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Historische Hecken aus 4 000 Fichten

Am Moritzburger Fasanenschlösschen sollen die kleinen Fasanenfächer wieder erlebbar werden. Und das ist nicht alles.

Noch sind die kleinen Fichten kaum zu sehen, die schon in wenigen Jahren gemeinsam mit den freigelegten Wegen die historischen kleinen Fasanenfächer am Venusbrunnen im Moritzburger Fasanengarten wieder sichtbar machen sollen.
Noch sind die kleinen Fichten kaum zu sehen, die schon in wenigen Jahren gemeinsam mit den freigelegten Wegen die historischen kleinen Fasanenfächer am Venusbrunnen im Moritzburger Fasanengarten wieder sichtbar machen sollen. © Arvid Müller

Moritzburg. Wer vom Venusbrunnen am Fuße des Fasanenschlösschens in Richtung Barockschloss schaut, kann sie wieder gut erkennen. Insgesamt sechs kleine Dämme, die links und rechts des Kanals strahlenförmig in die Landschaft reichen. 

„Das sind die Hauptwege der einstigen kleinen Fasanenfächer“, sagt Landschaftsarchitekt und Gartenhistoriker Michael Simonsen. Er hat sich in den vergangenen vier Jahren im Auftrag des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) sehr intensiv auch mit diesem Teil der weitläufigen Anlage befasst. Denn nachdem das Fasanenschlösschen dank gelungener Restaurierung zu einem wahren Kleinod geworden ist, soll auch das Umfeld Stück für Stück wieder dem historischen Vorbild angenähert werden.

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Kein leichtes Unterfangen. Nicht nur, weil dafür reichlich Geld notwendig und viele Belange der Denkmalpflege und des Naturschutzes zu beachten sind, sondern auch, weil Flächen und Gebäude inzwischen anders als vor 250 Jahren verschiedene Besitzer haben. So gehören die einstigen Fasanenfächer – neben dem kleinen gab es auch noch einen großen – beispielsweise dem Sachsenforst.

Eigentlich beschäftigen die Forstleute derzeit nur zwei Fragen: Wie bekomme ich die durch Schneebruch und Stürme zu Jahresbeginn neu entstandenen Schadholzmengen so schnell wie möglich aus dem Wald? Und wie verhindere ich, dass der Borkenkäfer nicht ein verheerenderes Unheil anrichtet als der Wind in den vergangenen anderthalb Jahren?

Auch Marko Groß, den Leiter des Moritzburger Staatswald-Reviers, treiben dieses Problem um. Dennoch widmete er seine Aufmerksamkeit jetzt auch einer besonderen Pflanzaktion. In besagtem kleinen Fasanenfächer. Dort wurden im Auftrag des Staatsbetriebs Sachsenforst insgesamt 4 000 Mini-Fichten in den Boden gebracht. 

Entlang der wiederentdeckten Wege. Denn diese Schneisen, so hatte Michael Simonsen bei seinen Untersuchungen vor Ort Stück für Stück entdeckt, waren alle noch da. „Sie wurden in den ganzen Jahrzehnten nicht überformt, sondern waren nur zugewachsen.“

Dass sie nun wieder zu sehen sind, ist auch dem Engagement des Moritzburger Revierförsters zu verdanken. Schon vor drei Jahren hatte er den Fächer in enger Absprache mit der Denkmalpflege und mithilfe von Rückepferden der Firma Gürntke aus Bärwalde durchforsten lassen. 

„Dabei wurde Nadelholz, das in den 1950er-Jahren fälschlicherweise auf die Dammwege gepflanzt worden war, genauso entfernt wie die zu zahlreichen Naturverjüngungen aus Linde und Spitzahorn, die im historischen Waldbild noch nicht vorhanden waren“, sagt Marko Groß. Insgesamt rund 200 Festmeter Holz. Dadurch wurden nicht nur einstigen Sichtbeziehungen wiederhergestellt, sondern auch die ursprünglich dorthin gehörenden Alteichen gestärkt.

Mit dem anschließenden Beräumen des Reisigs und dem Beseitigen von Bodenwuchs wie Sträuchern und hohem Gras konnten die Dämme dann schließlich endgültig ans Licht geholt werden. Schon in ein paar Jahren sollen die dank der jetzt gepflanzten Fichten von Hecken gesäumt werden.

Einen sicheren Beleg für die frühere Gestaltung, nicht nur des Fasanenfächers, sondern der Gesamtanlage, hatte ein kürzlich entdeckter Plan geliefert. Margitta Hensel, die für das Fasanenschlösschen zuständige Kuratorin von Schloss Moritzburg, war auf diese Übersicht aus dem Jahr 1791 bei ihren Recherchen im Hauptstaatsarchiv in Dresden gestoßen. 

Nach den Zerstörungen des Siebenjährigen Krieges war das Areal am Bärnsdorfer Großteich ab 1769 im Auftrag des Grafen Camillo Marcolini als Fasanerie mit höfischer Eremitage und privater Rückzugsort mit groß gestalteter Gartenanlage entstanden.

Dass die neu gepflanzten Hecken an einigen Stellen Lücken aufweisen, hat seinen Grund. „Zwischen den Dämmen gab es geschwungene landschaftliche Wege“, sagt Michael Simonsen. Und mehrere kleine Wasserstellen. „Sie dienten als Tränken für die rund 1 000 Fasane, die sich in den kleinen Fächern, der Boskettzone der Anlage, tummelten.“

Ganz konnten die Hecken, die schon in wenigen Jahren ein eindrucksvolles Gartenbild – einen Gänsefuß formen werden – übrigens noch nicht wiederhergestellt werden. Denn auf dem ganz rechten Damm steht derzeit noch der Zaun des Wildgeheges. Marko Groß: „Ihn zu versetzen, ist eine investive Maßnahme.“ Dieses Jahr sei dafür kein Geld da. Nicht zuletzt durch die Folgen der Stürme. Aber vielleicht wird es im nächsten.

Wann SIB dagegen den Venusbrunnen restauriert und weitere Vorhaben wie den Obstbaumrundweg oder das große Bruthaus realisiert, ist noch immer offen. Genauso, wer künftig den Heckenschnitt der Fichten übernimmt.

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 Der Revierförster setzt dabei auf die Gärtner von Schloss Moritzburg. „Denn das sind keine Forstarbeiten.“ Und Michael Simonsen verweist auf die Notwendigkeit einer regelmäßigen Pflege. „Wird diese vernachlässigt, verliert die Hecke ihren Charakter.“

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