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Hilfe für Elbetierpark in Sicht

Vier Gemeinderäte haben einen Antrag eingebracht, den Betreiber dauerhaft zu unterstützen. Dies ist aber an Bedingungen geknüpft.

Sven Näther, der private Betreiber des Elbetierpark Hebelei, kann auf Unterstützung hoffen.
Sven Näther, der private Betreiber des Elbetierpark Hebelei, kann auf Unterstützung hoffen. ©  Archivfoto: Claudia Hübschmann

Diera-Zehren. Seit 2009 betreibt Sven Näther privat den Elbetierpark Hebelei. Die Gemeinde hat ihm die ehemals kommunale Einrichtung verpachtet und sich dadurch einen Kostenfaktor vom Halse geschafft, ohne den Tierpark schließen zu müssen. Von 2009 bis 2015 bekam der Betreiber von der Gemeinde eine Anschubfinanzierung von insgesamt 55.000 Euro. Doch seit 2014 gibt es kein Geld mehr. Seitdem ist der Tierpark in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten. Verstärkt wurden diese durch Elbehochwasser, welche den Tierpark schädigten. 

Nur durch eine große Spendenbereitschaft kann sich die Einrichtung einigermaßen über Wasser halten. Mehrfach drohte die Stromabschaltung, die Rechnung konnte erst in letzter Minute durch Spendengelder bezahlt werden. Der Mindestlohn, stark erhöhte Preise für Energie und Tierfutter schufen weitere finanzielle Probleme. Hinzu kam die Coronakrise. Der Tierpark musste zeitweise schließen, hatte keine Einnahmen, während die Ausgaben weiter liefen. Eine Schließung der seit 1972 bestehenden touristischen Einrichtung, die einst als Wildgehege gegründet wurde, scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.

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15.000 Euro pro Jahr vorgeschlagen

Diese prekäre Situation hat nun die Gemeinderäte Lutz Wagner,  Andy Otto,  Holger Schill (alle Neue Wählergemeinschaft Diera-Zehren) sowie Jasmin von Zahn (Wählergemeinschaft Bürger von Diera-Zehren) auf den Plan gerufen. Die haben einen Antrag in den Gemeinderat eingebracht.  Ziel ist, dass die Gemeinde Diera-Zehren den Elbtierpark Hebelei dauerhaft finanziell unterstützt. So soll beginnend ab 2020 eine feste Summe von 15.000 Euro für den Elbetierpark in den Gemeindehaushalt eingestellt werden. Dieses Geld soll aber nicht ausgezahlt, sondern mit sonst fälligen Zahlungen an die Gemeinde  wie Wasser, Abwasser, Steuern, Grundstückspachten  ausgeglichen werden. Des Weiteren soll davon einmal jährlich der Eintritt der Kindergarten- und Schulkinder und deren Betreuer, die zu Wander-, Projekttagen oder Ferienausflügen den Elbetierpark besuchen, begleichen und Leistungen des Bauhofs und der Verwaltung für den Elbetierpark verrechnet werden. 

Weiterhin soll eine  Mitarbeiterin der Verwaltung das Konto des Elbetierparks führen und verwalten, als ständiger Ansprechpartner und Kontaktperson unbürokratisch und vertrauensvoll auftretende Aufgaben gemeinsam mit dem Betreiber lösen. Im Bedarfsfall sei der Einsatz der Kräfte des Bauhofs, der Feuerwehren und Firmen mit zu organisieren und zu verrechnen. Einmal im Jahr soll der  Betreiber in öffentlicher Gemeinderatssitzung über die wirtschaftlichen Entwicklungen  des letzten Jahres, seine Vorhaben und seine Sorgen berichten.  Nicht zuletzt soll die Gemeinde die Werbung für den Elbetierpark im Amtsblatt, im Internet und durch Schilder auf öffentlichen Straßen und Plätzen verstärken.

"Die wirtschaftliche Situation aller solcher Einrichtungen in Deutschland ist nicht profitabel. Damit ist Herr Näther wirklich in einer prekären Situation. Seine Kasse ist außerhalb der Saison immer leer. Herr Näther ist überfordert und objektiv nicht in der Lage, diese Anlage allein und ohne Unterstützung zu führen und davon leben zu können", so Lutz Wagner.  Näther habe sein Hobby zum Beruf gemacht, sei in tierpflegerischer Hinsicht und vielen anderen Sachen sehr kompetent und immer fleißig. Leider verprelle er oft gut gemeinte Hilfe und verhalte sich nicht ausreichend kooperativ, so der Gemeinderat weiter.

Nach der Schließung  der Schule in Zehren, der Autofähre, der Sparkasse, wichtiger Einkaufsmöglichkeiten sei der Elbetierpark die gefühlt einzige kommunale Einrichtung für die Mehrheit der Zehrener Bürger. Sollte für diesen auch das Aus kommen, so sei mit weiterem Frust und politischer Verdrossenheit zu rechnen.  Der Elbetierpark steigere die Freizeitmöglichkeiten und das Image der Gemeinde, diene der Erholung, dem Naturerlebnis, der Bildung, der Festigung der Familienbande und habe damit einen hohen immateriellen Wert. Seit 1972 seien beträchtliche Mittel der Öffentlichkeit für den Bau und den Betrieb hineingeflossen, also Steuermittel und Spenden, mit denen auch in Zukunft verantwortlich umgegangen werden müsse, so Wagner.

Der Antrag traf auf wohlwollendes Interesse der Verwaltung und der anderen Gemeinderäte. Bürgermeisterin Carola Balk (parteilos) kritisierte allerdings, dass es keinen Deckungsvorschlag gibt, das heißt,  in dem Antrag wurde nicht vorgeschlagen, woher das zusätzliche Geld kommen solle. Im Haushalt, der am Montagabend beschlossen wurde,  waren ohnehin für dieses Jahr 5.000 Euro und für 2021  weitere 3.000 Euro für den Elbetierpark eingeplant. Das Geld soll für die Instandhaltung von Gebäuden und Anlagen verwendet werden. Der Rat einigte sich darauf, die Mehrausgaben durch eine höhere Gewerbesteuer zu finanzieren. Dennoch sollen die Gewerbetreibenden nicht höher belastet werden, die Finanzierung kostenneutral geschehen, über eine geringere Einkommenssteuer verrechnet werden.  

Entscheidung erst nach Sondersitzung

Ob Sven Näther die Unterstützung in der beantragten Höhe tatsächlich bekommt, ist aber noch offen. Zunächst soll er in nichtöffentlicher Sitzung spätestens im September über seine genaue finanzielle Situation Rechenschaft ablegen. Nähter, der zur Sitzung anwesend war, erklärte sich selbstverständlich dazu bereit, wie er sagte. 

Bürgermeisterin Carola Balk betonte, dass die Gemeinde den Elbetierpark auch auf  andere Weise unterstütze. Neben der bereits erwähnten Anschubfinanzierung sei für 67.000 Euro ein Grundstück erworben worden. Außerdem seien aus dem Hochwasserfonds rund 300.000 Euro in den Elbetierpark geflossen und würden noch fließen. So werde noch ein Stallgebäude errichtet.   

Wird Näther Hilfe verwehrt, gibt es wohl nur zwei Alternativen. Entweder die Schließung des Tierparkes oder die Gemeinde betreibt ihn wieder in Eigenregie. Dies würde allerdings ungleich teurer. Als Diera-Zehren die Einrichtung noch selbst betrieb, kostete das die Gemeinde pro Jahr rund 75.000 Euro,  die durch Hilfe des damaligen Fördervereines auf 55.000 Euro pro Jahr gesenkt werden konnten. Zudem war neben dem Leiter noch ein Mitarbeiter bei der Gemeinde  voll eingestellt und beschäftigt. Dazu kamen  ABM-Maßnahmen mit  fünf Kräften. Heute sind im Tierpark gerade mal vier Leute beschäftigt.  

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