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Hitze sorgt für volle Freibäder

Bisher fiel der Sommer aus Sicht der Betreiber bescheiden aus. Brachte der Rekord-Sonnabend die Wende?

Rettungsschwimmerin Anja Blüher wacht im Strehlaer Freibad über die Badegäste. In Strehla mussten am Sonnabend erstmals Badegäste wieder heimgeschickt werden.
Rettungsschwimmerin Anja Blüher wacht im Strehlaer Freibad über die Badegäste. In Strehla mussten am Sonnabend erstmals Badegäste wieder heimgeschickt werden. © Sebastian Schultz

Riesa/Großenhain. So ganz zufrieden war bisher wohl kein einziger Badbetreiber im Altkreis Riesa-Großenhain. Von verhaltenem Besucherandrang war da immer wieder die Rede. Man hoffte auf einen richtigen Hitzetag - und der kam am Sonnabend. Mehr als 30 Grad Celsius zeigte das Thermometer. Brachte der Rekordsommer die Wende? Die SZ hat sich am Montag  bei den Badbetreibern umgehört. 

Nixenbad muss Besucher heimschicken

In Strehla mussten am Sonnabend erstmals in diesem Jahr Besucher wieder weggeschickt werden, teilt Hauptamtsleiter Sandro Kühn mit. Bis zu 300 Besucher dürfen sich zeitgleich auf dem Freibadgelände aufhalten, danach ist Schluss. Ausgeschöpft wurde diese Zahl im Juni und Juli aber nicht. "Es ist generell eine sehr verhaltene Saison", sagt Kühn. Er führt das allerdings stärker auf das durchwachsene Wetter zurück, als auf die Corona-Einschränkungen. "Beispielsweise hatten wir am letzten Dienstag im Juli sehr schönes Wetter und 313 Badegäste. Da der Sommer aber bisher sehr durchwachsen war, gab es auch schon Tage, an denen nur die Campinggäste baden waren." 

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Auf anfängliche Kritik am Hygienekonzept hat die Stadt reagiert. "Es  gab anfangs wenig Verständnis dafür, dass am Beckenrand die Laufrichtung ausgeschildert war." Nachdem die Vorgaben des Landes aber gelockert wurden, hat auch Strehla da noch einmal nachgebessert. "Man kann sich jetzt frei bewegen, auch die Rutsche nutzen." Am Sonnabend zählte das Bad über den Tag insgesamt 410 Badegäste. Das ist wegen des Einlass-Stopps weit weg von früheren Rekordtagen. "An manchen Tagen hatten wir da schon an die 1.000 Badegäste", sagt Kühn. Trotz der schwierigen Lage wegen Corona will die Stadt Strehla zeitnah ins Nixenbad investieren. Das war eigentlich schon für 2019 geplant, aber es gab keine Fördermittel. Nun wolle man einen neuen Anlauf wagen. Dann würden nicht nur die Gebäude erneuert, etwa die sanitären Einrichtungen. Sondern auch die Technik. Im Übrigen profitiere man in Strehla davon, dass sich in diesem Jahr viele Urlauber für den Campingplatz entschieden haben. Der sei "super frequentiert", sagt Sandro Kühn. 

  • Öffnungszeiten: bis voraussichtlich 31. August immer dienstags bis sonntags jeweils 12 bis 19 Uhr; wetterbedingte Änderungen sind möglich.
  • Eintrittspreise: Erwachsene 2,60 Euro, Kinder (3-16 Jahre) sowie Schüler mit Schülerausweis 1 Euro; Familienkarte 6,20 Euro; für die letzte Stunde der Öffnungszeit wird der Eintritt halbiert.

Riesa kratzt am Rekord

Der Freibad-Betreiber aus Riesa-Weida hatte sich noch im Juni eher unzufrieden über die Saison geäußert. Mehr als einen Monat später klingt Magnet-Chef Reiner Striegler deutlich zufriedener. "Die Besucherzahl im Freibad hat sich im Juli vor allem auf Grund der deutlich verbesserten Wetterlage sowie der Schulferien positiv entwickelt", sagt er. Am 1. August seien über den Tag verteilt mehr als 1.100 Besucher nach Weida gekommen. Zum Vergleich: Der Rekord im vergangenen Jahr lag bei 1.155. Abgewiesen werden musste aber anders als in Strehla niemand. "Nur am Einlass gab es wegen der Abstandsregeln längere Schlangen." Zeitgleich dürfen etwa 900 Gäste ins Bad. 

Auch Reiner Striegler wertet die Zahlen vom Wochenende als Zeichen dafür, dass der schwache Saisonstart in erster Linie mit dem Wetter zusammenhängt. 2020 sei bisher eben nur ein "Durchschnittssommer", die beiden vorherigen Jahre dagegen überdurchschnittlich warm gewesen. 

Freibad Riesa-Weida

  • Öffnungszeiten: bis Mitte September täglich jeweils von 10 bis 19 Uhr; wetterbedingt sind Änderungen möglich
  • Eintrittspreise: Vollzahler 4 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, Familienkarte 8 Euro; Kinder bis sechs Jahre frei; ab 17 Uhr gelten reduzierte Preise.
Das Freibad in Riesa war am Sonnabend erstmals so richtig voll.
Das Freibad in Riesa war am Sonnabend erstmals so richtig voll. © Sebastian Schultz

In Glaubitz fehlen die Festival-Einnahmen

Das Glaubitzer Waldbad zählt zu den größten Freibädern in der Region Riesa-Großenhain. Laut Hygieneordnung, die sich die Gemeinde als Betreiber auferlegt hat, dürfen bis zu 1.000 Leute gleichzeitig hinein. Doch davon ist man in diesem Jahr meilenweit entfernt. Maximal 250 Badegäste seien an einem Tag gezählt worden, bestätigt Uwe Riedel von der Verwaltungsgemeinschaft Nünchritz. "Bisher ist die Saison unterdurchschnittlich", drückt es der Bauamtsleiter milde aus. 

Großen Anteil auf die bisher geringe Bilanz hat auch der corona-bedingte Ausfall des für Mitte Juli geplanten "Back to Future"-Open-Airs. Viele Festival-Besucher nutzen das nahe gelegene Waldbad, um sich nach den heißen Punkrock-Nächten zu erfrischen und auszuruhen. In normalen Jahren kommt so gut ein Drittel der Betriebskosten des Waldbades rein. Sie belaufen sich zwischen 50.000 und 70.000 Euro. 2019 soll es sogar die Hälfte der Betriebskosten gewesen sein. In diesem Jahr fehlen diese Einnahmen.

Waldbad Glaubitz

  • Öffnungszeiten:  bis 30. August jeden Tag jeweils von 10 bis 19 Uhr; wetterbedingte Änderungen kurzfristig möglich. 
  • Eintrittspreise: Erwachsene 3 Euro, Kinder (3 bis 14 Jahre) sowie Schüler, Studenten und Behinderte (ab 50 % Behinderung) 1,50 Euro, Familienkarte 7 Euro.    
Speziell zum Punk-Festival war im Glaubitzer Bad immer viel los. Das fehlt in diesem Jahr.
Speziell zum Punk-Festival war im Glaubitzer Bad immer viel los. Das fehlt in diesem Jahr. © Sebastian Schultz

Wenig Andrang in Goltzscha

Ähnlich wie in Glaubitz sieht es im Naturbad Goltzscha aus. Hier dürfen wegen der Corona-Beschränkungen momentan maximal 800 Badegäste hinein. Doch der Andrang ist bisher weitestgehend gering ausgefallen. Der Nünchritzer Bauamtsleiter hatte sich am Sonntagmittag selbst ein Bild davon machen können. 

"Ein kleiner Teil der Bevölkerung lässt sich sicherlich auch durch Corona von einem Besuch im Freibad abhalten", so Riedel. Doch der Hauptgrund sei eher das durchwachsene Wetter in diesem Jahr. Auch wenn es in den kommenden Tagen wieder heißer werden soll, "eine Trendwende ist nicht abzusehen", sagt er.  

Naturbad Goltzscha

  • Öffnungszeiten: während der Ferien von Dienstag bis Sonntag 10-19 Uhr; bei schlechtem Wetter bleibt das Bad geschlossen.
  • Eintrittspreise: Erwachsene 2 Euro, Kinder 1 Euro, Familienkarte 4 Euro.
Bisher gab es in Goltzscha recht wenig Andrang.
Bisher gab es in Goltzscha recht wenig Andrang. © Sebastian Schultz

Fast die 1000er Marke geknackt

Im Großenhainer Naturerlebnisbad (NEB) steht seit vorigem Freitag das Kinderplanschbecken für die kleinsten Badbesucher nach Baumaßnahmen wieder zur Verfügung. Das hat offenbar viele Eltern und Großeltern am Wochenende zum Planschen und Herumtollen in die Einrichtung gezogen. Da auch die sommerlichen Temperaturen das erwarten ließen, konnten am 1. August 938 Badbesucher begrüßt werden. "Das heißt aber  - und dies wurde auch eingehalten - dass sich entsprechend den geltenden Hygienebestimmungen für das Bad zeitgleich maximal 515 Gäste im NEB aufhalten dürfen", teilt die Stadt auf SZ-Anfrage mit. Die erfreulich hohe Anzahl der Badbesucher am Sonnabend ergab sich durch ständige Ab- und Zugänge an diesem Tag, die die einzuhaltenden Regeln gewährleisteten. Rund 200 Badegäste waren es am Sonntag.

Es hat sich herumgesprochen, dass Großenhain das zweit-schönste Freibad Deutschlands hat, wie kürzlich auch im Fernsehen berichtet wurde. Außerdem dürfte es deutschlandweit einmalig sein, dass sich der Oberbürgermeister hier höchstselbst alljährlich zum Neptun macht. Das entsprechende Fest ist zur guten Tradition in Großenhain geworden und fand am 29. Juli statt. Dr. Mißbach stieg aus den Fluten des Großenhainer Bades und teilte seine Freude und den Spaß am Neptun-Fest, bestückt mit viel Gaudi, mit allen Badgästen, hieß es. Besuchermagnet ist nicht nur die moderne Badanlage mit Nichtschwimmer-, Schwimmer- und Sprungbereich, sondern auch die Flächen für Sport und Spiel und die Rutsche als Attraktion für viele Wasserratten.  

Naturerlebnisbad Großenhain

  • Öffnungszeiten: Montag: 11-19 Uhr, Dienstag bis Freitag: 10-19 Uhr, Samstag und Sonntag: 9-19 Uhr.
  • Eintrittspreise: Erwachsene 3,50 Euro, Kinder 2,50 Euro, Familienkarte 9 Euro, Abendtarif ab 17 Uhr: 2 Euro/1,50 Euro. 

Im Großenhainer Naturerlebnisbad kann der Sprungfelsen jetzt wieder genutzt werden.
Im Großenhainer Naturerlebnisbad kann der Sprungfelsen jetzt wieder genutzt werden. © Kristin Richter

Badelust in Zschorna hält an

Das einstige Naherholungszentrum Zschorna ist momentan eine wilde Badestelle - und trotzdem beliebt. Denn hier erholt man sich in purer Natur. Es gibt einen Sandstrand zum Brettmühlenteich. Dass das Areal links und rechts von Bauzäunen gesäumt wird, die den Strandbereich um ein Drittel verkleinern, störte die Badegäste nicht. Denn auch wenn das einst kommunale Freibad seit 2016 geschlossen ist, darf man hier ohne Eintritt rein. Die Gemeinde Thiendorf hat die Flächen mit dem Campingplatz an Unternehmer Michael Welde verkauft. Der will das Areal bis nächsten Sommer von Grund auf umgestalten. Auf der linken Strandseite stehen schon die ersten Holz-Ferienhäuschen. Welde hat zugesichert, dass der Badestrand auch in Zukunft öffentlich zugänglich sein wird.

Badegäste müssen wegen der Bauarbeiten deshalb allein auf ihre Sicherheit achten. Doch das schöne Wetter lockte auch am vorigen Wochenende wieder Hunderte an. Für dringende Bedürfnisse ist eine mobile Toilette aufgestellt. Aber den Kinderspielplatz gibt es nicht mehr. Auch keine gastronomische Versorgung. 

Brettmühlenteich Zschorna

  • Öffnungszeiten: ganztägig,
  • Eintritt: frei, 
  • Parkgebühr: 2 Euro
Am Brettmühlenteich in Zschorna bei Radeburg badet man ohne Eintritt - dafür auch ohne Rettungsschwimmer.
Am Brettmühlenteich in Zschorna bei Radeburg badet man ohne Eintritt - dafür auch ohne Rettungsschwimmer. © Kristin Richter

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In einer früheren Version des Artikels gab es eine falsche Öffnungszeiten-Angabe für das Strehlaer Freibad. Die Redaktion hat das korrigiert.

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