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Hier laufen die Geschäfte ab Montag wieder

Die Inhaber in der Region Döbeln haben sich auf die besondere Situation vorbereitet und freuen sich auf die Kunden. Nur einer ist verärgert.

Carolin Hoffmann von Fahrrad-Hoffmann Roßwein wird ab Montag wieder öffnen.
Carolin Hoffmann von Fahrrad-Hoffmann Roßwein wird ab Montag wieder öffnen. © Dietmar Thomas

Läden bis zu einer Größe von 800 Quadratmetern dürfen am Montag wieder öffnen. Unter bestimmten Bedingungen. Die Entscheidung fiel kurzfristig. Die Händler in der Region haben deshalb zum Ende der vergangenen Woche im Eiltempo die nötigen Vorkehrungen getroffen.

Kunden halten zur Stange

Per E-Mail und über WhatsApp hat Heidi Bixl, Inhaberin von H.a.M. Mode in Hartha, in den vergangenen Wochen Teile ihres Sortiments verkauft. „Das hat gut geklappt“, sagt sie. „Ich habe ein super Feedback von den Kunden bekommen. Sie kommen wieder. Ich bin allen dankbar, die an mich gedacht haben.“ 

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Neben der noch vorhandenen, kommt in dieser Woche auch die Hochsommerware, die die Lieferanten bis jetzt in ihren Lagern zurückgehalten haben.  Auch wenn sie durch das Desinfizieren der Türklinken und Kabinen bis hin zum Stift fürs Unterschreiben mehr Arbeit hat, freut sich Heidi Bixl auf den Neustart.  

Sie und die beiden Verkäuferinnen werden Schutzmasken tragen, ein Tisch vor der Kasse sorgt für Abstand und ein Schild an der Tür zeigt den Kunden, ob sie sich etwas gedulden müssen, weil bereits einige Kunden im Laden sind, oder ob sie eintreten können.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<< 

Fahrradreparatur brummt

Recht locker sieht Helmut Hoffmann vom gleichnamigen Fahrradgeschäft in Roßwein die Situation. „Wir machen den Laden auf und los geht’s“, sagt er. Die Öffnungszeiten sind die alten. Er erwartet keinen großen Kundenstrom, denn den gab es bereits. Während der Schließzeit des Geschäfts blieb die Werkstatt geöffnet. 

Vom uralten Fahrrad bis zum E-Bike reparieren Hoffmanns alles. „So viel zu tun hatten wir selten“, meint Hoffmann. Das schöne Wetter und die größere Freizeit habe viele animiert, nach ihren Rädern zu sehen und sie instandsetzen zu lassen.

Körbe regeln den Kundenstrom

Die zehn Mitarbeiter von Euronics in Döbeln haben den knapp 700 Quadratmeter großen Elektronikmarkt am Freitag für die Wiedereröffnung vorbereitet. Aufkleber auf dem Boden vor den Beratungstresen und der Kasse fungieren als Abstandshalter. Die Tresen erhalten auch noch einen Plexiglasschutz. 

Ob die Mitarbeiter, die bis jetzt in Kurzarbeit waren, einen Mundschutz tragen wollen, könne jeder selbst entscheiden. „Sie sind motiviert und freuen sich auf die Kunden“, sagt Geschäftsführer Mathias Morgenstern. Einkaufskörbe sollen den Kundenstrom regulieren. Bei der Größe des Marktes dürfen sich etwa 30 Kunden gleichzeitig darin aufhalten.

Frank Neubert und seine Kollegen haben alle nötigen Dinge vorbereitet, um ab Montag wieder zu öffnen. Schilder und Absperrband sind nur zwei Maßnahmen von vielen.
Frank Neubert und seine Kollegen haben alle nötigen Dinge vorbereitet, um ab Montag wieder zu öffnen. Schilder und Absperrband sind nur zwei Maßnahmen von vielen. © Dietmar Thomas

Onlinehandel gescheitert

Den Versuch, seine Waren online zu verkaufen, hat Thomas Riedemann vom gleichnamigen Schuheinzelhandel in Hartha und Leisnig schnell wieder aufgegeben. Zum einen sei der Softwarehändler überlastet gewesen. Zum anderen habe sich abgezeichnet, dass in seiner Branche das Online-Geschäft rückläufig ist. Für seine vier Mitarbeiter hat er Schutzmasken bestellt. 

„Aber ob die noch rechtzeitig geliefert werden?“, fragt er sich. Auch die Plexiglasscheiben für die Kassenbereiche können erst in der ersten Woche montiert werden. Schilder am Eingang werden auf die begrenzte Kundenzahl hinweisen, die den Laden betreten darf. In Hartha sind das zehn, in Leisnig sieben. Dabei hofft Riedemann auf die Vernunft der Kunden.

Mundschutz im Angebot

Ob sie selbst einen Mundschutz trägt, will Romy Barthel, Inhaberin des Modehauses Barthel in Waldheim am Montag entscheiden. „Für die Kunden habe ich einen sommerlichen Mundschutz bestellt. Den werde ich mit anbieten“, erklärt sie. Im Kassenbereich hat sie eine verschiebbare Plexiglasscheibe angebracht und auf dem Boden den Abstand markiert. 

Zwischenzeitlich hat sie fast keine Waren verkauft. „Die Kunden wollen sich die Kleidung vor Ort anschauen“, so ihre Erfahrung. Der Laden sei voll Ware. „Die Saison war gerade gestartet und das Geschäft zu.“ Sie hofft, dass der Neustart gut gelingt. „Wir brauchen Leben in der Stadt.“ 

Romy Barthel beteiligt sich auch an der gemeinsamen Gutscheinaktion des Waldheimer Gewerbevereins, der Waldheimer Stadtverwaltung und des Döbelner Anzeigers.

Blumiger Neustart

Blumen Schubert konnte in den vergangenen Wochen statt in den Geschäften in Döbeln, Leisnig und Grimma nur in der Gärtnerei in Leisnig Pflanzen und Co. anbieten. Für die Wiedereröffnung hat Inhaberin Katrin Schuricht Masken und Desinfektionsmittel angeschafft. Die Läden sind relativ klein. 

In Döbeln darf ihn nur ein Kunde und in Leisnig maximal zwei auf einmal betreten. Darauf weisen Schilder an den Türen hin. „Aber die Wartenden können sich ja derweil bei unseren Außenauslagen umsehen“, schlägt Katrin Schuricht vor.Pflanzen für den Außenbereich hat Mike Graichen bereits am Sonnabend für das Blumenhaus am Lidl in Waldheim besorgt. 

Am Montag kommen frische Schnittblumen dazu. Für die drei Mitarbeiterinnen, die zwischenzeitlich in Kurzarbeit waren, stehen einfacher Mundschutz und jede Menge Handdesinfektionsmittel zur Verfügung. Die Erfahrung zeige, dass es einen regelmäßigen Kundenstrom in dem 234 Quadratmeter großen Laden gebe und auch früher schon nie mehr Kunden gleichzeitig im Geschäft waren, als jetzt erlaubt sind. 

Trotzdem werde noch einmal darauf hingewiesen. Dabei und beim Abstand halten hofft Mike Graichen auf das Verständnis und die Vernunft der Kunden.Kurz bevor das Geschäft Mitte März schließen musste, hätten die Menschen „schon kein Auge mehr für Blumen gehabt“. Einen Großteil habe er noch an Freunde und Bekannte weitergeben können, letztendlich aber auch Blumen im Wert von 3.000 Euro wegwerfen müssen.

Unfairer Wettbewerb

Es war alles vorbereitet, die Mitarbeiter eingewiesen, Sicherheitszonen eingerichtet, die Kassenbereiche abgeschirmt, das Unter- und Obergeschoss abgesperrt. Statt der rund 2.000 Quadratmeter hätte das Henwi-Kaufhaus dadurch weniger als 800 gehabt. Trotzdem darf es am Montag nicht öffnen. 

Nach den Vorgaben der sächsischen Landesregierung ist eine Verkleinerung der Verkaufsfläche durch Absperrungen verboten. Grundsätzlich zeigt Ralf Hensgens Verständnis. „Es geht um die Gesundheit der Menschen“, sagt der Henwi-Geschäftsführer.

Gleichzeitig spricht er von unfairem Wettbewerb und Marktverschiebung. Er hätte sich gewünscht, dass es für alle Bundesländer eine einheitliche Regelung gibt. Es sei unverständlich, dass in Sachsen-Anhalt ein Einkaufszentrum öffnen darf und ein zehn Kilometer entferntes in Sachsen nicht, nennt er als Beispiel.

Trotz, dass es sich um Kleidung handelt, spricht Ralf Hensgens von verderblicher Ware im Kaufhaus. „Für die Frühjahrskollektion haben wir über 100.000 Euro Abschriften vorgenommen. Die Ware muss raus“, sagt er. Der Geschäftsführer füge sich den Vorschriften, „aber man wird über Schadenersatz reden müssen“. Jetzt beginne die Vorbereitung von Neuem, in der Hoffnung, dass bei den nächsten Gesprächen der Regierung in zwei Wochen eine Entscheidung zugunsten der größeren Läden fällte. 

Derzeit lasse Henwi Mundschutzmasken produzieren, für die 160 Mitarbeiter, aber auch für den Verkauf an die Kunden. Allerdings wolle er daran nichts verdienen, meint Ralf Hensgens. Er denke darüber nach mit dem Geld einen Corona-Fonds einzurichten. Mit dem wolle er Menschen in Ländern helfen, in denen offizielle Hilfe zuletzt ankomme.

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