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Historische Villa nach zwei Bränden abgerissen

Vor dem Abbruch musste die Feuerwehr zwei Mal in der Tolkewitzer Straße anrücken. Deshalb ermittelt die Kripo.

© G. Michele

Von Tobias Wolf

Große alte Fenster, ein schiefergedecktes Mansardengeschoss mit Blick auf die Elbe und stählerne Ziergitter als Einbruchschutz: So wird die historische Villa auf dem Grundstück Tolkewitzer Straße 57 wohl nie wieder zu sehen sein. Denn vor einigen Tagen ist das denkmalgeschützte Gebäude in Teilen abgerissen worden. Nur ein Teil des Erdgeschosses und eine Seitenwand sind noch erhalten, weil die Stadt einen sofortigen Stopp des Abrisses verfügte.

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Zu DDR-Zeiten wohnten in der denkmalgeschützten Villa an der Tolkewitzer Straße Direktoren der Caritas. Jetzt ist das Haus zerstört worden. Foto Steffen Unger
Zu DDR-Zeiten wohnten in der denkmalgeschützten Villa an der Tolkewitzer Straße Direktoren der Caritas. Jetzt ist das Haus zerstört worden. Foto Steffen Unger © Steffen Unger

Nach Angaben des Rathauses ist die Villa ohne die nötige Genehmigung abgerissen worden. Eigentümerin ist eine Lehrerin aus dem hessischen Hofheim am Taunus. Sie war für die SZ nicht zu erreichen. Alle bisherigen Abbruchanträge seien durch behördliche und gerichtliche Entscheidungen abgelehnt worden, teilt das Amt für Kultur und Denkmalschutz mit. Deshalb kann das Areal auch nicht mit einem Mehrfamilienhaus oder Ähnlichem neu bebaut werden, wie vielerorts am begehrten Blasewitzer Elbufer geschehen.

Der ungenehmigte Abriss der alten Villa ist jedoch nicht die einzige Ungereimtheit in diesem Fall. Innerhalb von etwa sechs Monaten hat das Gebäude bereits zweimal gebrannt. Mitte November stand plötzlich mitten in der Nacht der Dachstuhl in Flammen. Trotz des Löscheinsatzes wurde das Gebäude dabei beschädigt, wie die Feuerwehr seinerzeit mitteilte.

Am 31. März brannte die Villa erneut, diesmal im Erdgeschoss. Der Polizei zufolge hatte ein Anwohner gegen zwei Uhr morgens ein Klirren gehört. Aus dem Fenster sah der Augenzeuge, wie Flammen aus dem Gebäude schlugen und eine dunkel gekleidete Person den Brandort verließ. Die Dresdner Kriminalpolizei geht deshalb von Brandstiftung aus. Die Ermittlungen gegen einen möglichen und bislang unbekannten Täter dauern derzeit noch an. Dies teilt Polizeisprecherin Jana Ulbricht mit.

Auffällig ist, dass andere Gebäude auf dem Grundstück bislang nicht von Bränden betroffen waren, darunter eine Garage neben der Einfahrt sowie ein eingeschossiges Haus, das zu DDR-Zeiten in den 1980er-Jahren als Behinderteneinrichtung der Dresdner Caritas diente und nicht unter Denkmalschutz steht. Unter anderen wurden dort Autisten sowie geistig behinderte Kinder betreut.

In der Villa wohnte der jeweilige Caritas-Direktor. Denn der Verband hatte das Grundstück nach SZ-Informationen von einer Familie erworben, die seinerzeit einen Ausreiseantrag gestellt hatte und in die Bundesrepublik übergesiedelt war. Der Vertrag sah vor, das Geschäft wieder rückgängig zu machen, sollten sich die politischen Verhältnisse in der DDR ändern. Das geschah in den 1990er-Jahren nach der Wende. Die früheren Eigentümer erhielten das Grundstück zurück. Wann es an die derzeitige Besitzerin im hessischen Hofheim verkauft wurde, ist unklar. Für Stefan Kreuzer vom Blasewitzer Verein Brückenschlag Blaues Wunder ist der Verlust des Denkmals schmerzlich. „Die typische Blasewitzer Bausubstanz sollte grundsätzlich erhalten werden“, sagt der Vereinschef und Rechtsanwalt. „Solche Bürgerhäuser und Villen sind schließlich das Besondere in unserem Stadtteil.“

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