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Hier liegen Drogen im Wert von 150.000 Euro

Die Bundespolizei findet in Sebnitz 2,5 Kilogramm Crystal. So viel wurde an der Grenze noch nie sichergestellt.

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Von Thomas Möckel

Als die Bundespolizisten am späten Dienstagvormittag den Mercedes älteren Baujahres in Sebnitz kurz hinter dem Grenzübergang zur Seite winken, ahnen sie noch nicht, was sie gleich finden werden. Wenig später stellt sich heraus: Ihnen ist ein Fahndungserfolg geglückt, den es in dieser Form noch nicht gab.

Bei der Kontrolle stoßen die Ermittler auf einen mutmaßlichen Drogenschmuggler, der 2,5 Kilogramm Crystal bei sich hatte. Laut Bundespolizei und Zollfahndung ist dies die größte Einzelmenge dieser synthetischen Droge, die bislang an der sächsisch-deutschen Grenze sichergestellt wurde.

Beamte der Bundespolizeiinspektion Altenberg wollten am 2. April in den Vormittagsstunden einen 37-jährigen russischen Staatsangehörigen kontrollieren, der kurz zuvor über den Grenzübergang Sebnitz nach Deutschland eingereist war. Als die Fahnder dessen Personaldokumente überprüften, stellen sie allerdings fest, dass damit etwas nicht stimmte. Daraufhin entschlossen sie sich, das Auto des Kontrollierten genauer zu untersuchen. Sie baten den 37-Jährigen, dafür den Mercedes einige Meter weiter nach vorn zu fahren.

Während der Russe das Fahrzeug umparkte, warf er etwas aus dem Autofenster. Bei der sofort eingeleiteten Suche fanden die Bundespolizisten drei Tüten, zwei waren bis obenhin, eine zur Hälfte mit Crystal gefüllt. Als die Ermittler nachwogen, stellten sie fest: In den Tüten befanden sich insgesamt 2,5 Kilogramm der gefährlichen Synthetik-Droge.

Die Bundespolizisten übergaben den Fall dem zuständigen Zollfahndungsamt Dresden, dessen Ermittler begannen noch vor Ort, weiter zu ermitteln.

Nachdem ein Richter es angeordnet hatte, durchsuchten Zollfahnder noch in den Nachmittagsstunden des 2. April die Wohnung des Beschuldigten in Weiswasser sowie die Wohnung der Fahrzeughalterin in Dresden. Nach Angaben der Ermittler hielt sich der Russe dort nach eigenen Angaben regelmäßig auf. In der Dresdner Wohnung stellten die Beamten 19 000 Euro Bargeld sicher, die nach den ersten Ermittlungen dem Beschuldigten zuzuordnen sind. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Dresden erließ das zuständige Amtsgericht am Mittwoch einen Haftbefehl, der mutmaßliche Drogenschmuggler sitzt jetzt in Untersuchungshaft.

Welches Ausmaß die gefundene Menge hat, zeigt sich auch anhand anderer Zahlen: Laut der Zollfahnder hätten aus den 2,5 Kilogramm Crystal bis zu 100.000 Konsumeinheiten gewonnen werden können. Die sichergestellte Menge hat in der Bundesrepublik einen Straßenverkaufswert von mindestens 150.000 Euro.

Wenngleich die Menge besonders groß und an der sächsisch-tschechischen Grenze bislang einmalig ist, werden Drogen schon seit geraumer Zeit massiv über die Grenze geschmuggelt – meist nicht in so großem Stil, sondern stetig in kleineren Mengen. Der Schmuggel beschränkt sich meist auf zwei verbotene Substanzen: Marihuana und Crystal. Beamte des Hauptzollamtes Dresden – zuständig für derartige Schmuggel-Delikte in der hiesigen Grenzregion – erwischten allein im vergangenen Jahr 250 Schmuggler mit den weißen Kristallen. Der schwunghafte Import verbotener Substanzen ist laut Zollamtssprecherin Heike Wilsdorf vor allem dem Umstand geschuldet, dass sich die Drogen relativ problemlos in Tschechien beschaffen lassen.

Laut Heike Wilsdorf handelt es sich bei Crystal allerdings um die gefährlichste Droge, die derzeit in Deutschland auf dem Markt ist. Der Stoff aus Tschechien hat einen extrem hohen Wirkstoffgehalt, schon einmaliger Missbrauch kann süchtig machen. Crystal zerreißt die Schleimhäute, frisst Löcher in Gehirnzellen und lässt den Körper unheimlich schnell altern.