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Hier wird’s für Radfahrer gefährlich

Die Meißner Straße in Radebeul-Mitte ist frisch saniert. Doch Fahrradfahrer ärgern sich über den plötzlichen Abbruch des Schutzstreifens.

Auf Höhe der Haltestellen gibt es für Radfahrer keinen Schutzstreifen. Eigentlich müssten die Autos dahinter bleiben, doch an den Mindestabstand halten sich die wenigsten.
Auf Höhe der Haltestellen gibt es für Radfahrer keinen Schutzstreifen. Eigentlich müssten die Autos dahinter bleiben, doch an den Mindestabstand halten sich die wenigsten. © Arvid Müller

Radebeul. Seit gut einem Monat ist die Meißner Straße in Radebeul-Mitte wieder in beide Richtungen für den Verkehr geöffnet. Auf die große Freude über das Ende der langen Bauzeit folgt jetzt aber die erste Ernüchterung. Und zwar aufseiten der Radfahrer. Die mussten feststellen, dass es auf der Strecke an mehreren Stellen für sie gefährlich werden kann.

Stadträtin Angela Zscheischler (Bürgerforum/Grüne) hat das Problem in der letzten Stadtratssitzung geschildert: Die Markierungen der Schutzstreifen am Fahrbahnrand enden plötzlich an den Haltestellen der Straßenbahn. Also ausgerechnet dort, wo es ohnehin eng wird.

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 „Das ist einfach gefährlich“, sagte die Stadträtin. Denn die Radfahrer müssen ohne Vorwarnung in den normalen Verkehr einfädeln und auf der Fahrbahn mitrollen. Erst hinter der Haltestelle beginnt ihr Streifen wieder, endet dann aber genauso abrupt vor der nächsten. Ob für alle Autofahrer ersichtlich ist, dass dort plötzlich ein Radfahrer mit auf die Straße rollt, bezweifelt Angela Zscheischler.

Warum endet der Schutzstreifen überhaupt an den Haltestellen? Radebeuls Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) erklärte dazu im Stadtrat, die Straße sei inklusive Radstreifen normgerecht und den Vorschriften entsprechend ausgebaut worden. 

Der Bereich am Fahrbahnrand hinter der gestrichelten Linie sei für Radfahrer reserviert. Auto- und Lkw-Fahrer dürfen dort im Normalfall nicht drüberfahren. Das Problem: An den Haltestellen, die mehr Platz einnehmen, wird der Fahrbahnbereich verengt. Die Straße sei dort nicht breit genug, damit zusätzlich eine Strichellinie für Radfahrer aufgezeichnet werden könne, erklärte Müller.


Der Schutzstreifen für Radfahrer endet hier abrupt
Der Schutzstreifen für Radfahrer endet hier abrupt © Arvid Müller

„Ich bin wirklich entsetzt“, sagt Thomas Weist von der Radebeuler Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC). An den Haltestellen könne es ganz schnell zu brenzligen Situationen kommen. Denn auch für Autofahrer, zu denen er selbst gehört, sei die Gefahrenstelle schwer zu erkennen. 

„Eine ähnliche Situation gibt es in Dresden am World Trade Center. Dort kommt es ständig zu Gehupe, Autofahrer fühlen sich ausgebremst und die Radfahrer weichen auf den Fußweg aus“, sagt er. Besonders ärgert den Radebeuler, dass der ADFC in einer Stellungnahme an die Landesdirektion zu den Ausbauplänen schon vor fünf Jahren auf dieses Problem hingewiesen hatte, seine Vorschläge aber nicht umgesetzt wurden.

 Der Fahrradclub regte damals an, den Radverkehr wie wenige Meter weiter an den Haltestellen Borstraße und Gradweg zu führen. Dort werden die Radler mit auf den Gehweg geleitet. Überhaupt sei es gefährlich, dass die Führung des Radverkehrs an der Meißner Straße mehrfach wechselt. „An zwei Haltestellen kommt man sicher vorbei, an der nächsten plötzlich nicht mehr“, kritisiert Weist.

Mehrere Radebeuler schildern das ähnlich in Leserbriefen an die Sächsische Zeitung. „Wie kann es sein, dass nach einer so aufwendigen Sanierung und Verbreiterung der Meißner Straße an den Haltestellenbereichen kein Platz mehr für sicheres Durchfahren der Radfahrer geblieben ist?“, fragt Thomas Berndt.

 „Für mich ist das unverständlich, wenn hier in Bezug auf die Sicherheit der Radfahrer nur auf die StVO verwiesen wird. Das ist nicht zukunftstauglich.“ Peter Rothschild schreibt: „Auf dem neuen Straßenstück fällt auf, dass die Fahrstraße für Motorfahrzeuge gerade ausreicht (jedoch Schwierigkeiten bereitet, wenn sie den geforderten Abstand zum Fahrradverkehr einhalten wollen), während der Fußweg überdimensional breit ist, obwohl dort kaum Fußgänger laufen. 

In der schon früher fertiggestellten Fortsetzung erscheint die Aufteilung normal, dort ist auch eine sichere Passage der Straßenbahnhaltestellen per Fahrrad gewährleistet, bis der aufgemalte Streifen vor dem Lidl-Parkplatz plötzlich endet und nur noch circa 200 Meter rot eingefärbter „Radweg“ vom Fußweg abgezweigt sind, bis auch das ohne Vorwarnung an der Haltestelle endet.“

Gerold Böhme kritisiert: „Die Haltestellenbereiche sind in der Tat so gestaltet, dass die Autofahrer auf Kollisionskurs mit den Fahrradfahrern auf den dort auslaufenden Schutzstreifen kommen. Die Vorrangregel ist unklar. Spätestens in der dunklen Jahreszeit wird es dort extrem gefährlich.“

Der ADFC schlägt vor, nun wenigstens auf die Gefahrenstellen hinzuweisen, mit Markierungen auf der Fahrbahn und Schildern, um die Autofahrer aufmerksam zu machen. Außerdem müsste an den gefährlichen Stellen Tempo 30 gelten, fordert Weist. Im Rathaus soll das jetzt geprüft werden.

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