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Hier wird es für Radfahrer gefährlich

Erneut hat es zwei tragische Unfälle gegeben. Wo die Unglücksschwerpunkte in Dresden sind.

Acht Ghostbikes in Dresden: Sie erinnern an tödlich verunglückte Radfahrer. An der Bautzner, Ecke Rothenburger Straße erinnert er an eine 26-Jährige, die 2016 von einem Lkw überfahren wurde.
Acht Ghostbikes in Dresden: Sie erinnern an tödlich verunglückte Radfahrer. An der Bautzner, Ecke Rothenburger Straße erinnert er an eine 26-Jährige, die 2016 von einem Lkw überfahren wurde. © Christian Juppe

Zwei Unfälle mit teils schwer verletzten Radfahrern haben in den sozialen Netzwerken Betroffenheit ausgelöst. Von Schuldzuweisungen, Unverständnis und Forderungen nach mehr Sicherheit ist zu lesen. Das ist passiert: Am Montag wurde eine 25-jährige Radfahrerin auf der Großenhainer Straße von einem rechtsabbiegenden Lkw erfasst. Laut Polizei hat der Fahrer die Frau übersehen. Sie wurde schwer verletzt, zu ihrem Gesundheitszustand war zunächst nichts Genaueres zu erfahren.

Ins Krankenhaus musste auch ein Radler, der auf der Stauffenbergallee von einem Auto erfasst wurde. Der Mann war entgegen der Fahrtrichtung auf dem Gehweg unterwegs, als er mit einem rechtsabbiegenden Pkw kollidierte. Erst im Mai war an der Kreuzung Stauffenbergallee/Rudolf-Leonhard-Straße ein Radfahrer tödlich beim Zusammenstoß mit einem Lkw verunglückt.

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Das sind einige der Unfallschwerpunkte in Dresden:

Wie Polizeisprecher Marko Laske erklärt, gelten große Kreuzungen in der Innenstadt wegen ihres Verkehrsaufkommens generell als Unfallschwerpunkte. Dazu gehören etwa der Albertplatz und der Pirnaische Platz sowie stark genutzte Ausfallstraßen wie die Bautzner und Königsbrücker Straße. Mit der Einschätzung der Polizei deckt sich die interaktive Karte des Destatis-Unfallatlas. Für das Jahr 2018 ist hier unter anderem auf einigen Metern der Schlesische Platz am Neustädter Bahnhof bis hin zum Albertplatz orange eingefärbt. Damit werden bis zu neun Unfällen mit Radfahrern sowie Personenschaden angezeigt. Gleiches Bild auf der Königsbrücker, Höhe Herrmann-Mende-Straße, der Könneritz-, Höhe Schweriner Straße und der Großenhainer, Höhe Heidestraße bis hin zum Trachenberger Platz. Bei vielen roten Einzelpunkten auf diesen Strecken liegt die Unfallzahl teils noch höher.

Laut ADFC gibt es auch dort Probleme, wo Radler zum Falschfahren gezwungen werden, weil ausgebaute Radwege fehlen. Das sei am Körnerplatz der Fall, wo sie illegal auf dem Fußweg von Blasewitz kommend auf der linken Seite fahren. Hier könne es an der Mündung Schillerstraße zu Konflikten kommen. Ein anderer Fall: die westliche Seite der Marienbrücke. Hier seien Kollisionen an der Mündung Hansastraße/Bahnhof Neustadt programmiert. Ebenfalls problematisch laut ADFC: die Stauffenbergallee. „Sie ist eine Hauptroute für den Radverkehr. Die Bedeutung wird steigen, wenn auf der nördlichen Seite große Wohngebiete entstehen und an der nordwestlichen Ecke zur Königsbrücker Straße eine weitere neue Schule.“ An der Ecke zur Rudolf-Leonhard-Straße, wo ein Radfahrer vor Monaten tödlich verunglückte, ließe sich die Gefahr nur durch eine Ampel entschärfen.

Das sind die häufigsten Unfallursachen zwischen Pkw, Lkw und Radfahrern:

Dass Pkw- oder Lkw-Fahrer beim Rechtsabbiegen Radler übersehen, führt häufig zu schweren Unfällen. An acht tödliche Kollisionen erinnert die Initiative Ghostbikes seit 2016. Vier der acht weißen Fahrräder mahnen dabei Abbiege-Unfälle an. In Statistiken der Polizei landet unachtsames Abbiegen auf Platz drei der größten Probleme. Noch davor liegen Fehler, die Autofahrer beim Wenden und Rückwärtsfahren machen. Sowie ein zu geringer Abstand zu Radfahrern. Nils Larsen vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club Dresden (ADFC) verweist bei Abbiege-Unfällen auf den Destatis-Unfallatlas. „Von rund 1.100 Unfällen mit Fahrradbeteiligung in Dresden, die 2018 erfasst wurden, war rund die Hälfte der Art Zusammenstoß mit einbiegendem, kreuzendem Fahrzeug zuzuordnen.“

Radfahrer benutzen dagegen laut Polizei häufig verbotswidrig die Fahrbahn, was zu Zusammenstößen führen kann. Auch werden Fehler beim Einfahren in den Verkehr gemacht und die Verkehrsregelung etwa durch Polizisten missachtet. Dass Radler auf Rad- oder Gehwegen in die falsche Richtung fahren, findet auch Larsen vom ADFC sehr gefährlich. Aber: „Juristisch gilt trotzdem: Vorfahrt hat der Radfahrer! Das ist gefestigte Rechtssprechung, die bis in die 1970er-Jahre zurückreicht.“

So entwickelt sich die Zahl der Verkehrsunfälle mit Radfahrern:

Laut Polizei gab es bisher im Jahr 2019 1.521 Verkehrsunfälle, an denen 805 Radfahrer beteiligt waren. 98 Prozent, nämlich 789 Personen, wurden dabei verletzt. 132 Radler schwer. Zum Vergleich: 2018 lag die Zahl beteiligter Radfahrer an Verkehrsunfällen bei 1.563. Insgesamt 1.276 Personen wurden bei diesen Verkehrsunfällen verletzt. Im Vergleich zu 2017 laut Polizei ein Anstieg um 14 Prozent.

Das wird für mehr Fahrradsicherheit getan – und gefordert:

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