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Döbeln

Hilfe, der Buchsbaum geht ein!

Auf der Pflanze treibt eine Raupe ihr Unwesen. Mit ihr haben nicht nur Hobbygärtner aus der Region Döbeln Probleme.

Gut getarnt und flink unterwegs: Der Buchsbaumzünsler frisst Buchsbäume kahl.
Gut getarnt und flink unterwegs: Der Buchsbaumzünsler frisst Buchsbäume kahl. © Dagmar Doms-Berger

Von Dagmar Doms-Berger

Er gehört zu den gefürchtetsten Schädlingen von Hobbygärtnern: der Buchsbaumzünsler. Die Raupe des Falters hat es auf die Blätter und jungen Triebe des heimischen Buchsbaumes abgesehen. Lautlos und anfangs noch fast unsichtbar arbeitet er sich vor. Die Erfolgsaussichten, den Schädling loszuwerden, sind gering.

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Die Zünsler beginnen oftmals auf der Sonnenseite im Innern der Pflanzen zu fressen. Entdeckt man sie, ist es schon fast zu spät. Denn erst dann, wenn die Population eine gewisse Größe erreicht hat, bilden sich die typischen Gespinste und der Kahlfraß wird sichtbar. „Seit fünf, sechs Jahren ist er auch für hiesige Hobbygärtner und Friedhofsverwalter ein Thema“, sagt Gartenbauexperte Matthias Streubel aus Döbeln-Masten.

Die grünen Raupen mit hell-dunklen Rückenstreifen und schwarzem Kopf vertilgen während ihrer Entwicklung etwa 45 Blätter. Danach nehmen sie sich noch die grüne Rinde der Triebe vor und nagen diese bis auf das Holz ab. Die Folge: Die darüber befindlichen Triebteile trocknen komplett ein und sterben ab. Der Buchsbaum wird braun. So verzehren die Zünsler komplette Grabeinfassungen, verspeisen dekorative Buchsbaumkugeln und machen die charakteristischen Hecken von Bauerngärten zunichte.

Die Friedhofsverwalter in Roßwein und Hartha hatten bislang noch keine Sorgen mit dem Buchsbaumzünsler. Zum einen, weil „in Roßwein die Gräber traditionell nicht mit Buchsbaum eingefasst wurden, sondern in der Vergangenheit dichte hohe Hecken mit robusten Arten wie Thuja und Eibe gepflanzt wurden“, sagt Mathias Fritz. In Hartha gibt es zwar alte Buchsbaumeinfassungen, „bei denen sind aber noch keine Schäden sichtbar“, so Sebastian Markert.

Siegfried Roßberg, Friedhofsverwalter des Döbelner Niederfriedhofs, hat dagegen schon vor Jahren den Kampf gegen den Schädling angetreten. „Viele unserer Grabeinfassungen waren mit Buchsbaum bepflanzt“, sagt er. Anfangs habe er versucht, die einzelnen Raupen abzusammeln. Ohne nennenswerten Erfolg. Der Einsatz von Chemie kam nicht infrage. Seit zwei Jahren nehme er Neuanpflanzen vor. Teilweise werde inzwischen aber ganz und gar auf eine Hecke verzichtet. Die einzelnen Grabstellen werden durch verlegte Platten getrennt.

Matthias Streubel weiß aus Erfahrung, dass der Kampf müßig ist und hat einen ernüchternden Tipp: „Reißen Sie die Pflanzen heraus. Alles andere hat keinen Zweck.“ Man könne die einzelnen Raupen absammeln, man könne auch Insektizide einsetzen, aber am Ende stelle sich immer wieder heraus, dass dies alles nichts bringt. Auch wenn man zunächst meint, dass man als Sieger aus dem Kampf hervorgegangen sei, ist die nächste Generation schon im Anflug.

„In den nächsten drei Wochen fliegt der Buchsbaumzünslerfalter wieder durch die Gegend und legt seine Eier ab“, sagt Streubel. Die ganze Invasion geht dann von vorn los. Das Fatale ist außerdem, dass es bis zu drei Generationen in einem Jahr gibt und die Raupen geschützt zwischen den Blättern überwintern können. Das sei auch der Grund, weshalb sich der Schädling innerhalb weniger Jahre rasant vermehrt hat. „Ich habe selbst in meinem privaten Garten Bekanntschaft mit dem Zünsler gemacht und habe meine Pflanzen schließlich ausgraben müssen“, so Streubel.

Als alternative Ersatzbepflanzung empfiehlt der Gärtnermeister die robusten Spindelsträucher (Euonymus). Die Eibe ist wegen ihrer dichten Wuchsform ebenfalls für eine Hecke geeignet. Sie lässt sich gut schneiden und kann sehr alt werden.

Der Buchsbaumzünsler

  • Der Buchsbaumzünsler ist wahrscheinlich auf einem Containerschiff mit einem Pflanzenimport nach Europa gekommen.
  • Beheimatet ist er in Ostasien – in China, Japan und Korea. Die jungen Raupen sind acht Millimeter lang und wachsen bis zur Verpuppung auf etwa fünf Zentimeter an.
  • Der Falter des Buchsbaumzünslers wird nur bis zu acht Tage alt. Er legt seine Eier auf dem Buchsbaum ab.
  • Die Buchsbaumzünsler-Raupen überwintern in Gespinsten meist im Innern geschnittener Buchsbäume und beginnen je nach Witterung ab Mitte März wieder zu fressen.
  • Die Entwicklungszeit der Larve vom Ei bis zur Verpuppung ist stark temperaturabhängig und dauert zwischen drei und zehn Wochen.
  • In Mitteleuropa wurde der ostasiatische Kleinschmetterling erstmals 2007 entdeckt.

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