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Hier kommt keiner mehr durch

Der Röder-Radweg geht über ein Privatgrundstück. Deshalb wurde er gesperrt. Die Gemeinde sieht das anders – ein Fall fürs Gericht.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Die Röder-Radroute ist ein regionales touristisches Bonbon. Immer entlang der Großen Röder kann man romantisch von ihrer Quelle bei Rammenau über Radeberg, Radeburg und Großenhain bis zur Rödermündung bei Kröbeln radeln. Den Fluss verlässt der Radweg nur selten. Doch eine Stelle ist schon auf der Karte ganz deutlich ausgespart – die Verbindung zwischen Freitelsdorf und Cunnersdorf. Hier steht der ortsunkundige Radler plötzlich vor einer unüberwindlichen Absperrung. Denn der direkte Weg führt am Schloss Cunnersdorf vorbei – damit über ein Privatgrundstück.

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Als Thomas Schulz und Anja Tomaschewski das Herrenhaus kauften, war der Radweg noch offen. Doch schon damals kündigten die neuen Eigentümer an, dass ein Kompromiss gefunden werden müsse. Denn mit den Hundehaufen und dem Müll auf ihrem Schlosshof wollte sich das Paar nicht abfinden. Viele Cunnersdorfer sahen das ein, man suchte nach Alternativstrecken. Sind doch damals selbst Fremde mit dem Auto zum Angeln über das Grundstück bis an die Röder gefahren.

Doch die Gemeinde Ebersbach wollte den bislang öffentlichen Weg nicht einfach abtreten. Man suchte in den Unterlagen und fand heraus, dass der Weg 1993 wohl öffentlich gewidmet worden sei. Er müsste nur noch nachträglich ins Straßenbestandsverzeichnis der Gemeinde eingetragen werden.

Doch damit begann das Tauziehen mit den Schlossherren. Thomas Schulz ist ganz und gar nicht der Ansicht, dass der Weg schon immer öffentlich war. „Bis 1945 ganz sicher nicht“, so der Radebeuler. Außerdem sei der Weg erst 1993 asphaltiert und damit neu angelegt worden, argumentiert er. Seine Absperrung hält er für rechtens, er hat der Eintragung widersprochen. Dass das Landratsamt nach der Prüfung dieses Widerspruchs sich nun auf die Seite der Gemeinde stellte, ficht ihn nicht an. „Wir sind vor Gericht gegangen, um die Sache ein für alle Mal juristisch klären zu lassen“, sagt Thomas Schulz. Er hatte 2009 noch den Vorschlag gemacht, den überregionalen Weg unmittelbar an der zum Schloss hin stehenden Landwirtschaftshalle vorbeizuführen. Aber das hatte Konrad Behrisch von der Cunnersdorfer Agrar abgelehnt. „Da geht es wieder über private Grundstücke“, so Behrisch.

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Die Gemeinde Ebersbach führte für ihre Argumentation alte Zeitungsbeiträge auf und Rechnungen, die die kommunale Asphaltierung der Trasse beweisen. Damit wollte die Kommune die Schlossherren verpflichten, die öffentliche Wegnutzung wieder herzustellen. Bisher ist ihr das nicht gelungen. Die Radler und Spaziergänger müssen über den Sandweg südlich des Flusses, teilweise nahe an der Straße. Eine Klärung bei Gericht kann sich nach Auskunft von Thomas Schulz noch Jahre hinziehen.