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Trockengelegt - Niedrigwasser ist gefährlich

Viel Sonne, große Hitze und kaum Regen - nach dem dritten heißen Sommer in Folge kommen viele Gewässer an ihre Grenzen. Das hat Folgen.

In der Lehnmühle steht gerade noch ein Viertel der üblichen Wassermenge. Dafür ist die alte Steinbrücke im dritten Sommer in Folge zu sehen.
In der Lehnmühle steht gerade noch ein Viertel der üblichen Wassermenge. Dafür ist die alte Steinbrücke im dritten Sommer in Folge zu sehen. © Egbert Kamprath

Als vor zwei Jahren die Meldung die Runde machte, an der Lehnmühle sei eine alte Brücke aus dem Wasser aufgetaucht, glich das einer Sensation. Wochenlang strömten Schaulustige an die Talsperre, um die Brücke, etliche Mauerreste und die Ruinen einer Mühle zu bestaunen. Das Wasser hatte den Ort Steinbrückmühle freigelegt, der beim Bau der Talsperre in den Dreißigerjahren geräumt, abgetragen und schließlich geflutet worden war. 

Seitdem lag Steinbrückmühle tief unter der Wasseroberfläche. 2018 dann wurde die ehemalige Siedlung großflächig sichtbar. Was damals für Aufregung sorgte, ist inzwischen die neue Normalität. Auch 2019 war die markante Brücke wieder zu sehen und nun ebenfalls. Der Wasserspiegel der Lehnmühle ist auf ein Rekordtief gesunken. In der Talsperre stehen derzeit 3,6 Millionen Kubikmeter Wasser. Das ist rund ein Viertel des Wassers, das die Sperre bei einem normalen Vollstau enthält. Selbst 2018, als die alte Brücke hier auftauchte, habe noch mehr Wasser in der Lehnmühle gestanden, heißt es seitens der Landestalsperrenverwaltung. 

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Kein Wunder. Das erneute Trocken-Drama begann bereits im Winter. Im Januar registrierte die Wetterstation im Dippoldiswalder Ortsteil Reinberg kaum Niederschläge. Es regnete oder schneite gerade einmal an 13 Tagen - und auch da nur mäßig. Im Februar holten die Wolken etwas auf, lediglich vier von 29 Tagen blieben niederschlagsfrei. Alles sah nach einer Entspannung der Lage aus. Doch Mitte März legte sich ein Hoch über die Region. Wochenlang gab es fast nur blauen Himmel und Sonnenschein. Der April glich dann schon fast einem Frühsommermonat - mit nur drei Regentagen, aber Temperaturen bis zu 23 Grad. Da half auch der durchwachsene Juni nicht - Wälder, Felder und Gewässer trockneten aus.

23 Liter Wasser pro Quadratmeter

Inzwischen erkennen selbst Laien, wie dramatisch die Situation ist. Man braucht dazu lediglich einen Spaziergang zu unternehmen, egal wo. Die Rote und die Wilde Weißeritz sind zu Rinnsalen geworden, das Wasser steht teilweise nur noch knöcheltief. In Freital zeigt der Weißeritzpegel ganze 38 Zentimeter Wasserstand an, das entspricht einem mittleren Niedrigwasser. Viel weniger geht also kaum noch. 

Wenn es mal regnet, ist der Segen ungleich verteilt. Am vergangenen Freitag zum Beispiel ballten sich dicke Wolken über Freital. Das Gewitter bescherte Potschappel und Kleinnaundorf eine ordentliche Dusche. Kleinnaundorfer berichten, dass ihre privaten Hobbywetterstationen 23 Liter Wasser pro Quadratmeter gemessen hätten. Im Stadtteil Hainsberg dagegen wurden gerade einmal die Straßen etwas feucht. Noch weiter südlich blieb es komplett trocken. Dafür regnete es kräftig in Zinnwald - immerhin. 

Der Wasserspiegel vom Rölligteich in Dippoldiswalde war so sehr gesunken, dass Sauerstoffmangel herrschte. Der Eigentümer ließ den Teich daraufhin ab, damit die Fische in die Weißeritz flüchten konnten. Doch diese gruben sich panisch in den Schlamm ein. Das Technische Hilfswerk rettete die Tiere daraufhin und setzte die Fische in die Weißeritz um.
Der Wasserspiegel vom Rölligteich in Dippoldiswalde war so sehr gesunken, dass Sauerstoffmangel herrschte. Der Eigentümer ließ den Teich daraufhin ab, damit die Fische in die Weißeritz flüchten konnten. Doch diese gruben sich panisch in den Schlamm ein. Das Technische Hilfswerk rettete die Tiere daraufhin und setzte die Fische in die Weißeritz um. © Karl-Ludwig Oberthür
Der Oelsabach, der durch die Dippoldiswalder Heide fließt, war vor Jahren noch ein Sorgenkind, weil er öfters Überflutungen mit sich brauchte. Die Stadt Rabenau plant deshalb, am Waldstadion in Oelsa einen neuen Hochwasserschutzdamm anzulegen. Derzeit besteht dazu keine Eile - der Bach ist nur noch ein schmales Rinnsal.    
Der Oelsabach, der durch die Dippoldiswalder Heide fließt, war vor Jahren noch ein Sorgenkind, weil er öfters Überflutungen mit sich brauchte. Die Stadt Rabenau plant deshalb, am Waldstadion in Oelsa einen neuen Hochwasserschutzdamm anzulegen. Derzeit besteht dazu keine Eile - der Bach ist nur noch ein schmales Rinnsal.     © Karl-Ludwig Oberthür
Dieses Kneippbecken hat schon manchem Wanderer im Tharandter Wald zu kühlen Füßen verholfen. Es liegt am Harthaer Flügel - auf halben Weg zwischen dem Kurort und dem Triebischtal. Gespeist wird das Becken von einem kleinen, namenlosen Wasserlauf, der entlang des Weges fließt. Doch dieser ist seit Wochen ausgetrocknet und im Becken befindet sich nur noch Staub.
Dieses Kneippbecken hat schon manchem Wanderer im Tharandter Wald zu kühlen Füßen verholfen. Es liegt am Harthaer Flügel - auf halben Weg zwischen dem Kurort und dem Triebischtal. Gespeist wird das Becken von einem kleinen, namenlosen Wasserlauf, der entlang des Weges fließt. Doch dieser ist seit Wochen ausgetrocknet und im Becken befindet sich nur noch Staub. © Karl-Ludwig Oberthür
Der Pegel der Roten Weißeritz ist an dieser Stelle in Freital-Hainsberg so sehr gesunken, dass man durch den Fluss waten kann. Der Pegel an der im Bild zu sehenden Brücke zeigt nur noch zwanzig Zentimeter Wasserstand an. Etwas weiter unterhalb fließen Rote und Wilde Weißeritz zusammen. Dort beträgt der Wasserstand derzeit 38 Zentimeter. Normal wären 52 Zentimeter.
Der Pegel der Roten Weißeritz ist an dieser Stelle in Freital-Hainsberg so sehr gesunken, dass man durch den Fluss waten kann. Der Pegel an der im Bild zu sehenden Brücke zeigt nur noch zwanzig Zentimeter Wasserstand an. Etwas weiter unterhalb fließen Rote und Wilde Weißeritz zusammen. Dort beträgt der Wasserstand derzeit 38 Zentimeter. Normal wären 52 Zentimeter. © Karl-Ludwig Oberthür

Langfristig wird das alles keine guten Folgen haben, das ist klar. Schon jetzt melden Landwirte zum Teil schlechte Erträge. Die Förster kämpfen gegen den Borkenkäfer, der ideale Bedingungen hat, während die Bäume aufgrund des Wassermangels immer schwächer werden. Die Naturschützer beklagen einen Rückgang an Insekten, die Singvögeln Nahrung bieten. Die Feuerwehren rücken verstärkt zu Feldbränden aus. Und das Technische Hilfswerk muss Fische retten. 

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Besserung ist nicht in Sicht. Am Wochenende soll es zwar Regenschauer geben und danach auch nicht mehr so heiß sein. Aber um das Wasserdefizit auszugleichen, reicht das bei Weitem nicht. Man kann nur auf einen extrem nassen Herbst und einen schneereichen Winter hoffen. 

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