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Bautzen

Hier war der Ansturm am Denkmaltag besonders groß

Bautzens Bahnhof wird zum Behördenzentrum umgestaltet. Jetzt öffneten die Investoren die Baustelle für Besucher - und wurden überrascht.

Die Schwestern Regina Schröder (l.) und Marlies Schneider waren von der Sanierung des Bautzener Bahnhofs begeistert, als sie das Gebäude zum Tag des offenen Denkmals besichtigten.
Die Schwestern Regina Schröder (l.) und Marlies Schneider waren von der Sanierung des Bautzener Bahnhofs begeistert, als sie das Gebäude zum Tag des offenen Denkmals besichtigten. © Steffen Unger

Bautzen. Sie hatten noch eine Stunde Zeit, ehe der Zug die gebürtige Bautzenerin Regina Schröder in ihre jetzige Heimat fährt. Seit 40 Jahren lebt sie dort und kam jetzt anlässlich einer Familienfeier zu ihrer Schwester Marlies Schneider. Was aus dem Bautzener Bahnhofsgebäude wird, interessierte beide – schließlich können sie sich noch daran erinnern, wie es hier früher aussah. Möglich wurde die Besichtigung durch den Tag des offenen Denkmals am Sonntag, bei dem die Investoren Einblicke ermöglichten.

Schon eine halbe Stunde vor Beginn bildete sich eine Schlange vor dem Bahnhofsgebäude. Investor Gerald Lucas war sehr überrascht. „Wir wollten eigentlich Führungen durch die sanierten Etagen machen. Aber bei dem Andrang war das gar nicht möglich“, so Gerald Lucas. Und so standen Mitarbeiter der Firma Hentschke Bau auf jeder Etage und beantworteten die Fragen der Besucher. So unter anderem zum Verbleib der einst in der Halle befindlichen Zeichnungen. Acht waren es insgesamt und sie wurden Teil der Auflagen des Denkmalschutzes. Nun sind vier von ihnen weiterhin öffentlich in den Fluren der ersten Etage zu sehen, zwei verschwanden unter dem Trockenbau. Nur die beiden Themen Lowa und Fischzucht mussten weichen.

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„Wir haben aber alles dokumentiert und wollen eine Nachbildung in kleinerem Format reproduzieren“, sagt Architekt Philipp Scholze. Der junge Mann ist seit fünf Jahren in der Firma und arbeitet seit drei Jahren am Projekt mit. „Das ist für mich eine tolle Aufgabe. Das Gebäude wird in der Öffentlichkeit wahrgenommen, und das tut auch der Stadt gut“, sagt Philipp Scholze. Die Büroräume im Seitenflügel sind mittlerweile fast alle fertig. Zwischen 200 und 230 Mitarbeiter des Landratsamtes sollen hier einziehen. Auf drei Etagen wird die Behörde künftig Büros und Beratungsräume nutzen. Auf einer Fläche von mehr als 4.000 Quadratmetern kommen nicht nur das Sozialamt und das Jugendamt unter, sondern auch die Außenstelle des Straßenverkehrsamtes mitsamt Zulassungs- und der Fahrerlaubnisbehörde.

Im November will Investor Jörg Drews das sanierte Gebäude übergeben. „Wir liegen voll im Zeitplan. Einige Mieter scharren ja auch schon mit den Hufen“, sagt Drews, den das Interesse der Leute am Sonntag freute. Der Bäcker kann Ende Oktober in seine Räume, damit er sie einrichten kann. Die Barmer auf der anderen Seite kann vielleicht sogar schon eher einziehen. Ganz zum Schluss kommt die große Halle dran, in der jetzt noch die Gerüste bis zur gläsernen Dachkuppel reichen. „Das Oberlicht mit seinem Lichteinfall zeugt vom Gefühl einer Halle, die auch den Bahnhofscharakter unterstützt“, sagt Jörg Drews. Er vermutet, dass das Gebäude auch künftig immer als Bahnhof und nicht als Behördenzentrum bezeichnet werden wird. Und auch der Verkehrsverbund Zvon wird seinen Anteil daran haben, wenn er besondere Angebote für Reisende schafft.

Der Zugang zum Bahnsteig erfolgt in der Halle links und rechts neben der früheren Treppe. Diese bleibt zwar erhalten, aber nur als Fluchtweg. Der Zugang zum Gleis 2 erfolgt von außen. Und auch da wird sich noch einiges tun. Die Investoren sind ständig in Gesprächen mit der Deutschen Bahn. „Am Bahnhofsvordach soll einiges verändert werden, damit in die Fenster der Büros mehr Licht kommt“, sagt Gerald Lucas und lobt die gute Zusammenarbeit mit der Bahn. „Wir hoffen, dass es klappt und wir bei der Eröffnung ein stimmiges Bild haben“, sagt Jörg Drews.

Insgesamt waren am Sonntag in Bautzen 23 Denkmale geöffnet. Zwischen 8 und 18 Uhr wurden etwa 19.000 Besuche auf den „Spuren der Moderne des 20. Jahrhunderts“ - so das diesjährige Motto - gezählt. Das sind über 3.000 Besucher mehr, als im Vorjahr, teilt die Stadtverwaltung mit. Besonders groß war der Andrang am Bahnhof mit 2.500 Besuchern, im Haupthaus des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters (2.100), im Britze-Garten (1.300) und im früheren Kaufhaus an der Reichenstraße (1.000). Auch die Angebote in zahlreichen Städten und Dörfern im Landkreis wurden gut angenommen.

Letzte Chance am Burglehn

Emina Borovina und ihr Partner Johannes Knaack (l.) besitzen eine der Wohnungen im Haus Burglehn 15. Andreas Schwarz ist Geschäftsführer der Firma BLS Immobilien, die hier Bauträger ist. 
Emina Borovina und ihr Partner Johannes Knaack (l.) besitzen eine der Wohnungen im Haus Burglehn 15. Andreas Schwarz ist Geschäftsführer der Firma BLS Immobilien, die hier Bauträger ist.  © Steffen Unger

Auch an vielen anderen Stellen in der Stadt nutzten Interessierte die Chance, hinter Türen zu blicken, die sonst verschlossen sind. Das Haus Burglehn 15 konnten die Bautzener und ihre Gäste letztmalig besichtigen. Denn bereits im März sollen die fünf entstehenden Eigentumswohnungen übergeben werden. Sie sind zwischen 55 und 110 Quadratmeter groß. Die neuen Mieter haben vom Balkon einen tollen Blick in Richtung Friedensbrücke und Oberland. Eine der Wohnungen besitzen Emina Borovina und ihr Partner Johannes Knaack. Bauträger ist die Firma BLS Immobilien. Neben architektonischen Details zogen beeindruckende Blumenarrangements die Blicke der Besucher an.

Ein DJ am alten Arbeitsplatz

Dieter Siering war bis zur Wende DJ in der "Krone". Am Denkmaltag besuchte er die Stadthalle gemeinsam mit seiner Frau Karin. 
Dieter Siering war bis zur Wende DJ in der "Krone". Am Denkmaltag besuchte er die Stadthalle gemeinsam mit seiner Frau Karin.  © Steffen Unger

Geöffnet war am Sonntag auch die "Krone". Zu denjenigen, die diese Chance nutzten, gehörten Dieter und Karin Siering aus Bautzen. Sie fühlten sich gleich wieder „heimisch“ in der Stadthalle, die derzeit nicht genutzt wird. Dieter Siering war hier von 1981 bis 1990 DJ. So wie das Ehepaar hatten viele Besucher eigene Erinnerungen an den Veranstaltungssaal oder auch die Tanzbar. Wie gut die Akustik im Saal immer noch ist, bewiesen die Mitglieder vom Chor „Meja“, die spontan den Saal für eine öffentliche Probe nutzten. Die Mitglieder des Fördervereins Krone Bautzen wurden nicht müde, ihren Enthusiasmus zur Wiedernutzung der Stadthalle weiterzugeben. Über 30 Anfragen lägen schon vor. 

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