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Radebeul

Hilfe für kleinen Schmetterling

Über 1 000 Pflanzen wurden in eine Wiese gesetzt. Nun sollen sie dem geschützten Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling Zuhause und Nahrung bieten.

Johannes Metzner (li.) und Johannes Hofmann vom Umweltzentrum Dresden beim Pflanzen des Großen Wiesenknopfs.
Johannes Metzner (li.) und Johannes Hofmann vom Umweltzentrum Dresden beim Pflanzen des Großen Wiesenknopfs. © Arvid Müller

Berbisdorf. Wärmende Sonne, blauer Himmel, nur vereinzelte Wolken und ein wunderschönes Fleckchen Landschaft. Mit sanft abfallenden und ansteigenden Wiesen, Baumgruppen, Sträuchern. Dazwischen schlängelt sich ein Weg. Idyllisch.

Wären da nicht die parkenden Autos. Und die über die Wiese verteilten Schilder mit großen Ziffern drauf. Um diese herum wuselt am Dienstagvormittag ein gutes Dutzend Frauen und Männer. Alle in praktischer Arbeitskleidung. Sie stören die Idylle. Allerdings aus gutem Grund.

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Denn mit ihrem Tun an diesem Tag wollen sie helfen, diese zu erhalten. Ihre Aufmerksamkeit gilt dabei einem bestimmten Falter, den sie an diesem Tag allerdings nicht zu Gesicht bekommen. Denn noch wartet dieser als Larve in einem ganz besonderen Versteck auf seinen großen Auftritt.

Das Tier ist eher unscheinbar, nicht sehr groß und in Gefahr – der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Sein etwas seltsam klingender Name verrät schon, was dieser Schmetterling zum Überleben unbedingt braucht: den Großen Wiesenknopf, eine Pflanze, und Knotenameisen. Beides findet diese geschützte Art im Flora-Fauna-Habitats-Gebiet Promnitz und Kleinkuppenlandschaft um Bärnsdorf vor.

Die Pflanze ist für den geschützten Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling überlebenswichtig. 
Die Pflanze ist für den geschützten Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling überlebenswichtig.  © Matthias Schrack

Nicht zuletzt dank der engagierten Arbeit ehrenamtlicher Naturschützer, wie der Nabu-Fachgruppe Ornithologie Großdittmannsdorf, und von Landwirten, in diesem Fall der Agrargenossenschaft Radeburg. „Diese Wiese hier wird bereits artgerecht gemäht“, sagt Matthias Schrack, der Leiter der Fachgruppe. Das heißt, nur zwei Mal im Jahr. „Der erste Schnitt muss bis spätestens 10. Juni erfolgen, der zweite dann erst wieder im September.“

Der Grund: Der Schmetterling fliegt im Juni, Juli aus. Seine Eier legt er ausschließlich in die Blüten des Großen Wiesenknopfes. Sie dienen den Larven dann auch als Futter. Etwa Ende August, oder etwas später, lassen sich die Larven dann auf den Boden fallen, um von Knotenameisen eingesammelt zu werden. In deren Bau überwintern sie nicht nur bis zum Frühjahr, sondern ernähren sich auch von der Ameisenbrut. Möglich ist das, weil die Schmetterlingslarven den Ameisen vorgaukeln, sie würden zu ihnen gehören.

In der Seifenbachaue bei Berbisdorf wurde der Große Wiesenknopf gepflanzt. 
In der Seifenbachaue bei Berbisdorf wurde der Große Wiesenknopf gepflanzt.  © Arvid Müller

So ausgeklügelt diese spezielle Lebensweise ist, so problematisch kann sie für die kleinen Falter werden. Etwa dann, wenn es nicht mehr ausreichend Pflanzen des Großen Wiesenknopfes gibt. Diese konkurrieren auch auf den wechselfeuchten Wiesen im Quellgebiet des Seifenbachs mit vielen anderen Pflanzen. „Wir haben hier eine etwa konstant bleibende Zahl des Großen Wiesenknopfs, aber die Situation könnte besser sein.“

Genau das ist das Ziel der Helfer vom Umweltzentrum Dresden. Wie Silvana Eger vom Projekt Urbanität & Vielfalt sagt, haben sie darum am Dienstag über 1.100 ein- und zweijährige Pflanzen des Großen Wiesenknopfs mitgebracht. Diese werden nun in Gruppen von fünf bis acht Stück in den Boden gebracht. Dort, wo sie keine ausreichend freien Stellen finden, wird auch mal ein Pflanzfenster aus der Wiese herausgestochen. 

Die Naturschützerin ergänzt: „Und natürlich achten wir darauf, keine anderen Pflanzen kaputtzumachen.“ Und davon gibt es hier reichlich. So leuchten das Weiß des Wiesenschaumkrauts, das Gelb des Hahnenfußes und an anderer Stelle das Blau des Kriechenden Günsels.

Die Samen des Großen Wiesenknopfes hat Matthias Schrack übrigens von Pflanzen im Gebiet eingesammelt. Im Umweltzentrum wurden daraus kleine Pflänzchen gezogen. „Im Frühjahr haben wir sie an Paten ausgegeben, die sich darum kümmerten, dass sie weiter gewachsen sind“, sagt Eva Gruhl, die sich um die Öffentlichkeitsarbeit des Projektes Urbanität & Vielfalt kümmert. 

Den Winter verbrachten die Pflänzchen dann wieder geschützt im Gewächshaus des Zentrums. Insgesamt werden in dem Projekt auf diese Weise zehn Wildpflanzenarten vermehrt, aufgezogen und ausgepflanzt.

www.fg-grossdittmannsdorf.de

www.uzdresden.de