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Hier mischt der Meister die Farben selbst

Alois Wessela ist seit 41 Jahren Maler. Die Hälfte dieser Zeit ist er selbstständig. Und das hat er noch nie bereut.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Groß ist die Werkstatt in Niedergurig nicht, in der Alois Wessela Farben, Tapeten und Malerzubehör lagert. Und auch Kataloge hat er dort zu liegen – für Bodenbeläge, Farben oder Tapeten. Ein Teil davon bleibt meist im Diensttransporter. Und auch diese Tapeten bringt er gern mit zu den Kunden. Dabei ist grün seine Lieblingsfarbe. Heute feiert Alois Wessela 20 Jahre Selbstständigkeit.

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Die Idee, Maler zu werden, entstand schon in der Schulzeit. Der gebürtige Sorbe – Wessela kommt von wjesoly: fröhlich, die Freude – hat in den Ferien schon bei einem Maler in Radibor gearbeitet. Gelernt hat er dann in Bautzen bei der Firma Stadt- und Landbau. „Hier war ich im Prinzip bis zur Wende in der Ausbauabteilung in Kleinwelka“, sagt Alois Wessela. Die Wende war dann seine Chance, den Wunsch eines eigenen Betriebes zu erfüllen. Doch dafür brauchte er den Meistertitel. Der war in den 90er Jahren noch Voraussetzung, um sich selbstständig zu machen. Also ging er 1990 erst einmal in den Westen, um das ganze neue Material und die Farben kennenzulernen. Zu Beginn der Meisterausbildung kam er zurück in die Heimat, wo die Familie in Niedergurig erst kurz vor der Wende ein Haus gebaut hat. Das Büro mit Wintergarten ist schon ein Hingucker. Und natürlich können Kunden selbst hier schon mal Lust auf verschiedene Muster, Farben und Techniken bekommen. „Ich habe von Anfang an den größten Teil der Farbtöne selbst gemischt“, sagt der 58-Jährige. Und seine Frau Ines, die gemeinsam mit ihm den Entschluss gefasst hat und seine organisatorische Hilfe ist, weiß, dass ihr Mann selbst nach mehreren Jahren noch eine Fassade ausbessern kann. „Den Farbton trifft er genau, dafür hat er ein Händchen“, sagt Ines Wessela.

Die Zeit der Meisterschule war nicht leicht. Während der praktischen Ausbildung in Dresden konnte Alois Wessela kein Geld verdienen. Deshalb ging seine Frau ein Jahr lang voll arbeiten. „Das war mit unseren damals noch sehr jungen Töchtern nicht so leicht“, sagt Ines Wessela. Doch das ist vergessen. Denn den Meisterbrief erhielt Alois Wessela 1993 immerhin aus den Händen von Kurt Biedenkopf. Das war im Kulturpalast Dresden. Und genau am 5. April 1994 ging Wessela in die Selbstständigkeit. Er baute im Nebengebäude die Werkstatt aus, in der immerhin noch Platz für sein „Liebchen“, eine Trophy, ist. „Genau so eine hatte ich als Jugendlicher. Die habe ich im Winter wieder aufgepeppt“, schmunzelt der Malermeister.

Die Familie hat den Schritt in die Selbstständigkeit nie bereut. „Wir arbeiten gern, und es macht Spaß, gemeinsam mit den Kunden das Beste für ihre Wohnung oder ihr Haus herauszuholen“, sagt Alois Wessela. Dabei nimmt er Aufträge nur innerhalb vom Kreis Bautzen an. Neben Privatkunden hat er auch Kunden bei Hausbaufirmen wie Kern-Haus, mit denen er zehn Jahre zusammenarbeitete, oder aber bei Baubetrieben und Hausverwaltungen. „Bei all unseren Kunden möchten wir uns für die Treue bedanken“, sagen die Wesselas. Denn so einfach wie in den 90er Jahren ist die Auftragslage nicht mehr. Damals gab es genug Fördermittel und der Bedarf war groß. Heute ist es gut, auch Folgeaufträge zu erhalten. Zum Beispiel, wenn eine Familie jedes Jahr Geld spart für einen weiteren Raum. Spaß macht natürlich auch, wenn der Malermeister, der Mitglied der Innung ist und seinen beiden Gesellen Tariflohn zahlt, seine Kreativität ausleben kann. So wie in einem Haus, wo der Bauherr die Scheune zu einem Feierraum umbauen wollte. Da gibt es Säulen, Tor und Steinmauern, die nur aus Farbe bestehen.

Alois Wessela hofft, dass junge Menschen merken, was er für einen tollen Beruf hat. Als Mitglied im Gesellenprüfungsausschuss kann er es manchmal spüren.