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Historische Details im Blick

Im Zuge der Lausitzer Seenlandtage fand eine Führung durch den Schleifer Dorfkern statt.

Mit einem geführten Rundgang durch den historischen Dorfkern nahm die Gemeinde Schleife Sonnabend an den Lausitzer Seenlandtagen 2019 teil. Stephanie Bierholdt (grüne Jacke) erläuterte anschaulich und detailliert die prägenden Merkmale.
Mit einem geführten Rundgang durch den historischen Dorfkern nahm die Gemeinde Schleife Sonnabend an den Lausitzer Seenlandtagen 2019 teil. Stephanie Bierholdt (grüne Jacke) erläuterte anschaulich und detailliert die prägenden Merkmale. © Foto: Andreas Kirschke

Schleife. Der gut erhaltene historische Dorfkern in Schleife ist der Verdienst vieler Einwohner. Vierseithöfe, Torbögen und Klinkerfronten prägen ihn. Jeder Anwohner trägt zum Erhalt des historischen Gesamtbildes bei. Das Schleifer Kirchspiel mit seinen acht Dörfern verbindet die Einwohner. Dies unterstrich Stephanie Bierholdt, seit 2015 Tourismusbeauftragte der Gemeinde Schleife, jetzt bei ihrer Führung durch den historischen Dorfkern. Der Rundgang gehörte zum Programm der diesjährigen Lausitzer Seenlandtage.

„Unsere Kommune liegt zwar außerhalb des Seenlandes. Als Gemeinde Schleife und Gemeinde Groß Düben sind wir durch den Halbendorfer See jedoch Mitglied im Tourismusverband Lausitzer Seenland“, erläuterte sie. „Das motiviert uns, an den Seenlandtagen teilzunehmen.“ Einen Tag später fand zudem eine geführte Radtour durch das Schleifer Kirchspiel statt. Organisator war der Verein Sorbischer Kulturtourismus.

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Während der Führung durch Schleifes Ortskern verwies Stephanie Bierholdt auf die lange Geschichte des Ortes. Sein ältestes Gebäude ist die Kirche. 1346 wurde sie erstmals urkundlich genannt. Sie ist die einzige spätgotische Feldsteinkirche in der Oberlausitz. Vor der Kirche erinnern drei Gedenksteine an Friedricke Auguste Wehlam (1792–1821), an Lehrer und Seelsorger Jan Welan (1773–1852) und Pastor Julius Welan (1817–1892). Seit 1546 ist Schleife evangelische Parochie (Pfarrei).

Der Ort Schleife gilt als Rundlingsdorf. „Er war durch drei Tore geprägt“, so Stephanie Bierholdt. „Durch das Mitteltor führte der Weg nach Spremberg, durch das kleine Tor der Weg nach Mühlrose, durch das große Tor der Weg nach Halbendorf.“ Im Ortskern selbst gab es 1862 bis 1893 sogar eine Brauerei. Seit 1893 ist im Gebäude die Tischlerei Sergon. Sie besteht bis heute. Im Ortskern gab es früher ebenfalls eine Fleischerei und einen Laden für die Annahme von Reparatur- und Wäsche-Leistungen.

Schwere Schäden bei Brand

1862 richtete ein Brand schwere Schäden an. Er zerstörte 32 Wirtschaften auf dem Dorfanger. Vor dem heutigen Haus Friedensstraße Nr. 78, dem Haus der früheren Kantorin Erika Nitschke, hörte der Brand auf. Dort ist heute die Inschrift „Eben Ezer“ an der Außenmauer zu lesen. „Sie bedeutet so viel wie »Bis hierher hat uns Gott gebracht«“, verdeutlichte Stephanie Bierholdt.

Der Rundgang führte vom Sorbischen Kulturzentrum zur Kirche, den Dorfanger entlang bis zum heutigen Gemeindeamt. Er bezog Kunstwerke des Schleifer Holzkünstlers Thomas Schwarz mit ein. Vom Gemeindeamt führte der Rundgang zum Pfarrhaus und zur Handrik-Kastanie. Der Baum erinnert an Matthäus Handrik, der von 1892 bis 1934 Pfarrer in Schleife war. Er bewahrte und förderte Sprache, Glauben und Kultur im Kirchspiel. Zudem forschte er unter anderem zur Geschichte des Kirchspiels und veröffentlichte immer wieder Beiträge in der Zeitschrift Časopis Maćiceje Serbskeje.

„Wir stammen zwar aus dem Ort. Doch uns ist klar geworden, wie alt er ist, wie reich seine Geschichte ist“, meinten Cathleen Reinert und Jörg Noack aus Schleife, Teilnehmer des Rundgangs. Dieser stärkte die Sensibilität für historische Details und Einzigartigkeiten. Der Rundgang weckte auch Erinnerungen – vor allem bei den älteren Teilnehmern. „Spannend für mich war, die Baukultur hier in Schleife mit den typischen Vierseithöfen und den Klinkerfronten zu sehen“, meinte Teilnehmerin Monika Kuhlee aus Weskow, einem Ortsteil von Spremberg. „Spannend für mich waren ebenfalls die sorbische Ortsgeschichte und die Kirchengeschichte.“

Baukultur einbeziehen

Monika Kuhlee arbeitete früher als Ingenieurin für Straßenbau. 2010 schied sie aus dem Berufsleben aus. Sie suchte nach neuer Orientierung. Durch den Schleifer Ostereiermarkt fand sie zum Schleifer Stickzirkel. Jeden Montag wirkt sie dort heute mit. Der Stickzirkel wird geleitet von Irene Linemann. Unter anderem fertigten die Mitglieder mit viel Liebe und Fleiß eine Dekoration an. Diese kann sowohl im Saal des Sorbischen Kulturzentrums als auch draußen auf der Freibühne verwendet werden. „Ich habe selbst sorbische Wurzeln. Meine Großeltern mütterlicherseits redeten fließend Sorbisch. Meine Mutter ging zur Schule in Tracht“, erzählte Monika Kuhlee in Schleife. Durch die Mitarbeit im Stickzirkel interessiert sie sich sehr für die sorbische Sprache, Kultur, Traditionspflege und vor allem für die Sagen im Schleifer Kirchspiel. Heute ist sie zugleich seit 2014 zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin im UNESCO Global Geopark Muskauer Faltenbogen. „Mein Ziel ist, künftig auch Schleife mit seiner Baukultur in die Gäste-Führungen einzubeziehen. Denn so einzigartig und kompakt erhalten ist ein Dorfkern nur selten“, unterstrich sie. „Wichtig ist mir, Siedlungsgeschichte, Baugeschichte und geologische Geschichte bei den Führungen miteinander zu verbinden.“

Vorschau: Im Sorbischen Kulturzentrum Schleife eröffnet am 9. August die Domowina-Ortsgruppe Schleife die historische Foto-Ausstellung „Schleifer Sorbische Hochzeiten“. Sie zeigt Fotos aus dem Zeitraum 1900 bis 1939. Bis Anfang Oktober 2019 ist die Ausstellung zu sehen.