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Hilferuf an die schwedische Botschaft

Das Pumpspeicherwerk blickt in eine ungewisse Zukunft. Noch hat der Betreiber sich nicht endgültig festgelegt.

Von Lars Kühl

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Niederwartha. Die Zeiten, als Deutschland und Vattenfall eine glückliche Beziehung führten, sind vorbei. Der Energieriese bereitet seinen Rückzug aus dem Braunkohlesektor vor. Solche Nachrichten sorgen bei der Bürgerinitiative für den Erhalt des Pumpspeicherwerkes Niederwartha für noch größere Sorgenfalten. Schließlich ist Vattenfall der Betreiber der Anlage, die unter anderem für das saubere Wasser in den zwei Stauseen in Nieder- und Oberwartha sorgt.

In ihrer Verzweiflung haben sich die Bürger jetzt an die schwedische Botschaft in Berlin gewandt, denn der Versorger ist ein Staatskonzern des skandinavischen Landes. Botschafter Sven Staffan Carlsson wurde aufgefordert, die Befürchtungen der Bürger im Dresdner Elbtal ernst zu nehmen und die schwedische Regierung darüber zu unterrichten. Diese sei verpflichtet, dass Vattenfall seiner gesellschaftlichen Verantwortung in Dresden nachkommt, erklärt die Initiative. „Die bis zum Rückzug bestehende Unterhaltungspflicht der Gesamtanlage des Pumpspeicherwerkes Niederwartha wäre danach ernsthaft gefährdet“, betont Helfried Hertting, Sprecher der Initiative. „Die ungewisse Zukunft der umfangreichen, landschaftsprägenden Anlage bereitet den Einwohnern der umliegenden Ortschaften daher große Sorgen.“

Die Sächsische Zeitung hat in Berlin nachgefragt, wie mit dem Brief aus Dresden verfahren wird. Man werde ihn an das entsprechende Ministerium nach Stockholm weiterleiten, verspricht Botschaftsrat Christian Berg. „Als Eigentümer Vattenfalls besteht die Aufgabe der schwedischen Regierung darin, dem Unternehmen die grundsätzlichen Bedingungen für sein Handeln vorzugeben“, erklärt er. „Das geschieht, indem die Regierung den Aufsichtsrat ernennt und einen kontinuierlichen Dialog mit dem Unternehmen führt.“ Fragen zur Zukunft des Standortes kann die Präsenz aber nicht beantworten. Stattdessen verweist Berg auf die deutsche Unternehmensführung von Vattenfall.

Von dort gibt es zwar Antworten. Eine dauerhafte Lösung scheint aber deshalb nicht in Sicht. „Vattenfall hält das Pumpspeicherwerk Niederwartha auch im Jahr 2015 in Betrieb“, sagt Sprecher Lutz Wiese. „Wir prüfen zudem alle Optionen zur weiteren Zukunft. Ein kontrollierter ,Nicht-Betrieb‘ ist hierbei eine mögliche Variante.“ Wiese stellte aber auch eines klar: „Unter der gegenwärtigen Situation am Strommarkt und der Einstufung der Pumpspeicherwerke als sogenannte Letztverbraucher ist ein wirtschaftlicher Betrieb in Niederwartha nicht möglich.“ Ein Kreislauf zwischen herabgelassenem und heraufgepumptem Wasser erzeugt oder speichert Energie und lässt diese bei Bedarf abrufen.

Dass mit der Anlage kein Gewinn zu erzielen ist, hat auch die Drewag als hiesiger Stromerzeuger längst erkannt. Deshalb ist für sie eine Übernahme kein Thema.

Eine Sanierung des Baus aus den 1920er-Jahren kommt für Vattenfall nicht infrage, weil sie nicht rentabel ist. Die Technik des Werkes ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Ein geplanter Neubau, der vor sieben Jahren diskutiert wurde, ist schnell wieder verworfen worden. Zwei Turbinen sollten durch eine Großturbine mit einem Leistungsvermögen von 120 Megawatt ersetzt werden.

Da seit 2008 aber für die Nutzung von Pumpstrom, wie er in Niederwartha produziert wird, ein Entgelt gezahlt werden muss, nahm Vattenfall wieder Abstand von dem Vorhaben. Gespräche mit der Stadt und dem Freistaat Sachsen sollen Klarheit über die Zukunft bringen. Wahrscheinlich ist, dass das Werk ab nächstem Jahr im Sparmodus betrieben wird. Dann, so befürchten die Niederwarthaer, würde sich die Wasserqualität des Stauseebades allerdings verschlechtern.

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