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Hilfe für Patienten fernab großer Städte

Chefarzt Dr. Martin Wolz ist Gründer eines Netzwerks, das einspringt, wo Neurologen fehlen. Sachsen gibt viel Geld dazu.

Elblandklinikum-Chefarzt Dr. med. Martin Wolz (Zweiter von rechts) hat mit vielen Partnern ein neues Parkinson-Netzwerk gegründet.
Elblandklinikum-Chefarzt Dr. med. Martin Wolz (Zweiter von rechts) hat mit vielen Partnern ein neues Parkinson-Netzwerk gegründet. © Gernot Menzel

Es ist auch eine Rückkehr: Vor reichlich 25 Jahren legte Dr. med. Martin Wolz am Konrad-Zuse-Gymnasium in Hoyerswerda sein Abitur ab. Inzwischen ist er Mediziner. Jetzt stand der Chefarzt der Klinik für Neurologie und Geriatrie am Elblandklinikum Meißen vor einigen Hundert Parkinson-Patienten auf der Bühne der Lausitzhalle. Er ist einer der Väter eines für das Land Sachsen prestigeträchtigen Projektes, das sich abgekürzt „Panos“ nennt.

Das Parkinson Netzwerk Ostsachsen ist im vorigen Jahr gegründet worden. Sinn und Zweck beschrieb Dr. Martin Wolz im Herbst dem „Ärzteblatt“ so: „Niedergelassene Ärzte und Kliniken können als Akteure von Panos wesentlich dazu beitragen, Zugangshürden abzubauen, einen gleichberechtigten Zugang zu Spezialisten zu sichern sowie die Zahl derjenigen Betroffenen zu steigern, die mit einer Tiefen Hirnstimulation oder auch mit Pumpentherapien versorgt werden.“

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Das Problem: Es gibt für eine wachsende Anzahl von Parkinson-Patienten nicht nur zu wenig Ärzte, sondern sie sind zudem ungleich über den Freistaat verteilt. Was die Qualität der Versorgung angeht, rutschen viele Betroffene durch.

Beheben soll diese Defizite ein Paket aus Vernetzung, neuen technischen Hilfsmitteln und optimierten Abläufen, so dass letztlich mehr Patienten versorgt werden können. Martin Wolz sagt, Studien aus Holland und Luxemburg zeigten, dass es immense Effektivitätszuwächse geben könne.

In der Lausitzhalle wurde für das Panos-Projekt der Startschuss gegeben. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Sozialministerin Petra Köpping (SPD) hatten für die Partner Bescheide über viel Geld dabei. Insgesamt gibt es für das Netzwerk 6,8 Millionen Euro. Davon kommen fünf Millionen aus dem Sofortprogramm des Bundes für die Verbesserung der Infrastruktur in den Kohlerevieren. Denn geht es gut, soll Panos nicht nur ein Vorbild für Sachsen sein, sondern laut Kretschmer für ganz Deutschland: „Es wäre schön, wenn es hieße: Das ist der Standard, mit dem wir in Zukunft Parkinson behandeln wollen.“

Zusammengetan hat sich Wolz’ Elblandklinikum zunächst mit der Uniklinik Dresden, der Reha-Klinik am Tharandter Wald in Hetzdorf bei Freiberg, der Deutschen Parkinson-Vereinigung, den Unis in Leipzig und Chemnitz, der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen sowie diversen weiteren Partnern. Doch das Netz soll dichter werden, hieß es gestern. „Noch ist es zu früh“, sagt Holger Ostermeyer, der Sprecher der Dresdener Uniklinik. Richtig losgehen solle es im Herbst. Wenn das Projekt stabil laufe, wolle man nach und nach weitere Verbündete integrieren.

Einen Arbeitsschwerpunkt sieht das Netzwerk in der Unterstützung vor allem von Hausärzten außerhalb der Ballungszentren. Bei Parkinson sterben Nervenzellen ab, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Anfänglich und über eine relativ lange Zeit lässt sich das leicht therapieren. Und auch beim Fortschreiten der Krankheit bestehen Möglichkeiten. 

Die erwähnte Tiefe Hirnstimulation etwa ist die Implantation eines Hirnschrittmachers. Bei der Pumpentherapie wird mittels einer mobilen Minipumpe ein Dopamin-Ersatzstoff unter die Haut injiziert oder in den Dünndarm abgegeben. Allgemein ist regelmäßige Überwachung durch Arztbesuche unabdingbar. Panos, sagt Dr. Martin Wolz, werde dabei helfen: „Wir müssen uns mit der Realität auseinandersetzen, dass im ländlichen Raum, wo der niedergelassene Neurologe nicht da ist, der Hausarzt die Versorgung übernehmen muss.“ Aber eben künftig eng abgestimmt und dank Technik unterstützt von Fachärzten und Spezialisten.

Wie wichtig dieser Ansatz gerade mit Hinblick auf die künftige Entwicklung ist, zeigen aktuelle Zahlen: Bezogen auf die Parkinson-Erkrankung wird sich in den kommenden zehn Jahren die Patientenzahl in Sachsen verdoppeln: Von derzeit 32.000 – das entspricht der Einwohnerzahl von Meißen – auf etwa 64.000 Einwohner – so viele Menschen leben derzeit in Pirna“, so Dr. Martin Wolz.

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