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Görlitz

Hier sind die Kirschen reif

In der Region gibt es viele Kirschalleen. Bei einer ist das kostenlose Pflücken ausdrücklich erwünscht.

Bäume voller saftiger Früchtchen: Auf der Straße zwischen Königshain und Liebstein wachsen zahlreiche Kirschbäume.
Bäume voller saftiger Früchtchen: Auf der Straße zwischen Königshain und Liebstein wachsen zahlreiche Kirschbäume. © C. Junghanß

Mit weißen Blütenwolken schmückten sich die Kirschallee-Bäume im Frühjahr. Jetzt hängen sie voller roter Früchte. Die Erntezeit hat begonnen. Kirschen wachsen aktuell reichlich. An den Bäumen an der Straße zwischen Königshain und Liebstein lehnt so manche Leiter. Gepflückt werde, so sagt ein Mann, zum Eigenbedarf. Einen kleinen Eimer füllt er ab.

Mundraub sei das sozusagen, meint er lächelnd. Seinen Namen will der Mann trotzdem nicht sagen. Wer weiß, nicht dass er dann doch noch Ärger bekäme? Den Begriff „Mundraub“ jedenfalls gibt es gar nicht mehr. „Das ist ein umgangssprachlicher und nicht mehr im Strafgesetzbuch verwendeter Begriff, der den Diebstahl von Nahrungsmitteln in geringer Menge oder von unbedeutendem Wert zum alsbaldigen Verbrauch zum Gegenstand hatte“, teilt Kreissprecherin Julia Bjar auf Nachfrage der SZ mit. Dieser Straftatbestand wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1975 abgeschafft, sodass heute – käme es zu einer Anzeige - die höhere Strafe für Diebstahl verhängt werden könne.

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Darf da also keine Kirsche für den Selbstverbrauch im Eimer landen? Doch. Die Kreissprecherin sagt, dass von Bäumen auf öffentlichen Flächen auch gesammelt werden kann. „Straßenbäume stehen im Regelfall auf öffentlichen Flächen“, so Julia Bjar.

Man sollte sich aber im Zweifelsfall bei der zuständigen Straßenbauverwaltung, dem Grünflächenamt oder der Unteren Naturschutzbehörde erkundigen, ob Obstbäume auf öffentlichem Grund stehen und somit das Pflücken erlaubt ist. „Denn bei Streuobstwiesen und eingerückten Bäumen an Straßen kann es immer auch einen privaten Besitzer geben“, sagt die Kreissprecherin. Der entscheidet letztendlich, ob die Kirschen mitgenommen werden dürfen oder nicht.

Der Landschaftspflegeverband Oberlausitz mit Sitz in Reichenbach pflanzte in Groß Radisch für den Kultur- und Heimatverein im Vorjahr viele neue Kirschbäume. „Fast Hundert Stück waren das“, sagt Mitarbeiterin Ramona Bauer. Verschiedene Sorten von Früh- bis Spätkirschen kamen in die Erde. Geerntet wird vom Verein, der sich auch um die Allee kümmert. An der Deutsch-Paulsdorfer Straße, Ortsausgang Sohland, gibt es ebenfalls eine Kirschallee. Zahlreiche alte Alleekirschbäume wachsen auch unterhalb vom Rotstein in Sohland. Da flattern die Vögel und naschen. Und so mancher Wanderer steckt sich eine Handvoll Kirschen in den Mund.

Jauernick-Buschbachs Kirschallee ist in der Blütezeit beliebtes Fotomotiv bei Einheimischen und Touristen. Selbst der Aussichtspunkt heißt „Kirschallee“. Da ist das Pflücken beispielsweise ausdrücklich erlaubt und erwünscht, wie Ortsvorsteher Helmut Zaunick bestätigt. „Die Bäume gehören zur Gemeinde Markersdorf“, sagt er. Im Vorjahr hätten „ganz paar Leute“ die Kirschenernte gern angenommen. Zumal das Angebot kostenfrei ist. Man müsse nur einen Behälter mitbringen, darauf Acht geben, die Bäume nicht zu beschädigen und umsichtig bei der Ernte sein.

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