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Hoyerswerda

Hier legt sich die Jugend ins Zeug

Das Jugendclubhaus „Ossi“ präsentierte am Samstag seine vielfältigen Angebote. Das Haus steht aber nicht nur jungen Menschen offen.

Ganz schön geschickt: Der siebenjährige René, übte sich auf der Spielfläche vor dem Haus im Balancieren.
Ganz schön geschickt: Der siebenjährige René, übte sich auf der Spielfläche vor dem Haus im Balancieren. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Fragt man Franziska Grabowski, wie es in ihrem Arbeitsleben so läuft, dann antwortet sie: „Ich komme jeden Tag aus Dresden hierher. Das sagt doch Einiges, oder? Es ist einfach eines der coolsten Häuser der Region.“ Die quirlige Frau mit den rot gefärbten Haaren leitet Hoyerswerdas Jugendclubhaus Ossi. 

Am Sonnabend hatte es zum jährlichen Tag der offenen Tür eingeladen. Es gibt dem Vernehmen nach Verantwortungsträger, die nicht so sicher sind, ob die Angebote des Hauses noch zeitgemäß sind. Sie hätten ihre Antwort gut finden können, wären sie am Sonnabend dabei gewesen, als die Ossi-Hip-Hop-Kids im Saal ihre Tanzdarbietung zeigten. Um sie herum standen und saßen so viele Zuschauer, wie sie bei Fußballspielen im benachbarten Jahnstadion eher selten zusammenkommen. Tony, 12, und Lisa, 13, sind Stammgäste im Ossi. Die beiden Schüler der Neustadt-Oberschule treffen sich hier im Freundeskreis, spielen Billard oder am Computer – was, wie Tony sagt, aber nur zwei Stunden am Stück erlaubt ist. Man kann den PC-Raum freilich auch nutzen, um Hausaufgaben zu machen. Manchmal sitzt die Clique auch einfach nur auf dem Sofa im sogenannten Grünen Salon, um Musik zu hören. Tony zum Beispiel ist Fan des Mannheimer Rappers Apache 207. Lisa erzählt, dass manche Nutzer des Hauses vor den großen Spiegeln im Grünen Salon Tanz-Choreografien üben. Sie selbst kommt jeden Montag für eine Tanz-AG im Ganztagsangebot ihrer Schule ins Ossi.

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Am Sonnabend konnte man im Grünen Salon Blumen aus Pappe basteln oder Schlüsselanhänger aus Perlen und Knöpfen. Den Gang hinunter gab es Puppentheater. Genutzt wurde der Bastel- und Spieleraum, in dem sich aber regelmäßig auch die KuFa-Strickfrauen, der Malzirkel der Gewerkschaft GEW oder ein Migranten-Verein in Gründung treffen.

„Es geht uns um die Schaffung von Freizeitangeboten“, erzählt Helga Nickich von der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Demokratie und Lebensperspektiven über die Betreibung des Hauses. Es ist jetzt fast anderthalb Jahrzehnte her, dass die RAA es von der Stadt übernahm. Die offene Freizeitstätte passte ins Konzept, sie fällt in die Kategorie Lebensperspektiven. „Ein wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit der Sozialpädagoginnen ist die Kommunikation mit den Kindern und Jugendlichen, um Problemlagen und Konflikte zu erkennen und, falls möglich, unterstützend einzugreifen“, beschreibt die RAA. Immerhin 15 000 Nutzer wurden im vergangenen Jahr gezählt.

Seitens der Stadt heißt es, man denke gemeinsam mit der RAA derzeit über die Entwicklung des Jugendclubhauses nach. Zum einen weise das Gebäude erhebliche bauliche Mängel auf. Zum anderen sollten die Angebote konzeptionell ausgebaut werden. Daraus ergebe sich ein Mehrbedarf sowohl an Nutzungszeiten wie auch an Flächen. Und: „Aufgrund der steigenden Bewirtschaftungskosten wird der Träger in langer Sicht nicht mehr in der Lage sein, das Gebäude zu bewirtschaften, sodass verschiedene zukunftsfähige Betreibermodelle geprüft werden.“

Tony und Lisa fühlen sich im Ossi wohl, machen sich aber ganz ähnliche Gedanken. Es wäre schön, sagen sie, wenn das Jugendclubhaus auch an den Wochenenden geöffnet wäre. Gerade dann sei es für sie nämlich häufig ziemlich langweilig.