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Hilfe, Jack the Ripper haust in unserem Garten

Kolumnistin Manuela Müller ist mit ihrer Familie ins Land der Gutbürger aufgebrochen. Ein Weg mit vielen Hürden.

Hat ein Marder die Amseln im Garten auf dem Gewissen?
Hat ein Marder die Amseln im Garten auf dem Gewissen? © Philipp Schulze/dpa

Von Manuela Müller

Traurige Neuigkeiten aus dem Land der zukünftigen Gutbürger. Irgendjemand hat hier über Nacht ein Blutbad angerichtet. Der Zwergdackel streckte sich den Schlaf aus den Gliedern und dackelte durch die Terrassentür in den Garten, um sein Geschäft zu erledigen. Das macht der Hund allein. Keiner aus dieser Familie hat Lust, morgens mit ihm Gassi zu gehen. Das Geständnis eines Hundebesitzers, sorry. Jedenfalls spaziert der Dackel immer nach dem Aufstehen eine Runde durch den Garten und haut sich danach wieder aufs Ohr.

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Aber nun bellte der Zwergdackel, wir rannten alle nach draußen. Dort lagen sie. Mehrere in Kleinteile zerhäckselte Amseln. Kind 2 brach in Tränen aus, Kind 1 wollte bei einem Jäger anheuern und sich persönlich um den Täter kümmern. Das macht man aber nicht, wir sind schließlich keine Wutbürger. Ich hatte erwähnt, dass ich mit meinen Kindern ins Land der Gutbürger aufbrechen möchte. Ich wünsche mir, dass sie dort in Frieden aufwachsen.

Die Amseln wohnten zu Lebzeiten in unserem Holunderbusch. Sie waren noch jung, Amselkinder. Ihre Eltern hatten ihnen ein Nest gebaut. „Der Marder war‘s“, sagte mein Mann. Und überhaupt sind Marder die Jack the Rippers der Tierwelt, sagte er. Blutrünstige kleine Serienmörder, diese Marder. Er hasst sie, weil sie sich von seinem Auto ernähren. Da wir den Täternachweis aber nicht führen konnten, bin ich an dieser Stelle vorsichtig. Im Land der Gutbürger muss jeder, der Vorurteile streut, fünfzig Liegestütze machen und eine Woche Klo putzen.

Der unbekannte Täter hat noch mehr zerstört in unserem Garten: ein paar Flipflops, eine Sandale, eine Schwimmbrille, eine Taucherbrille und einen Schnorchel. „Weil ihr nichts wegräumt draußen“, sagte mein Mann. Er habe gewusst, dass das passieren würde, aber auf ihn höre ja keiner. Anschließend frühstückten wir und hatten nebenbei einen kleinen Streit, bei dem sich Kind 1 und Kind 2 die Ohren zuhielten und laut „määäääppp“ riefen, bis er vorbei war. Wir trauerten wieder um die getöteten Amseln, gingen nach draußen und beerdigten sie auf unserem kleinen Tierfriedhof neben Hugo, Hugo und Hugo. Das waren die Meerschweinchen, die von uns gegangen sind. 

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Kind 1 pflanzte Basilikum auf ihrem Grab, deshalb mussten wir etwas weiter links schaufeln. Danach setzte ich mich mit dem Handy aufs Sofa und bestellte im Internet alles neu. Schuhe, Brillen, Schnorchel. „Das ist der Kreislauf des Lebens, liebe Kinder“, sagte ich, als die Päckchen kamen und die Amsel wieder brütete.

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