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Radebeul

Hier soll der Lößnitzbach fließen

Das Gewässer wird umverlegt und soll kurz vor der Mündung nicht mehr in Rohren strömen. Wo genau, kann man sich jetzt angucken.

Bisher laufen unterhalb von Serkowitz sowohl Abwasser als auch der Bach in einem Kanal in die Elbe. Das soll sich ändern. Der Lößnitzbach wird künftig getrennt über die Wiese fließen.
Bisher laufen unterhalb von Serkowitz sowohl Abwasser als auch der Bach in einem Kanal in die Elbe. Das soll sich ändern. Der Lößnitzbach wird künftig getrennt über die Wiese fließen. © Norbert Millauer

Radebeul. Es ist das teuerste und wahrscheinlich auch komplizierteste Bauprojekt, das in den nächsten Jahren auf Radebeul zukommt: Die Verlegung des Lößnitzbaches wird schätzungsweise rund sieben Millionen Euro kosten. Immerhin kann die Stadt mit großzügigen Fördermitteln rechnen und muss von der Gesamtsumme nur etwa 500.000 Euro selbst bezahlen.

Allein die Planungen sind so umfangreich und kostspielig, dass die Stadt verpflichtet war, EU-weit nach Planungsfirmen zu suchen. Den Zuschlag erhielten letztendlich zwei Büros aus der Nähe: Aci Aquaprojekt Cusult aus Dresden, das den rein wasserbaulichen Teil bewältigt und das Büro Stowasserplan aus Radebeul, das den naturschutzrechtlichen Teil bearbeitet. Jetzt haben die Experten Planungen vorgelegt, wo der Lößnitzbach künftig entlang fließen soll.

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Auf einer Übersichtskarte, welche die Stadt veröffentlichte, sieht man, dass der Bach seine bisherige Route schon an der Bahnunterführung an der Straße des Friedens verlassen und dann näher an der Gärtnerei fließen wird. Auf Höhe der Kfz-Werkstatt und der Pension „Zur guten Quelle“ soll der Bach die Kötzschenbrodaer Straße unterqueren.

 Danach fließt er parallel zur Straße in einem Bogen bis hinter die Einmündung Weintraubenstraße und weiter oberirdisch über die Wiesen bis zur Elbe. Die Mündung wird weiter elbabwärts, fast auf Höhe der Panzerstraße, sein.

© SZ Grafik/ Romy Thiel

Die Planer hatten insgesamt drei verschiedene Varianten entworfen, von denen die oben beschriebene als Vorzugsvariante ausgearbeitet wurde. Interessierte können die Unterlagen, in denen die verschiedenen Varianten geprüft wurden, ab dem 1. November bis zum 30. November im Technischen Rathaus im Sachgebiet Stadtgrün, Zimmer 1.01, bei Heike Funke zu den Öffnungszeiten der Verwaltung ansehen.

Durch den jetzigen Kanal fließen sowohl der Lößnitzbach als auch Abwässer aus dem Kanalnetz von Radebeul-Ost und aus privaten Kläranlagen von der Straße des Friedens. Das darf laut der EU-Wasserrahmenrichtlinie so nicht mehr sein. „Heutzutage sind solche Vermischungen nicht mehr gestattet. Deshalb wird es in Zukunft zwei getrennte Anlagen geben.

Der alte Lößnitzbachkanal wird verrohrt und der Lößnitzbach erhält ein eigenes, neues Gewässerbett“, informiert Stadtsprecherin Ute Leder. Der neue Verlauf werde so gestaltet, dass bei Hochwasser kein Wasser mehr über die Ufer treten kann.

Die EU-Richtlinie legt außerdem fest, dass das Fließgewässer wie der Lößnitzbach naturnah und lebendig gestaltet werden sollen. Uferbefestigungen und begradigte Wasserläufe soll verschwinden, Bäche stattdessen wieder natürlich durch die Landschaft fließen.

Das Großprojekt war im Stadtrat wegen seiner hohen Kosten umstritten. OB Wendsche betonte damals, dass es ohne die Verlegung und Trennung von Bach und Kanal keine Baugenehmigung für die Sanierung des alten Grabens gebe. Beim Hochwasser 2013 sind Teile der steilen Wände eingestürzt.

Der gesamte Auslaufgraben ist nicht mehr standsicher, erklärte die Stadtverwaltung. Untersuchungen hätten gezeigt, dass Reparaturen an einzelnen Stellen nichts mehr bringen.

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