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Hobbyfotografen zertrampeln Mohnfeld

Was der Bauer dazu sagt und warum das Blütenmeer in Radebeul überhaupt entsteht.

Lassen sich auch vom Feldrand aus fotografieren und genießen: Die Mohnblumen in der Nähe vom Kaufland sind eine Augenweide. Wer bis ins Feld hineinläuft, zerstört aber das Getreide, das eigentlich dort wachsen soll.
Lassen sich auch vom Feldrand aus fotografieren und genießen: Die Mohnblumen in der Nähe vom Kaufland sind eine Augenweide. Wer bis ins Feld hineinläuft, zerstört aber das Getreide, das eigentlich dort wachsen soll. © Norbert Millauer

Ein verträumter Blick in die Kamera, ein wehendes Kleid im Wind, den Liebsten im Arm oder tollend mit dem Hund, manche auch nur knapp bekleidet beim Unterwäscheshooting – das Mohnfeld in Radebeul in der Nähe vom Kaufland lockt derzeit wieder zig Fotowütige an, die sich inmitten der roten Blütenpracht ablichten lassen. Das Internet ist voll mit Bildern aus dem Blumenmeer. Doch all die Hobbyfotografen und -models hinterlassen Spuren.

Besonders am Abend, wenn das Licht schön ist, ragen überall aus dem Feld die Köpfe. Auf der Jagd nach dem schönsten Motiv reicht Vielen das Posieren am Rand des Feldes nicht aus. Scharenweise wird hinein gestapft und dabei ohne Rücksicht auf Verluste das Getreide niedergetrampelt. Wie schon im letzten Jahr haben sich bereits wieder richtige Pfade quer durchs Feld gebildet. „Der Irrsinn geht weiter“, schreibt eine Radebeulerin an die SZ, die sich über die Menschen ärgert, die nur ihr Foto im Kopf haben. „Die Leute ansprechen, bringt leider nichts. Ich habe es versucht“, sagt sie.

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Bauer ärgert sich über Zerstörung

Ähnlich geht es dem Bauern, dem das Feld gehört. Christoph Schlitter vom Landwirtschaftsbetrieb Berthold aus Zitzschewig baut hier Gerste und Weizen an. „Es ist wirklich sehr ärgerlich. Man kommt gar nicht hinterher mit aufklären“, sagt Schlitter, der freilich nicht den ganzen Tag neben seinem Feld stehen und aufpassen kann. Das angebaute Getreide nutzt er teils zur Tierfütterung. Der andere Teil wird verkauft, um daraus Mehl herzustellen.

Dass zwischen Weizen und Gerste so viel Klatschmohn steht, hat einen einfachen Grund. Früher war es ganz normal, dass Ackerwildblumen zwischen dem Getreide wuchsen. Durch moderne Technik und Spritzmittel sind sie mittlerweile fast überall verschwunden. Auf Bio-Äckern, so wie in Radebeul, dürfen sie aber ungebremst sprießen. „Wir betreiben seit zwei Jahren ökologischen Landbau“, erklärt Christoph Schlitter. „Wir setzen keine Herbizide ein, dadurch können die Wildblumen wachsen.“

Trampler richten größten Schaden an

Für den Landwirt bedeuten die Mohnblumen zwar Verlust, denn sie konkurrieren mit dem Getreide, das hier eigentlich angebaut wird, um Wasser und Nährstoffe. „Wir haben uns aber ganz bewusst dafür entschieden“, sagt er. „Der Mohn richtet außerdem einen viel kleineren Schaden an, als die Sogwirkung der Leute, die ins Feld laufen.“

2017 wurde der Klatschmohn von der Loki Schmidt Stiftung zur Blume des Jahres gewählt, weil er ebenso wie andere gefährdete Ackerblumen die Felder nicht nur optisch schöner macht, sondern vor allem wichtigen Lebensraum für Bestäuber wie Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten bietet.

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