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Hitachi will 450 Arbeiter im Landkreis wohnen lassen

Vattenfall bringt mit dem neuen Kraftwerksblock R Arbeiter in die Region. Die wohnen in Weißwasser, Niesky und Boxberg. Die Baustelle ist auch schick.

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Von Wulf Stibenz

So ein unglaublich sauberer Platz. Dass sich hier die größte Baustelle im Landkreis befindet, ist für Besucher nicht zu fassen. Selbst für die riesigen Nadebor-Kipplaster, die tonnenweise Kies herumkutschieren, hat Bauherr Vattenfall Extra-Straßen gebaut. Die werden wohl, scheint es, jeden zweiten Tag gekehrt.

Die 130 Meter hohen Treppenaufgänge auf der Großbaustelle wirken wie abgewaschen, der halbfertige Kühlturm ist blitzeblank. Obendrauf hockt ein Kran und bringt Stück für Stück Bauteile an. Klar, dass auf der Riesenbaustelle Helmpflicht ist. Und so einen hat auch Reinhardt Hassa auf, Sprecher des Vattenfall-Vorstands, der die feierliche Kesselmontage mit wohlwollenden Worten für die Lausitz und ihre Menschen begleitet. „2010 wird hier das erste Kohlefeuer lodern“, verspricht er. Und wer keine Angst vor Genickstarre hat und die riesigen Türme hoch und runter schaut, glaubt an den Zeitplan.

Viele Bauarbeiter sind nicht zu sehen. Nur 18 bei einem Rundblick. Aber allein Hitachi, die an diesem Tag eine 80 Tonnen schwere Stahlstütze für den neuen Superkessel unter den Augen der Öffentlichkeit anbringt, haben 80 Mitarbeiter im Einsatz. „Bis zu 450 sollen es werden“, sagt Hitachi-Bauleiter Manfred Wilde. Die wohnen in Boxberg, Weißwasser und Niesky. „Wir haben gut 60 in unseren Wohnungen“, sagt Torsten Pötzsch, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft, die in der Ex-Glasmacherstadt und Boxberg sogar alte Mietobjekte für den erhofften Ansturm hergerichtet hat. „Es könnten noch mehr sein“, sagt Pötzsch. Der Leerstand ist ein Wermutstropfen. 1000 Extra-Mieter wären besser. Aber die Hälfte ist auch gut. Ohnehin müht sich Vattenfall – natürlich besonders an so einem Tag. Für den Vor-Ort-Termin ist sogar ein gewaltiges Banner gedruckt worden. „Auftakt Kesselmontage“ steht darauf. Dieser offizielle Teil ist Angelegenheit von Klaus-Dieter Rennert, Geschäftsführer von Hitachi, die Spezialisten für solche Kessel. „Das ist die beste heute verfügbare Technologie, die es gibt“, sagt Rennert. Die Gäste glauben das unbesehen, obwohl der Kessel selbst nicht zu sehen ist. Nur eine der monströsen blauen Stahlstützen wird mit einem gewaltigen Kran – dessen Fahrwerk die Höhe eines kleinen Einfamilienhauses hat – zusammengesetzt.

Milde Winter, viele Profis

Was auf der „BoxR“ Baustelle entsteht, beeindruckt. Ebenso die Zahlen. 1600 Kilometer Schweißnähte, 200000 Schrauben und 28 Kilometer Geländer. „Wenn sie einen Arbeiter das ablaufen schicken, ist er für fünf Stunden unterwegs“, sagt Rennert. Gute Laune, nette Worte und feierliche Stimmung ist an diesem kühlen Tag im Februar angesagt. Es kostet ja auch 900 Millionen Euro. Und zu kühl ist es nicht. „Wir sind eigentlich zu weit mit dem Bau“, sagt Rennert. Zwei milde Winter, „hervorragende Lieferanten, viele aus der Region“ und keine Unfälle, so Rennert, seien die Ursache. Dass aber gigantische Anlagen nicht reibungslos arbeiten, spricht sich auf der Festveranstaltung später auch herum. In Jänschwalde hat die Bekohlungsanlage des Kraftwerks gebrannt. Auch die Werksfeuerwehr Boxberg ist ausgerückt – während der Festveranstaltung. Nach einer Stunde ist der Brand gelöscht. Wirtschaft