nach dem Wurf lassen sich die Weibchen bereits wieder neu begatten – ein verhängnisvoller Kreislauf, der sich vor allem im Raps und auf Getreidefeldern auswirkt.

In den Wäldern des Sachsenforstes halten sich die Schäden noch in Grenzen. Auf einigen Forstkulturen haben Kurzschwanzmäuse die Rinde der jungen Bäume gefressen und Schermäuse die Wurzeln abgenagt, sagt Wolfram Gläser, der Leiter des Forstbezirks Bärenfels. „Hohe Grasauflagen sind bevorzugter Lebensraum der Mäuse, dort entstanden auch die Schäden.“ Wenn die Wälder noch nicht zu alt sind, werden die Stellen durch Nachpflanzungen ausgebessert. (mit SZ/sca)