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Deutschland & Welt

Hitze-Protokoll vom Mittwoch

Neuer Hitzerekord für Sachsen, nackte Rollerfahrer, verbogene Gleise, tragische Badeunfälle - die Nachrichten zur Hitzewelle im Überblick.

© Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Deutschland schwitzt - und zwar gewaltig. Nach dem heißesten Tag der Geschichte sah es am Mittwoch zunächst nicht aus, doch der Juni-Rekord wurde schon am frühen Nachmittag geknackt: Im brandenburgischen Coschen an der deutsch-polnischen Grenze wurden nach vorläufigen Angaben um 14.50 Uhr satte 38,6 Grad gemessen. Nie war es laut Deutschem Wetterdienst in einem Juni hierzulande heißer. Den bisherigen Juni-Höchstwert hatten Meteorologen 1947 mit 38,5 Grad im baden-württembergischen Bühlertal erfasst.

Die Folgen der hohen Temperaturen waren auch in der Natur zu spüren. Vor allem die Waldbrandgefahr war in einigen Regionen sehr hoch. In Sachsen etwa gilt laut Staatsbetrieb Sachsenforst teilweise die höchste Warnstufe 5. In der Lieberoser Heide in Brandenburg brennt es bereits auf 100 Hektar. Auch die Bäume leiden. Sie brauchen ihre Wasserreserven jetzt schneller auf, erklärte der Bund deutscher Baumschulen. Gerade Stadtbäume stünden bei dieser Hitze unter Stress.

Etwas Entspannung ist aber in Sicht: Am Donnerstag wird es zumindest im Norden kühler, wie der DWD mitteilte. In Hamburg kühlt es demnach auf knapp 30 Grad runter. Der Süden muss aber weiter schwitzen. Am Oberrhein bleibt es heiß bei 37 oder 38 Grad. Am Freitag geht's noch mal weiter runter. Die leichte Abkühlung hält aber nicht lange an - am Samstag kommt schon die nächste Welle heißer Sahara-Luft zu uns.

Juni-Rekord für Deutschland und Sachsen gebrochen

Bei Temperaturen von oft 35 Grad oder mehr schwitzten die Menschen am Mittwoch bundesweit. Besonders hoch waren die Temperaturen im Osten Deutschlands: In Genthin in Sachsen-Anhalt wurden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes um 12 Uhr bereits 35,9 Grad gemessen. Knapp dahinter lag Potsdam mit 35,8 Grad. Bis zum Abend werden die Temperaturen sicherlich weiter steigen - teilweise vielleicht sogar auf bis zu 40 Grad. 

Bad Muskau in der Oberlausitz hat indes seinen eigenen Juni-Temperaturrekord für Sachsen gebrochen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete für Mittwoch einen Wert von 38,6 Grad. Der Ort in der Oberlausitz hielt für Sachsen auch den bisherigen Hitze-Rekord für den Monat Juni: 36,8 Grad wurden am 21. Juni 2000 gemessen. (dpa)

Bei der Drewag läuft es wie nie

Der Wasserverbrauch der Dresdner erreicht durch die schweißtreibenden Temperaturen ein neues Niveau - und übertrifft dabei auch einen Höchstwert aus dem Sommer 2018. Wie viel durch die Leitungen läuft, erfahren Sie in dieser Meldung

Ein Überblick:

In Leipzig sind Temperaturen von bis zu 37 Grad möglich. Damit wackelt auch der Rekord für einen Junitag in Sachsen: Der höchste bisher registrierte Wert sei am 21. Juni 2000 in Bad Muskau im Landkreis Görlitz gemessen worden und liege bei 36,8 Grad. Ob es am Ende tatsächlich einen neuen Spitzenwert gibt, hänge unter anderem vom Wind ab, hieß es.

Helfen bei Hitzschlag

Sachse stirbt am Senftenberger See

Ein 53-Jähriger aus Sachsen konnte am Dienstagnachmittag nur noch leblos aus dem Senftenberger See geborgen werden. Trotz sofortiger Reanimationsmaßnahmen verstarb er in der Rettungsstelle des Krankenhauses Senftenberg.

Cooler Arbeitsplatz

© Dietmar Thomas

Obwohl Bauarbeiter bei der unerträglichen Hitze eigentlich am meisten leiden, haben zumindest zwei Mitarbeiter der Harthaer Estler Straßen- und Tiefbau am heißesten Tag des bisherigen Jahres den wohl coolsten Arbeitsplatz gehabt. Die Bauarbeiter Heiko Brommer (links) und Rainer Milnikel haben die Radladerschaufel ihres Baggers auf der Baustelle in Mockritz einfach in einen kleinen Pool umfunktioniert und sich in der Mittagspause eine Erfrischung gegönnt.

Hohe Mineralwasser-Nachfrage

Mineralwasserproduzenten im Land bemerken bei den sommerlichen Temperaturen eine besonders hohe Nachfrage. Der Betrieb Sachsenquelle in Eilenburg habe die Produktion deswegen um etwa 20 Prozent hochgefahren, teilte ein Sprecher mit. Demnach arbeiten die Beschäftigten derzeit zusätzlich auch an Samstagen. Täglich füllen sie rund 500.000 Flaschen Mineralwasser ab. Engpässe gibt es beim Leergut. Kästen für Glas- sowie für PET-Flaschen fehlen aktuell in Eilenburg, so der Sachsenquelle-Sprecher.

Eine Mitarbeiterin überwacht die Abfüllung von Ileburger-Mineralwasser mit Zitronengeschmack bei der Sachsenquelle GmbH.
Eine Mitarbeiterin überwacht die Abfüllung von Ileburger-Mineralwasser mit Zitronengeschmack bei der Sachsenquelle GmbH. © dpa

Hitze verursacht Reifenplatzer

In den vergangenen Tagen kam es auf der A4 zu Behinderungen. Schuld sind die derzeit hohen Temperaturen.

Klimaanlagen sind schon ausverkauft

Auch die Geschäfte kämpfen mit der Hitzewelle. Im Dresdner Baumarkt Hornbach ist die Nachfrage nach Klimaanlagen enorm.

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SZ-Redakteurin Catharina Karlshaus
SZ-Redakteurin Catharina Karlshaus © Anne Hübschmann

Waldbrandgefahr steigt

In vielen sächsischen Landkreisen ist die Gefahr eines Waldbrandes erhöht. Für Mittwoch wird im Landkreis Görlitz eine Hochstufung auf die höchste Gefahrenstufe 5 erwartet. Für den Landkreis Meißen und damit auch für die Stadt Riesa gilt die Waldbrandwarnstufe 4 (Gefahr). 

Kurioses

● Komplett nackt bis auf Helm und Sandalen war ein Motorrollerfahrer im Landkreis Märkisch-Oderland unterwegs. Als die Polizei ihn am Montag bei Temperaturen von über 30 Grad stoppte, erklärte der Mann den Beamten: "Es is halt warm, wa?" Die Polizei twitterte zwei Bilder des - nicht zu erkennenden - Nackedei am Mittwoch. Konsequenzen habe der Mann aber erstmal nicht zu befürchten, sagte ein Polizeisprecher. Denn nur wenn sich jemand durch das Nacktfahren gestört fühle, werde es wegen "Erregung öffentlichen Ärgernisses" zur Ordnungswidrigkeit. Die Beamten stellten deshalb lediglich die Identität des Nacktfahrers fest und baten ihn, seine Hose wieder anzuziehen. Dann durfte er weiterfahren. (dpa)

● Die Sommerhitze hat die Gleise der Schmalspurbahn "Molli" an der Ostsee verbogen. Deshalb sei der Verkehr der dampfbetriebenen Bahn zwischen den Haltestellen Doberan Rennbahn und Heiligendamm bis auf weiteres eingestellt, teilte der Landkreis Rostock am Mittwoch mit. Als Ersatz verkehren Busse, hieß es. Eine Gleisbaufirma sollte den Schaden am Mittwoch untersuchen und versuchen, Spannung aus den verzogenen Gleisen zu nehmen. Allerdings dürften die Schienen nicht zu heiß werden, weil sonst Gefahr für die Arbeiter bestehe. (dpa)

Dresdner FKK-Bad hat heute zu

© Tino Plunert

Ausgerechnet am vorerst heißesten Tag des Jahres bleibt die Wostra geschlossen. Warum? Das lesen Sie hier

24-Jähriger verliert Unterarm bei Sprung ins Wasser

Beim Sprung in einen See aus etwa zehn Metern Höhe hat sich ein 24-Jähriger in Paderborn den Unterarm abgerissen. Zusammen mit Freunden sei der Mann einen Baum hochgeklettert, um sich mit einem Seil über den See zu schwingen, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Aus etwa zehn Metern Höhe habe er so am Dienstagabend in den See springen wollen. Beim Sprung wickelte sich laut Zeugenaussagen das Seil um den Unterarm des 24-Jährigen und trennte diesen ab. Freunde zogen den schwer verletzten Mann aus dem Wasser. Er wurde mit dem Hubschrauber in eine Spezialklinik geflogen. Taucher der Feuerwehr konnten den Arm aus dem Wasser bergen. (dpa)

Während der junge Mann vom Baum sprang verwickelte sich laut Zeugenaussagen ein Arm in einem vom Baum hängenden Seil und durchtrennte den Unterarm. 
Während der junge Mann vom Baum sprang verwickelte sich laut Zeugenaussagen ein Arm in einem vom Baum hängenden Seil und durchtrennte den Unterarm.  © Polizei Paderborn

Welcher Hauttyp darf ungeschützt in die Sonne?

Falscher Radar-Alarm

Die Sonne grillt das Land, und schon am Morgen gibt´s bei blauem Himmel über 30 Grad. Und kreisrund, fast flächendeckend zeigt das Regenradar schon am Vormittag Regen satt. Diese Hitze irritiert offenbar selbst die Hightech des Deutschen Wetterdienstes. DWD-Meteorologe Andreas Friedrich hat in seiner langjährigen Berufserfahrung beim Wetterdienst in Offenbach dies so krass noch nie gesehen. Zumindest hat er aber für Sächsische.de eine Erklärung parat: Es sind Warmluftblasen. 

© Screenshot/sts

Das Radar sei irritiert. Statt Regentröpfchen zeigt es Lichtbrechungen zum Beispiel an Grenzschichten in der Atmosphäre. „Brechungsindex-Irregularitäten“ nennt sich das exakt. Die treten durch hohe Feuchte beziehungsweise Feuchteunterschiede auf. Diese können auch an Warmluftblasen in der bodennahe Grenzschicht auftreten. „Nur bei ganz extremen Wetterlagen komme so etwas vor, sagt Friedrich. Wetterlagen, in den sich die Atmosphäre in aller Ruhe auch schichtet, wie optische Linsen dann übereinander liegt. 

Insektenschwärme und Wirbel von Windrädern geben noch weitere Störimpulse dem Radar. „Daraus ergeben sich In der Summe dann Ring- bzw. Kreismuster in den Radardaten, die je nach Luftmasse, Tageszeit und Atmosphärenschichtung größer oder kleiner sind und unterschiedlich homogen sein können.“ - Also aufs Display schauen, so etwas gibt´s nicht gleich wieder zu sehen. (SZ/sts)

Da schwitzt selbst der Papst

Neben Deutschland und anderen europäischen Ländern trifft die Hitzewelle auch Italien. "Draußen ist es zu heiß, zu heiß", sagte Papst Franziskus am Mittwoch zu Kranken, die die letzte Generalaudienz des katholischen Kirchenoberhauptes vor der Sommerpause nicht auf dem Petersplatz, sondern in der vatikanischen Audienzhalle verfolgten.

Die extreme Hitze soll in Italien vor allem das Flachland des Piemonts treffen, wo die Höchstwerte am Donnerstag über 40 Grad liegen könnten, wie die für Wettervorhersagen zuständige Luftwaffe mitteilte.

Die Seite "Il Meteo" sprach von "historischer Hitze" und hohen Temperaturen nicht nur tagsüber, sondern auch nachts. Das Gesundheitsministerium warnte vor Hitze am Donnerstag und insbesondere am Freitag. Betroffen sind Städte von Nord bis Süd wie Turin, Florenz, Venedig, Rom und Neapel. (dpa)

Mallorca ruft am Gepäckband zum Wassersparen auf

Die Regierung der Balearen sorgt sich um den Wasserverbrauch in den Sommermonaten und ruft jetzt in einer Videokampagne zum sorgsamen Umgang mit dem knappen Gut auf. Der zweiminütige, auch auf Deutsch verfügbare Film mit dem Titel "Kann ein Koffer zum Nachdenken anregen?" wurde am Gepäckband des Flughafens von Palma de Mallorca gedreht.

In dem Video tauchen zwischen dem Gepäck der wartenden Urlauber plötzlich durchsichtige Koffer auf, die mit unterschiedlichen Wassermengen gefüllt sind - sie sollen den drastischen Unterschied zwischen der Niederschlagsmenge etwa in München und Palma verdeutlichen. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass das Wasser auf den Inseln knapp ist.

Auf Mallorca, Ibiza und Co. ist Wasser ein sehr kostbares Gut; gerade in den Sommermonaten, wenn sich die Bevölkerung wegen des Touristenansturms quasi verdoppelt. Die Wasserspeicher auf Mallorca waren nach Informationen der Regionalregierung Anfang Juni nur zu 58 Prozent gefüllt. Besonders kritisch ist die Lage wegen des niederschlagsarmen Winter in der Inselhauptstadt Palma, zu der auch die beliebte Partymeile Playa de Palma und der Ballermann gehören.

Im Rahmen der Videokampagne wird unter anderem geraten, zu duschen statt zu baden und beim Zähneputzen und Rasieren den Wasserhahn zu schließen. (dpa)

Leichte Abkühlung nach Hitzemittwoch

Nach dem Extremhitzetag am Mittwoch bringt frischere Meeresluft vorübergehend Abkühlung. Am Donnerstag ist es im Süden und Südwesten bei Höchstwerten bis zu 37 Grad zwar zunächst noch heiß. Im Norden ist es aber bei zeitweise dichten Wolken und 18 bis 29 Grad schon deutlich kühler, wie Sebastian Schappert vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Mittwoch sagte.

Am Freitag liegen die Höchstwerte dann nur noch bei 26 bis 33 Grad im Süden und Südwesten. In anderen Regionen sind es sogar nur noch 20 bis 27 Grad. Am Samstag kommt laut DWD aber schon die nächste Welle heißer Saharaluft zu uns. «Damit steigen die Tageshöchstwerte auf 28 bis 38 Grad an, nur unmittelbar an der Küste bleibt es etwas kühler», sagte Schappert.

Zur Wochenmitte stöhnte ganz Deutschland unter der Hitzewelle. Schon am Dienstag hatte der DWD einzelne Höchstwerte über 35 Grad gemeldet. Spitzenreiter war Düsseldorf mit 36,8 Grad. Im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach wurden 36,7 Grad registriert. (dpa)

250 Euro Strafe für ein Sonnenbad

Das Sonnenbad in einem Park in Venedig ist eine Touristin teuer zu stehen gekommen. Die 23-jährige Kanadierin habe sich in den Papadopoli-Gärten unweit des Bahnhofs im Bikini gesonnt und deswegen 250 Euro bezahlen müssen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa am Mittwoch.

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In der Lagunenstadt mit ihrem bedeutenden historischen Zentrum ist es verboten, sich in Badekleidung oder oberkörperfrei durch die Stadt zu bewegen, sich an öffentlichen Plätzen aufzuhalten oder mit öffentlichen oder privaten Verkehrsmitteln zu fahren, wie auf der Internetseite der Kommune zu lesen ist. (dpa)

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