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So viel Dresden steckt im Tatort

Was der vorherige Fall vermissen ließ, holt „Nemesis“ wieder auf. Markante Schauplätze wechseln sich mit Insider-Orten ab. 

© MDR, Robert Michael, Rene Meinig

Eindeutiger könnte ein Dresden-Tatort nicht beginnen. Spätestens nach drei Minuten ist jedem Kenner der Stadt klar, wo die Handlung spielt. Kommissarin Leonie Winkler joggt auf der Neustädter Seite am Glockenspielpavillon vorbei und genießt sichtlich den Blick auf die Altstadtkulisse, während das Glockenspiel bimmelt.

Zumindest bis zu dem Moment, in dem sie per Anruf über den Mord am Gastronomen Joachim Benda informiert wird. Benda, gespielt vom Dresdner Promikoch Gerd Kastenmeier, wurde in seinem Restaurant „Palais Benda“ erschossen. Die Räume sind wiederum die des ehemaligen Kastenmeiers im Kurländer Palais. Wer dort schon einmal essen war, erkennt das große Aquarium und die aufgehängten Fotos prominenter Gäste schnell wieder. Auch die Außenaufnahmen lassen keinen Zweifel: Die Frau des Ermordeten, Katharina Benda, parkt das Auto gleich gegenüber auf dem Fußweg vor dem Polizeirevier. Mehrere Einstellungen geben zudem Blicke auf die Frauenkirche und die Zitronenpresse preis.

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Der Tatort „Nemesis“, der vergangenen November gedreht wurde, verlässt aber immer wieder auch die Innenstadt. Viele Szenen spielen zum Beispiel im modernen Neubau der Familie Benda am Elbhang in der Calberlastraße. Das Haus mit dem turmartig angebauten Treppenhaus, der schneeweißen Fassade und der Bronzeplastik davor ist schnell identifiziert. Die Plastik hat der Dresdner Künstler Thomas Reichstein 2014 geschaffen und sie „Die Tänzerin“ genannt. Dass sie nun auf diese Art in einem Tatort verewigt wird, freut ihn durchaus, wie er erzählt.

Im Film hat der Szenegastronom Benda nicht nur mit seiner Familie in dem Haus gewohnt, sondern soll dort auch kurz zuvor überfallen worden sein. Alles deutet zunächst auf einen Mörder aus Mafiakreisen hin. Genauere Informationen erhoffen sich die Ermittlerinnen Leonie Winkler und Karin Gorniak von der Autopsie. Gedreht wurde für die Sequenzen in den Original-Räumen der Pathologie am Uniklinikum. Dort liegt Benda, alias Kastenmeier, auf dem Seziertisch – die Einschusslöcher in Stirn und Oberkörper gut sichtbar.

Für den Fernsehzuschauer bleibt der eigentliche Drehort aber verborgen. Denn im Film wird der Anschein erweckt, dass sich die Räume der Gerichtsmedizin im Tatort-Polizeirevier befinden. Das ist, wie schon in vorangegangenen Fällen, wieder in der Breitscheidstraße 78, im Gebäude der Dresdner Spitze, untergebracht. Dass der Tatort eine Verbindung zu Dresden hat, zeigt sich dort im Büro von Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel ganz deutlich: Zentral an der Wand hinter seinem Schreibtisch, also direkt über seinem Kopf, hängt ein Wimpel von Fußball-Zweitligist Dynamo Dresden. Wenn das kein Statement ist.

Doch mit Schnabel haben die beiden Ermittlerinnen in diesem Fall kein leichtes Spiel. Vor allem, weil er dem Ermordeten und dessen Frau nahe stand und es nicht wahrhaben will, dass womöglich die Witwe selbst für den Tod ihres Mannes verantwortlich sein könnte. Für Dresden-Stimmung sorgen zwischendurch immer wieder kürzere Nachtaufnahmen aus der Vogelperspektive über die Innenstadt oder das Blaue Wunder. Der Elbhang spielt dieses Mal eine besondere Rolle. Nicht nur, dass das Familienhaus dort liegt. Kommissarin Leonie Winkler fährt außerdem mit der Schwebebahn und lässt von der oberen Station den Blick über Blasewitz schweifen. Hier trifft sie sich mit einem Informanten und erhält den entscheidenden Hinweis zur Mordwaffe.

Weil das Ermittlerduo daraufhin die Familie selbst noch stärker ins Auge fasst, fangen die beiden den älteren der Benda-Söhne, Viktor, vor seiner Schule ab. Das Drehteam hat für diese Aufnahmen die 46. Oberschule in der Andreas-Schubert-Straße gewählt. Im Hintergrund ist die Lukaskirche gut erkennbar. Vor der Schule springt Kommissarin Gorniak noch schnell mit in einen Bus der Linie E61 in Richtung Weißig, um darin mit Viktor sprechen zu können. Ein Puzzleteil führt zum nächsten. Nach einem kurzen Ausflug in den Ort Oybin an der tschechischen Grenze, wollen Gorniak und Winkler die Witwe Benda festnehmen. Doch die befindet sich da schon auf der Flucht, mit den beiden Söhnen im Auto. Aus dem Auto heraus fliegt der Körnerplatz vorbei. Plötzlich gibt es einen geografischen Sprung zum Bischofsplatz, wo eine wilde Verfolgungsjagd quer durch die ganze Stadt beginnt. Die ist jetzt nicht immer logisch aufgebaut. Vom Bischofsplatz prescht das Auto kurz darauf über das Carusufer hinter den Schillergarten.

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Wenig später blitzen die Ibis-Hotels auf, bevor die Witwe mit dem Auto die Schranke zum Parkhaus der Centrum-Galerie durchbricht. Wer selbst schon einmal die Spirale hochgefahren ist, weiß, wie sich einem der Magen dabei umdrehen kann. Katharina Benda aber schafft es bis auf das oberste Deck und schließlich auf das Dach der Centrum-Galerie. Und selbst die letzten Sequenzen zeigen eindeutig Dresden – mit Rathausturm und Turm der Kreuzkirche.

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