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Die neue Landärztin kommt aus England

Sachsens zweitälteste Stiftung modernisiert die allgemeinmedzinische Praxis in Leuben. Die Suche nach einer Betreiberin verlief sehr ungewöhnlich.

Rico Weser von der Stiftung zu Leuben ist optimistisch, dass der Arztpraxisumbau im Nossener Ortsteil Leuben rechtzeitig fertig wird.
Rico Weser von der Stiftung zu Leuben ist optimistisch, dass der Arztpraxisumbau im Nossener Ortsteil Leuben rechtzeitig fertig wird. © Claudia Hübschmann

Nossen. Die Landarztpraxis im Nossener Ortsteil Leuben ist gerettet. Doch bevor die Nachfolgerin von Uta Haufe starten kann, stehen noch umfangreiche Sanierungsarbeiten an. Eine sportliche Herausforderung beim Betrachten der Baustelle. Das geschätzt etwa Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Gebäude gehört der lokalen Hospitalstiftung zu Leuben. 1594 gegründet, ist sie die zweitälteste Stiftung in Sachsen. Die Praxisübernahme nutzt sie nun für dringend nötige Sanierungen. Rico Weser vom Vorstand ist optimistisch: „Alle Firmen sind extrem kooperativ. Sie zeigen auch Geduld und Eigeninitiative.“

Bisher konnte nur in einem Teil der etwa 80 Quadratmeter großen Praxis gebaut werden, denn noch bis Ende Mai arbeitet die scheidende Inhaberin Uta Haufe. Die Allgemeinmedizinerin suchte mehr als eineinhalb Jahre nach einem Nachfolger. Rund 35 Jahre hat sie mit Leidenschaft die Landarztpraxis geführt. Die derzeit etwa 1.600 Patienten sind ihr über all die Jahre ans Herz gewachsen. Jeden Einzelnen kenne sie, teilweise die ganze Familie. „Manche, die ich schon als Kind behandelt habe, kommen inzwischen mit ihren Kindern zu mir“, erzählte sie. 

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Alle Hebel hatte sie in Bewegung gesetzt. War bei der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, hat an einer Dokumentation des ZDF über den Hausärztemangel in Deutschland mitgewirkt. Nun kann sie beruhigt in den Ruhestand wechseln, der eigentlich schon für Ende Februar dieses Jahres geplant war. Zum 1. Juli ist die Neueröffnung durch Nachfolgerin Kerstin Smith geplant. Die Allgemeinmedizinerin kehrt dafür aus England in ihre Heimat zurück. „Für die Leute hier ist es extrem wichtig, dass die Praxis weitergeführt wird“, sagt Weser.

Noch ist in der Arztpraxis in Leuben viel zu tun. Zum 1. Juli müssen die Sanierungsarbeiten fertig sein.
Noch ist in der Arztpraxis in Leuben viel zu tun. Zum 1. Juli müssen die Sanierungsarbeiten fertig sein. © Claudia Hübschmann

Gerade einmal vier Wochen Zeit sind nun, um den Umbau zu vollenden. „Der Grundriss wurde etwas verändert. Die Räume sind dann etwas großzügiger gestaltet“, sagt Weser. Ein von Uta Haufe bereits vor vier Wochen geräumter Praxisbereich ist schon komplett entkernt. Selbst die Fußböden wurden herausgerissen. „Der Dorfklub Leuben hat zwei Tage mitgeholfen“, sagt Weser dankend. Als Nächstes soll der Betonboden gegossen werden. Die im ganzen Haus noch vorhandenen Nachtspeicheröfen werden durch eine moderne Gasheizung ersetzt. Der gesamte Praxisbereich bekommt Fußbodenheizung. Die alten Toiletten werden behindertengerecht umgebaut. Zum barrierefreien Überwinden der Stufen wird eine Rampe vor dem Hauseingang errichtet, die durch den Landkreis gefördert wird, sagt Weser. Die Elektrik wurde im ganzen Haus fast komplett neu gelegt.

Doch nicht nur die Praxis wird saniert. In dem Gebäude gibt es zudem zwei Wohnungen im Obergeschoss, in denen dringende Bauarbeiten nötig waren. Im Gegensatz zur Praxis ist eine rund 100 Quadratmeter große Wohnung inzwischen fast bezugsfertig. Das ist auch nötig, denn Kerstin Smith will Mitte Juni dort einziehen.

Zum 1. Juli 2020 ist die Neueröffnung der Hausarzpraxis von Uta Haufe in Leuben durch Nachfolgerin Kerstin Smith geplant. Die Allgemeinmedizinerin kehrt dafür aus England in ihre Heimat zurück.
Zum 1. Juli 2020 ist die Neueröffnung der Hausarzpraxis von Uta Haufe in Leuben durch Nachfolgerin Kerstin Smith geplant. Die Allgemeinmedizinerin kehrt dafür aus England in ihre Heimat zurück. © Kerstin Smith

Rund 150.000 Euro kosten die Sanierungsmaßnahmen insgesamt. Die Hospitalstiftung hat dafür ein Darlehen aufnehmen müssen. Große Sorgen bereitet der Stiftung allerdings das Dach des Gebäudes. Das müsste auch dringend erneuert werden. „Es ist desolat, doch für uns derzeit nicht finanzierbar“, sagt Weser und beschreibt den Zustand dabei sehr anschaulich: „Durch das Dach kommt sehr viel Licht rein – aber es sind keine Fenster.“ Die Sanierung würde geschätzt noch einmal rund 50.000 Euro kosten. „Da hoffen wir auf eine Förderung.“

Doch jetzt gilt es erst einmal den Praxisumbau pünktlich zu realisieren. „Ich weiß, die Firmen müssen alle richtig mitspielen. Bisher haben es alle gemacht“, sagt Rico Weser voller Zuversicht.

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