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Hirnfasching statt Geistfasten

Gleich drei Stücke feiern in der letzten Karnevalswoche in den Theatern der Oberlausitz ihre Premiere.

© Pawel Sosnowski

Von Andreas Herrmann

Vater, Mutter und Kinder

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Oberlausitz. Dass am Aschermittwoch alles vorbei ist, ist zwar eine rheinische Lebensweisheit. Aber sie gilt grundsätzlich auch in jenen Regionen, die gerne „Mitteldeutschland“ genannt werden. Dass aber just da die Kostüm(f)eierei endet und die Fastenzeit beginnt, hat sich in der Oberlausitz noch nicht so recht herumgesprochen. Die hiesigen Theater halten sich aus dem närrischen Treiben ebenso heraus wie aus der Aschermittwoch-Folklore. Danach jedoch wartet noch dreimal ordentlichstes Premierenfieber, was durchaus Hirnfasching statt Geistfasten verspricht.

Eine beachtenswerte Uraufführung verspricht die Bautzener Burg, auf der Ronald Mernitz endlich „Die Wahrheit über die Farm der Tiere“ verrät. Er inszeniert seine eigene Fassung mit der Puppensparte plus Schauspielerin Katja Reimann – frei nach Motiven des Orwell’schen Romans, bei der sich – in Form einer Pressekonferenz – ein Disput über Demokratie, Gleichheit, Hierarchie und Mündigkeit am runden Tisch samt echtem Farmmodell entwickeln soll. Reine Fiktion also.

Markus Köbeli schrieb die Farce „Holzers Peepshow“, die in der Übersetzung von Krescan Bart tags darauf im großen Haus des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters Premiere feiert. Oberspielleiter Stefan Wolfram hat höchsten Respekt vor seiner ersten Arbeit auf Sorbisch, die nun als „Paradiz w dobrej stwe“ in ein Bauernreservat als Touristenoase führt, für die er neun Profi- und etliche Laiendarsteller besetzen konnte. Mit den beiden Katharinas namens Krüger und Pöpel sind auch zwei Elevinnen im Einsatz.

Zeitgleich wird am Sonnabendabend die Kammerbühne Cottbus zum Peepshowroom kafkaesker Art: Dort tobt „Die Verwandlung“ als Schauspiel nach der 103 Jahre alten Erzählung von Franz Kafka: Gregor Samsa testet die Toleranz seiner bürgerlichen Umwelt, der bundesweit erfolgreiche Regisseur Ronny Jakubaschk inszeniert endlich wieder in seiner Heimatstadt – als Debüt am Staatstheater.