merken
PLUS

Hilfe für die Gestrandeten

Die Initiative Asyl kümmert sich nun auch um die Asylbewerber in Neurehefeld und stößt dabei an ihre Grenzen.

© Egbert Kamprath

Von Mandy Schaks

Neurehefeld. Was machen 36, zumeist blutjunge Kerle 24 Stunden lang sieben Tage in der Woche in Neurehefeld? Die aus Afghanistan, Syrien und dem Irak stammen, kaum deutsch sprechen, zum Teil auch wenig englisch. Dort, wo es nur ein paar Häuser gibt, elf Einwohner leben und zurzeit der Schnee etwa einen halben Meter hoch liegt? Bald könnten es schon 64 Männer sein. Denn für diese Größe ist das jüngste Asylbewerberheim im Osterzgebirge ausgelegt, einen Steinwurf von der tschechischen Grenze nach Moldava entfernt.

PPS Medical Fitness GmbH
Das Gesundheitszentrum für die ganze Familie
Das Gesundheitszentrum für die ganze Familie

Sie wollen mehr Fitness und Gesundheit in Ihr Leben bringen? Lernen Sie die vielen Gesundheitskurse und Angebote kennen und lassen Sie sich von den umfangreichen Angeboten von PPS Medical Fitness begeistern!

Ehrlich – Margitta Gärtner weiß es auch noch nicht so genau. Sie ist die Geschäftsführerin der kreiseigenen Grundstücks- und Verwaltungsgesellschaft GVS, die im Osterzgebirge diese Gemeinschaftsunterkunft wie auch die in der ehemaligen Grenzzollanlage in Zinnwald und seit Ende vorigen Jahres auch im früheren Berghotel Schellhas in Geising betreibt. „Wir wollen dort noch Unterstützung leisten“, versichert sie und fügt erklärend hinzu: „Wir stecken selber noch in den Kinderschuhen.“ Die GVS wurde für die Unterbringung der Asylbewerber im Landkreis aktiviert und ist seit vergangenem Sommer am Start.

Der Initiative Asyl Altenberg, die mit über 60 Helfern sehr engagiert die Stadt bei der Betreuung der mittlerweile insgesamt 245 Asylbewerber im Gemeindegebiet unterstützt, dauert das zu lange. Und sie macht sich Sorgen, dass das unter diesen Voraussetzungen nicht mehr zu bewältigen ist und die Mühen um ein friedliches Zusammenleben zwischen Alteingesessenen und Neuen konterkariert werden. Als die 36 Asylbewerber vor einer Woche im Schneesturm in Neurehefeld ankamen, waren auch Asyl-Helfer vor Ort, reichten Brot und Salz, Wasser und Kaffee, als Zeichen, dass die Neuankömmlinge willkommen und nicht allein sind. Aber sie machten ihrem Ärger erstmals auch öffentlich Luft. „Wir haben den Eindruck, dass Entscheider nicht wissen, was los ist“, sagte Werner Orbanz. Der Hermsdorfer ist eigentlich ein Mann der leisen Töne, dafür umso engagierter. Diesmal platzte es aus ihm heraus. „Wir können das nicht auf Dauer schaffen und vier- bis fünfmal in der Woche nach Altenberg fahren.“

Buslinie nach Altenberg eingerichtet

Dort hat die Initiative Asyl in ehrenamtlicher Arbeit Angebote für die Asylbewerber organisiert, damit sie Fuß im neuen Land fassen und ihnen nicht die Decke auf den Kopf fällt, bis ihr Asylantrag bearbeitet ist. So werden zum Beispiel dreimal in der Woche Deutschkurse am Nachmittag angeboten. Zu späterer Stunde öffnet dienstags das Begegnungscafé oder es wird in der Fahrradwerkstatt geschraubt. „Wie sollen die Asylbewerber in Neurehefeld unsere Angebote nutzen?“, fragt sich nicht nur Chris Papsch aus Schellerhau, die mit ihrem Mann Dietrich zu den Initiativgründern gehört. „Was ist mit dem Deutschunterricht? Wie sollen sich die Asylbewerber versorgen?“ Fragen über Fragen, die nicht nur die Initiative Asyl und Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) beschäftigen – auch die GVS.

Da bis zur Ankunft der Asylbewerber noch nicht einmal ein Bus in Neurehefeld fuhr, wurde erst einmal schnell eine Linie nach Altenberg eingerichtet. Sie verkehrt zunächst probehalber und auch nur vormittags und wenn es die Straßenverhältnisse zulassen. Was nachmittags wird, soll noch geklärt werden, sagt GVS-Chefin Margitta Gärtner. Es gebe auch Bemühungen, einen mobilen Verkaufswagen nach Neurehefeld zu bringen. Denn die Asylbewerber müssen sich selbst versorgen. Doch bei den Busverbindungen – in dem kleinen Ort gibt es keinen Laden – wird das schwierig. Die GVS sei deshalb auch schon mit einem mobilen Anbieter im Gespräch gewesen, der habe aber abgesagt, so Frau Gärtner weiter.

Sollten sich die Asylbewerber zu Fuß auf Nahrungssuche machen, könnte es in der Einöde schwierig werden, den Weg zurückzufinden – nicht einmal mit Handy und Navigation. Denn mit der Internetverbindung sieht es in der Ecke ganz schlecht aus. Das überraschte die GVS dann doch etwas. Sie hatte bereits einen Vertrag abgeschlossen. Nun stellte sich heraus, dass dieser nicht zu erfüllen sei. Es liegt kein Netz an. „Wir müssen sehen, ob wir aufrüsten“, sagt Margitta Gärtner. Das gilt auch für die Freizeitangebote. „Wir müssen mit der Heimleitung Ideen entwickeln, wie wir die Asylbewerber beschäftigen können.“

Die Initiative Asyl hat schon mal wieder unter die Arme gegriffen. „Wir sind sehr dankbar, dass die Hermsdorfer immer mal vorbeigucken“, sagt Dietrich Papsch. Diese Woche hat Werner Orbanz zwei Schlitten vorbeigebracht. „Wir sind gerade dabei, noch eine Tischtennisplatte zu organisieren.“