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Hilfe für Asylbewerber läuft an

Das Bündnis „Bautzen bleibt bunt“ engagiert sich für Flüchtlinge. Gegen Vorurteile setzen die Mitglieder auf Überzeugungsarbeit.

© Uwe Soeder

Von Frances Scholz

Die Situation ist gespannt an diesem Abend in Burk. Im Spreehotel trifft sich das Bündnis „Bautzen bleibt bunt“. Schon in wenigen Wochen sollen in das Hotel Flüchtlinge einziehen. Die Initiative will Hilfe für die Asylbewerber organisieren – und genau das passt einigen Bautzenern nicht. Etwa 20 Anwohner haben sich vor dem Haus versammelt, dazu noch einmal 30 bis 40 Personen aus dem rechten Spektrum. Seit Tagen kursiert ein Flugblatt, in dem das Bündnis wegen seiner Arbeit für Flüchtlinge angegriffen wird. Wachschutz und Polizisten müssen das Hotel an diesem Abend schützen.

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Dennoch sind 50 Mitstreiter von „Bautzen bleibt bunt“ ins Spreehotel gekommen. Sie wollen sehen, wie die Asylbewerber in Zukunft hier leben, und sie wollen darüber sprechen, wie man die Flüchtlinge integrieren kann. „Unser Ziel ist es eine Willkommenskultur zu schaffen“, sagt Manja Richter. Sie ist Sozialarbeiterin im Steinhaus und Mitbegründerin des Bündnisses. Dieses hat mittlerweile mehr als 120 Mitglieder und 30 aktive Helfer. Bereits im vergangenen Oktober traf sich die Gruppe in kleiner Runde das erste Mal.

„Damals gab es eine Veranstaltung zum Thema Asylrecht im Steinhaus. Da haben wir gemerkt, wie hoch der Aufklärungsbedarf ist“, sagt die 31-Jährige. Sie weiß, dass viele Menschen Angst vor den Fremden haben – auch weil es in Flüchtlingsheimen immer wieder zu Konflikten kommt. „Wir verstehen, dass es bei den Menschen in Burk Vorbehalte gibt. Und wir wollen alles tun, um diese Ängste abzubauen.“ Das gehe aber nur gemeinsam. Deshalb will das Bündnis die Einwohner einladen. Auch die Stadt, der Landkreis, die Polizei und ein Pfarrer sollen an der Runde teilnehmen. Manja Richter hofft, dass es auf diese Weise gelingt, Vorurteile zu überwinden – etwa, dass alle Ausländer kriminell sind.

Auch Angela Palm, Mitglied im Bündnis und Stadträtin der Linken, hört solche Aussagen häufig. „Auf Arbeit bekomme ich oft Gegenwind, wie ich mich für solche Leute einsetzten kann“, sagt die Laborleiterin. Dann entgegne sie immer wieder, dass das Asylrecht ein Menschenrecht sei und wie sich die Kollegen wohl fühlen würden, wenn sie in ein fremdes Land fliehen müssten. „Außerdem haben die Flüchtlinge ja auch Angst vor der neuen Situation.“

Dabei gibt es schon positive Beispiele in Bautzen. „Es leben bereits vier syrische Familien in Wohnungen in der Stadt. Sie werden von Paten betreut“, sagt Manja Richter. Die gehen mit den Familien einkaufen oder aufs Amt. „Vieles ist ja fremd und die neue Sprache ist sehr schwer.“ Deswegen plant das Bündnis, bald einen Arabisch- und Deutschkurs anzubieten. „Wir suchen Freiwillige, die zumindest ein paar Deutschgrundkenntnisse vermitteln können“, sagt Manja Richter.

Auch für die Flüchtlinge im Spreehotel werden noch Paten gesucht. „Jeder kann mitmachen, aber man sollte nachmittags Zeit und viel Geduld haben. Die Verständigung ist nicht immer einfach“, sagt Angela Palm. Auch verschiedene Feste plant das Bündnis zum Beispiel eine Willkommensfeier. Die Mitglieder haben viele Ideen. „Erst mal müssen die Menschen hier aber ankommen und brauchen anfangs Ruhe, sie haben ja viel durchgemacht“, sagt die Bautzener Stadträtin. – Mit der Unterkunft im Spreehotel sind die Mitglieder zufrieden. „Hier sind die Asylsuchenden wirklich menschenwürdig untergebracht. Familien können zusammen in einem Zimmer wohnen“, sagt Manja Richter. Wer genau in das Haus einziehen wird, steht nach Angaben des Landkreises aber noch nicht fest.

Angela Palm hat die Hoffnung, dass vor allem Familien mit Kindern dort unterkommen. Sie könnten eine Brücke in der Nachbarschaft sein. „Kinder haben keine Vorurteile, und gemeinsam Ball spielen kann man immer, egal ob man Deutsch oder Arabisch spricht.“

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