merken
PLUS Dresden

Hilferuf aus dem Badezimmer

Eine Frau berichtet, seit Jahren von ihrem Mann missbraucht worden zu sein. Nun wurde er am Landgericht Dresden wegen Vergewaltigung verurteilt.

Der Angeklagte Akbar A. (rechts) ist am Mittwoch wegen Vergewaltigung verurteilt worden.
Der Angeklagte Akbar A. (rechts) ist am Mittwoch wegen Vergewaltigung verurteilt worden. © Alexander Schneider

Dresden. Im November 2019 hat sich die junge Mutter wohl das erste Mal ein Herz gefasst und ihren Mann angezeigt, als er sie wieder zum Geschlechtsverkehr hatte zwingen wollen. Die 24-Jährige alarmierte vom Badezimmer aus, wo sie sich mit ihren beiden kleinen Kindern eingeschlossen hatte, heimlich die Polizei. Trotzdem konnte sie nicht verhindern, dass ihr betrunkener Mann die Tür eintrat, auf sie und ihr kaum ein Jahr altes Kind einschlug, und auch nach dem dreijährigen Jungen trat. In jener Nacht endete ein jahrelanges Martyrium. 

Am Mittwoch musste sich Akbar A. unter anderem wegen Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Dresden verantworten. Der 27-jährige Afghane war noch in jener Nacht zum 6. November festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. In seinem Prozess gab er sich reumütig. Er räumte alle Vorwürfe ein, wie sie in der Anklage aufgezählt worden waren. Dass er angetrunken nach Hause gekommen war, dass er seine Frau gewaltsam zum Sex habe zwingen wollen, ihr die Hose ausgezogen hatte und schon mit einem Finger in sie eingedrungen war. 

Schlüssel in der Faust

Als er später auf seine Ehefrau eingeschlagen hatte, habe er einen Schlüssel in der Faust gehabt, um die Wucht seiner Schläge zu vergrößern. Dabei habe er in Kauf genommen, seinen Sohn zu verletzten, den die Mutter auf ihrem Arm hielt. Nachfragen des Gerichts beantwortete der Angeklagte auf Anraten seines Verteidigers Ulf Israel nicht. A. war nach eigenen Angaben nie in einer Schule und habe sein Geld als Hilfsarbeiter auf dem Bau verdient, wie schon sein Vater. 

Immerhin stimmte der Angeklagte zu, seiner Frau eine Vernehmung im Gericht zu ersparen. Dank seines Geständnisses genügte es aus Sicht des Gerichts, die Aussagen der Geschädigten zu verlesen. Demnach wurde die Frau mit A. im August 2015 verheiratet – eine von den Eltern des Paars arrangierte Ehe. 

Noch 2015 sei das Paar nach Deutschland geflüchtet, weil A. zu Hause bedroht worden sei. Die Frau berichtete, dass A. sie immer zum Sex gezwungen habe. In den letzten zwei Monaten vor der Tat sei es jedoch schlimmer geworden, weil A. auch noch getrunken habe. Erst zwei Tage vor der Tat habe sie sich „wie eine Leiche hingelegt“ und den Sex erduldet.

Richter: "Es geht um Respekt"

Das Gericht verurteilte den 27-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Der Vorsitzende Richter Joachim Kubista würdigte A.s Geständnis und dass er seine Frau und die Kinder um Entschuldigung gebeten hat.

Strafschärfend wertete das Gericht, dass A. seine Frau wie einen Gegenstand behandelt habe und bereits wegen eines sexuellen Übergriffs im Januar 2018 in Coswig vorbestraft ist. Damals hatte er nachts zwei Frauen angesprochen, weil er mit ihnen Sex haben wollte, sie begrapscht und geschlagen. Dafür hatte er am Amtsgericht Meißen per Strafbefehl eine Geldstrafe erhalten, weil er nicht zu seinem Prozess erschienen war. Der Angeklagte müsse die Zeit in der Haft nutzen und an einer anderen Einstellung gegenüber anderen Menschen arbeiten. „Es geht um Respekt“, sagte Kubista.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden