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Hilferuf aus dem Tierheim

Städte und Gemeinden verlassen sich auf die Arbeit der Tierschützer. Doch dafür zahlen wollen viele nicht.

Von Sebastian Kositz

Ein sonniges Plätzchen, was zum Essen, hin und wieder eine Streicheleinheit. Liebevoll kümmern sich die Mitarbeiter im Tierheim Bloaschütz um die dort gestrandeten Katzen. Mehr als 60 leben derzeit in der Einrichtung. Hinzu kommen aktuell noch einmal fast halb so viele Hunde, die ebenfalls Futter, medizinische Versorgung und Zuwendung benötigen. Eine Fürsorge, die viel Geld kostet. Aber wer bezahlt das eigentlich? Genau um diese Frage gibt es immer wieder heftigen Streit.

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Hinter dem Heim steckt der Bautzener Tierschutzverein. Der kümmert sich darum, dass die laufenden Kosten und die Investitionen gestemmt werden können. Mitgliedsbeiträge, Spenden und die selbst erwirtschaften Einnahmen allein decken jedoch kaum die jährlich benötigte sechsstellige Summe. Deshalb sehen die Verantwortlichen auch die Gemeinden und Städte in der Pflicht. Die hätten schließlich einen enormen Nutzen von der Einrichtung, sagt Uwe Bär, Leiter des Tierheims. Doch die Praxis sieht anders aus: Viele Kommunen zahlen gar nichts oder zu wenig, so der Vorwurf. – „Viele unserer Tiere werden als Streuner in allen Ecken des Landkreises aufgesammelt“, erklärt Uwe Bär. Meist sind das sogenannte Fundtiere, für deren Versorgung die Gemeinden und Städte gesetzlich verpflichtet sind, so der Tierheimleiter. Und weil die öffentliche Hand im Landkreis kein eigenes Tierheim unterhält, ist für die Kommunen die Einrichtung in Bloaschütz oft die erste Adresse. Nur wenn es darum geht, zu zahlen, sieht es mitunter mau aus.

„Es gibt Städte und Gemeinden, mit denen arbeiten wir gut zusammen. Doch es gibt auch Fälle, in denen einfach nicht gezahlt wird“, ärgert sich Uwe Bär. Immerhin ist es dem Tierheim und dem Verein in der Vergangenheit gelungen, mit elf Kommunen im Landkreis sogar entsprechende Kooperationsverträge abzuschließen. Die sehen jährlich feste Zahlungen an das Tierheim vor, im Gegenzug haben die Kommunen auch ein Anrecht, Fundtiere in Bloaschütz unterzubringen. So zahlt etwa Bautzen 10 000 Euro, Bischofswerda 4 000 Euro.

„Wir sind bemüht, auch andere von diesem Modell zu überzeugen. Demnächst werden wir hoffentlich eine Einigung mit Großdubrau erzielen“, so der Tierheimchef. Dort ist die Gemeindeverwaltung inzwischen überzeugt, einen Beitrag leisten zu müssen. „Das bringt ja auch eine gewisse Sicherheit für uns als Gemeinde“, sagt Bürgermeister Siegfried Schuster (Freie Wähler), der auf das bereits längere Zeit währende Problem mit streunenden Katzen im Gewerbegebiet M-Hütte verweist.

Doch es gibt auch Kommunen, die konsequent abblocken. Uwe Bär nennt dafür stellvertretend Malschwitz und Königsbrück. In Malschwitz sieht Rathauschef Matthias Seidel (CDU) keinen Grund, einen solchen Vertrag einzugehen. „Wir kümmern uns selbst. Erst 2013 haben wir streunende Katzen eingefangen und sterilisiert, um eine wilde Vermehrung zu verhindern“, sagt der Bürgermeister. Und wenn doch Tiere ins Heim müssten, würde das auch für den Einzelfall entsprechend bezahlt, argumentiert Matthias Seidel.

Doch dem Tierheim geht es nicht nur darum, Kommunen von dem Modell mit den Kooperationsverträgen zu überzeugen. „Die in den Verträgen ausgehandelten Summen reichen nicht aus. Eine Empfehlung sagt, dass ein Euro je Einwohner angemessen ist. Das zahlt jedoch keiner“, sagt Uwe Bär. Deshalb sei man auch bestrebt, nachzuverhandeln. Der Erfolg ist jedoch fraglich. „Das kann sich niemand leisten“, sagt Tobias Semmer vom Ordnungsamt in Bischofswerda. In Bautzen hatte jüngst FDP-Stadtrat Mike Hauschild auf eine Erhöhung der Zuwendung hingewiesen. Dort muss sich aber jetzt noch zeigen, ob die anderen Stadträte da mitgehen wollen.

Dabei kann das Heim höhere Einnahmen gut gebrauchen. „Wir wurschteln uns irgendwie durch. Das ist auf Dauer aber schwierig“, sagt Uwe Bär. Und demnächst steht eine große Investition an. Bis 2015 muss das Tierheim eine neue Kleinkläranlage errichten. Kosten: bis zu 30 000 Euro.