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Hier werden die Messer gewetzt

Die roten Kisten rattern über das Band. Ein ausgeklügeltes Transportsystem bringt sie in den Raum, wo Gesellen die Fleischstücken zerlegen. Die Finger von Kettenhandschuhen umschlossen, geht das Schweinefleisch durch ihre geübten Hände.

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Von Ines Klein

Die roten Kisten rattern über das Band. Ein ausgeklügeltes Transportsystem bringt sie in den Raum, wo Gesellen die Fleischstücken zerlegen. Die Finger von Kettenhandschuhen umschlossen, geht das Schweinefleisch durch ihre geübten Hände. Die Augen suchen nach Knorpeln und Knochenresten. Zehn Grad Celcius herrschen im Zerlegeraum. Hier muss man sich warm anziehen. Das gilt auch für die Lehrlinge, die gestern ihre Ausbildung bei der Radeberger Fleisch- und Wurstwaren Korch GmbH begonnen haben. Karsten Drechsler freut sich darauf, den neuen Mitarbeitern die optimale Schnittführung beizubringen. Er wird auch die sechs künftigen Fachverkäufer in dem Kühlraum begrüßen können. Die Zerlegearbeiten sind Teil ihres 14-tägigen Praktikums in der Produktion. „Die Verkäufer sollen schließlich wissen, was sie verkaufen und wie es entsteht“, sagt Karsten Drechsler. Die Norm liegt hoch. In der Zerlegerei geht eine Tonne Fleisch durch die Hände eines Mitarbeiter – am Tag.

Dann geht es für die Lehrlingsgruppe weiter, vorbei an den Kühlräumen, in denen Schweine- und Rindfleisch getrennt aufbewahrt werden. Nebenan wird die Wurstmasse der Wiener in den Darm eingefüllt. 6000 Kilogramm dieser beliebten Würstchen produziert Korch am Tag. Etwa 2000 Würstchen passen auf ein Rauchgestell, das erst in den Reiferaum und dann in die Räucherei geschoben wird. Dort erwartet die Lehrlinge der schöne Duft von Buchenspänen. Wie lange die Wiener im Rauch bleiben, ist Firmengeheimnis. Das gilt auch für die Gewürzmischungen, die regelmäßig verfeinert werden. Bei den Verkostungen ist der Firmenchef Michael Korch immer mit dabei. Er ließ es sich gestern auch nicht nehmen, die Lehrlinge an ihrem ersten Arbeitstag am Stammsitz des Unternehmens zu begrüßen. Er wünschte viel Erfolg und weckte große Hoffnungen. Es gibt Aufstiegschancen für die jungen Mitarbeiter.

Einer, der sie genutzt hat, ist Stefen Blum. Er hat als Zerleger angefangen und ist heute der stellvertretende Produktionsleiter bei Korch. Er sorgt dafür, dass das Fleisch in guter Qualität angeliefert wird und den Schinken rechtzeitig in die bereitstehenden Kühllaster verladen werden kann. Gestern aber führte er erst einmal die Lehrlinge durch die Produktionsräume. Vor ihnen liegen Lehrjahre und die sind ja bekanntlich keine Herrenjahre, wie Michael Korch betont.

Die Geschichte des Familienunternehmens Korch reicht bis in die 30iger Jahre zurück. Seit 1990 ist der Name wieder fest mit Radeberg verbunden. Mittlerweile beschäftigt Korch rund 200 Mitarbeiter. Hinzu kommen ein Fuhrpark und 150 Beschäftigte in den 30 Filialen von Korch. Dort werden die mehr als 250 verschiedenen Wurst- und Schinkenprodukte verkauft, die in Radeberg produziert werden. „Die Fachverkäuferin wird dabei immer mehr zur Ernährungsberaterin“, sagt Michael Korch. Fettarme Produkte sind in. Dazu passt der Lachsschinken. Das typische Produkt aus dem Osten wird auch in den alten Bundesländern immer beliebter, erklärt Stefen Blum. Nach dem Rundgang werden die Lehrlinge eingekleidet. Dann kann es losgehen, für die einen hinter dem Verkaufstresen und für die anderen im Zerlegeraum.