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Frank-Uwe Michel über die Pflicht der Gemeinderäte

Von Frank-Uwe Michel
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© André Schulze / Montage: SZ-Bildstelle

Vier Mitgliedsgemeinden hat der Verwaltungsverband Weißer Schöps/Neiße. Kodersdorf, Horka, Neißeaue und Schöpstal. Die Situation in den Dörfern könnte nicht unterschiedlicher sein. Nehmen wir zum Beispiel Kodersdorf und Horka.

Der Moment, in dem die Gemeinderäte erfuhren, dass ihr gemeinsames, interkommunales Vorzeigeprojekt – der Bau des Feuerwehrgerätehauses in Särichen – nicht die erhoffte Förderung erfährt, löste unterschiedliche Reaktionen aus. In Kodersdorf war man sich nach der ersten Verwunderung ziemlich schnell einig über die Forcierung des Vorhabens, notfalls auch allein. In Horka gibt es Schockwellen bis zum heutigen Tag. Wenn der Freistaat nicht noch ein Einsehen hat, war‘s das mit dem Plan, der Mückenhainer Wehr zusammen mit den Särichener Kollegen ein neues Domizil zu verschaffen.

So nah die geografische Lage, so verschieden die finanzielle Stärke der beiden Kommunen. Was Kodersdorf seit ein paar Jahren mit der Ansiedlung großer Firmen im Gewerbegebiet geschafft hat, geht an Horka bisher völlig vorbei – Wirtschaftskraft. Und damit die Möglichkeit, Einnahmen zu erzielen. Projekte voranzutreiben und nicht komplett abhängig von Zuwendungen zu sein. Die Gemeinderäte in beiden Orten dürften ihre Aufgabe, gewissenhaft den Haushaltsentwurf zu prüfen, deshalb mit mehr oder weniger Begeisterung ausführen. Wem macht es schon Spaß, immer wieder den Daumen senken zu müssen, anstatt die Entwicklung der Gemeinde auf den Weg zu bringen. Nicht zum ersten Mal geistert deshalb das Gespenst der Großgemeinde durch den Verwaltungsverband, ein Gebilde mit zwei starken und zwei weniger starken Partnern. Gewünscht wird sie von niemandem. Aber wenn der finanzielle Zwang zu groß wird – was dann?

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