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Hilferuf von Dresdner Reisebüros

In einem Brief wenden sich Büros und Veranstalter an die Politik. Sie fordern eine längere Unterstützung, da die Branche so schnell kein Geld einnehmen wird.

Die Reisebüros sind von der Corona-Krise besonders hart betroffen. Wie und wann es weitergeht, ist offen.
Die Reisebüros sind von der Corona-Krise besonders hart betroffen. Wie und wann es weitergeht, ist offen. © dpa

Dresden. Die Corona-Krise trifft die Tourismusbranche besonders hart. Der Großteil der Reisen im März wurde storniert, im April sind es komplett alle Buchungen. Und auch im Mai rechnet Annett Herrmann vom Vorstand des Vereins Dresdner Reisebüros mit einem Totalausfall. "Seit sechs Wochen sind wir ausschließlich mit Stornierungen beschäftigt." Es gebe aber sehr viele Anfrage, wann und wie es weitergeht, der Beratungsbedarf sei hoch. "Das alles machen wir völlig kostenlos", sagt Annett Herrmann. Deshalb wendet sich der Verein nun mit einem Hilferuf an die Politik.

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Auf dem Internetportal Dresden-bucht-hier.de hat Annett Herrmann einen Brief an die Politik veröffentlicht. Dort beschreibt sie die aktuelle Situation der gut 40 Dresdner Reisebüros und Veranstalter, die mehr als 300 Mitarbeiter beschäftigen. Es sei allen bewusst, dass nicht nur die Touristik betroffen ist. Dennoch gebe es Unterschiede, denn die Reisebranche seien eben nicht nur Hotels und Gaststätten, sondern auch Busunternehmen, Reisebüros- und Veranstalter, Agenturen und selbstständige Reiseleiter. Im Gegensatz zum Einzelhandel oder zum Hotel- und Gaststättengewerbe könnten Reisebüros nach der Corona-Krise nicht einfach wieder öffnen und sofort Geld verdienen. 

Wenn Reisewarnungen länger bestehen bleiben, werden keine Fernreisen gebucht. Für den Mai sei extra ein Flugzeug für drei Reisegruppen nach Montenegro gechartert worden. "Organisiert haben wir das alles schon im letzten Jahr, jetzt mussten wir alles absagen", berichtet Annett Herrmann, die mit ihrem Mann das KM-Reisebüro auf der Kesselsdorfer Straße betreibt. "Mit den täglichen Stornierungen haben wir zwar viel Arbeit, schaufeln uns aber unser eigenes Grab." Sämtliche Einnahmen der vergangenen Monate müssen vollständig an Kunden und Reiseveranstalter zurückgezahlt werden. 

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Die bereits beschlossenen staatlichen Hilfen für drei Monate würden in der Touristikbranche nicht ausreichen, denn es sei derzeit nicht absehbar, wann dort wieder Einnahmen möglich sind. Deshalb fordern die Dresdner Reisebüros von der Politik branchenspezifische Lösungen für die 14.000 deutschen Büros und 2,9 Millionen Angestellten. Dazu gehöre ein bedingungsloses Unternehmereinkommen von 1.000 Euro für zwölf Monate, wenn aufgrund von Corona mindestens die Hälfte des Umsatzes wegbricht. Auch müsse das Kurzarbeitergeld für die noch Angestellten auf 80 Prozent erhöht werden. Bei einem Bruttoeinkommen zwischen 1.800 und 2.200 Euro würden die derzeit 60 Prozent nicht ausreichen zum Leben. 

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