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Hilfe für bedürftige Senioren

Durch eine besondere Stiftung kann sich eine Arnsdorferin den Friseur wieder leisten. Doch die Hemmschwelle ist groß.

© dpa

Von Nadine Steinmann

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

Aktuelle Themen sowie Tipps und Tricks für den Alltag: Fabian Deicke stellt Experten verschiedener Gebiete die Fragen der SZ-Community.

Arnsdorf. Zugegeben: Die Besuche beim Friseur werden immer teurer. Doch die Einführung des Mindestlohnes hat eben seine Auswirkungen. Und schließlich wollen die Meisterinnen an der Haarschere auch ihr Geld verdienen. Also greift der Kunde eben tiefer ins Portemonnaie, um rund um den Kopf schick auszusehen. Doch tatsächlich kann sich nicht jeder einen solchen Friseurbesuch leisten. Wie zum Beispiel Karola Haubold* aus Arnsdorf. Die 76-Jährige bekommt monatlich ein bisschen mehr als 800 Euro Rente. Nach Abzug von Miete, Nebenkosten und Lebensmitteleinkäufen bleibt auf dem Konto der alleinlebenden Seniorin nicht mehr viel übrig – meist nicht einmal das nötige Geld für den Friseurbesuch.

Genau an dieser Stelle kommt der vor zwei Jahren gegründete Verein „Arnsdorf hilft“ ins Spiel. Unter dem Motto „Von der Gemeinde für die Gemeinde“ wollen die Mitglieder den Bürgern unter die Arme greifen – unabhängig von Alter, Herkunft oder Religion. Im aktuellsten Projekt unterstützt das Team von „Arnsdorf hilft“ bedürftige Senioren. Wie Karola Haubold. „Über meine Arbeit in Dresden habe ich von der Ernst-Lindlau-Stiftung erfahren“, berichtet Vorstandsvorsitzender Daniel Skupin. Die unter dem Dach der Bürgerstiftung Dresden laufende Stiftung dient dem Zweck, alleinstehende Personen, die über 60 Jahre und bedürftig sind, finanziell zu unterstützen. „Leider kennt die Stiftung kaum jemand und dementsprechend sind die Fördertöpfe voll“, erklärt der Arnsdorfer Daniel Skupin. Die jeweiligen Anträge können allerdings keine Privatpersonen, sondern nur Sozialämter, Vereine, Wohlfahrtsverbände oder soziale Beratungsstellen für die Senioren stellen. Und diese Aufgabe möchte das Team um Daniel Skupin gern übernehmen.

Einziger Haken an der Sache: Die Senioren müssen sich selbst beim Verein melden. Und dafür müssen sie sich eingestehen, dass sie Hilfe brauchen. Eine riesige Hemmschwelle für diese Generation. „Das ist eigentlich nicht meine Art. Ich habe immer sparsam gelebt und meine Kinder allein groß gezogen“, berichtet Karola Haubold, die bereits seit ihrer Geburt in Arnsdorf lebt. Sie ist immer allein klar gekommen. Die Gelder aus der Stiftung beantragen zu lassen, war für die 76-Jährige eine große Überwindung. Und auch viel Überredungskunst seitens der Vereinsmitglieder von „Arnsdorf hilft“. Doch kurz vor Weihnachten haben Daniel Skupin und Überredungskünstlerin sowie Vorstandsmitglied Irmgard Angermann schließlich den Antrag gestellt. Vergangene Woche ist das Geld auf dem Vereinskonto eingegangen. „Das schöne an der Stiftung ist, dass sie völlig unkompliziert ist“, so Daniel Skupin. Die Antragsteller müssten nur ihre Bedürftigkeit nachweisen. Im Falle von Karola Haubold habe bereits der Rentenbescheid gereicht.

Mittlerweile ist die Arnsdorferin froh, dass sie sich überreden lassen hat. Denn die Stiftung bezahlt ihr nun zwei Friseurbesuche, vier Termine bei der Fußpflege sowie eine neue Küchenuhr und einen Teppich. „Vor allem Friseur und Fußpflege dienen nicht nur dem eigenen Wohlbefinden, sondern auch der Gesundheit“, erklärt Daniel Skupin. Und darauf sollte niemand verzichten müssen, ist der Vorstandsvorsitzende überzeugt. Nun gilt es nur noch nachzuweisen, dass die Gelder auch für den jeweils beantragten Zweck eingesetzt werden. „Ich muss mir also eine Quittung beim nächsten Friseurbesuch geben lassen“, fasst Karola Haubold das Prozedere zusammen. Und tatsächlich gehört nicht mehr dazu. „Und im nächsten Jahr schauen wir, was wir statt der Küchenuhr und dem Teppich beantragen“, so Daniel Skupin lächelnd. In den kommenden Tagen wird sich Karola Haubold auf jeden Fall einen Termin beim Friseur geben lassen. „Denn langsam muss ich wieder“, erklärt die 76-Jährige und zeigt dabei auf ihre zu lang gewordenen Haare. Sie kann anderen Senioren nur raten, diesen Schritt zu gehen und die Hilfe anzunehmen. „Wir können vor allem so viele verschiedene Sachen beantragen. Vom kleinen Erholungsurlaub über Umzugshilfen bis hin zu Gesundheitsmitteln, die von der Krankenkasse nicht übernommen werden. Die Liste ist wirklich lang“, betont Daniel Skupin. Es bedarf nur einen kleinen Schritt der Überwindung seitens der Senioren. „Wer möchte, kann uns einfach einen Zettel in den Briefkasten stecken und uns eine Telefonnummer mit der Bitte um Rückruf hinterlassen“; so der Vorstandsvorsitzende. Im Anschluss könne man sich einen Termin vereinbaren und gemeinsam den Antrag auf finanzielle Unterstützung stellen. Damit das Leben auch für die Senioren ein Stückchen einfacher und angenehmer wird.

Verein Arnsdorf hilft, Stolpener Straße 49 in 01477 Arnsdorf; E-Mail: [email protected] Weitere Informationen unter www.arnsdorf-hilft.de

*Name auf Wunsch der Arnsdorfer Seniorin von der Redaktion geändert.