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Hobbywinzer geben praktische Tipps

Rebschnittlehrgang lockt 138 Besucher auf den Radebeuler Krapenberg. Auch der Weinskandal ist ein Thema.

© Norbert Millauer

Von Stephan Hönigschmid

Radebeul. Bei strahlendem Sonnenschein gehen die sächsischen Weinhoheiten Ivonne Feistel und Anna Bräunig am Wochenende in die Lehre. Der erfahrene Hobbywinzer Frank Hüttner führt sie beim traditionellen Lehrgang der Weinbaugemeinschaft Radebeul-Zitzschewig auf dem Krapenberg in die Kunst des Rebschnitts ein.

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„90 Prozent des Gehölzes muss weg. Wir lassen nur zwei Bogreben und eine Frostrute stehen“, erklärt der 69-Jährige den Weinprinzessinnen. Die Frostrute diene als Ersatz und werde im Frühjahr abgeschnitten, sagt Hüttner und fügt an: „Das ist in jedem Jahr ähnlich. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir gerade einen milden oder einen strengen Winter haben.“

Interessiert lauschen Ivonne Feistel und Anna Bräunig seinen Worten. „Ich habe noch nie eine Rebe verschnitten. Das ist heute mein erstes Mal. Ich freue mich, mit dabei zu sein“, sagt Bräunig. Etwas mehr Vorkenntnisse hat Ivonne Feistel: „Ende Januar habe ich es schon mal ausprobiert. Daher weiß ich zum Beispiel, dass man die Reben immer über dem Auge abschneiden muss“, sagt sie.

Ähnlich wissbegierig wie die Prinzessinnen sind auch die anderen 138 Besucher an diesem Sonnabendvormittag. „Meine Oma besitzt einige Weinstöcke, die sie jetzt nach und nach abgeben möchte. Aus diesem Grund sehe ich mir heute zum ersten Mal an, wie man sie fachgerecht verschneidet“, sagt der 25-jährige Martin T. aus Radebeul. Demnächst werde er das Erlernte unter Aufsicht seiner Oma ausprobieren, so T.

Die Stellen markiert

Etwas weiter ist in diesem Punkt Anita Lukesch. „Ich habe die Veranstaltung vor drei Jahren für mich entdeckt. Damals bereiteten mir meine zwei Weinstöcke Sorgen, die ein Spalier hochranken. Sie waren vollkommen wild durcheinander gewachsen. Und ich als Laie wusste nicht, was ich tun soll“, erinnert sich die 66-Jährige.

Dennoch wusste sich die Radebeulerin in ihrer Not zu helfen. „Ich habe die Weinstöcke fotografiert und auf DIN A4 ausgedruckt. Vor Ort hat mir dann Herr Kircheis mit einem Filzstift die Stellen markiert, wo ich die Schnitte ansetzen muss.“ Sie habe anschließend zwei Jahre mit Foto gearbeitet und ab dem dritten Jahr habe sie selbst das nicht mehr gebraucht, so Lukesch.

Auch andere Teilnehmer des diesjährigen Rebschnittlehrgangs wollen es ihr nachmachen und zeigen dem Experten für Spalier-Wein, Klaus-Peter Kircheis, auf dem Smartphone ihre Weinstöcke. Da sich auf dem kleinen Bildschirm aber Details nicht so gut erkennen lassen, bittet dieser darum, per E-Mail in Kontakt zu bleiben und ein hochauflösendes Bild zu senden.

Trotz ihres gelösten Problems besucht auch Anita Lukesch weiterhin regelmäßig den Rebschnitt-Lehrgang. „Jetzt gehe ich hin, weil die Atmosphäre so schön ist. Und ein bisschen lernt man ja trotzdem immer dazu“, sagt sie mit einem Lächeln.

Fünf weitere Gruppen

Neben der beliebten „Spalier-Gruppe“ gibt es an dem Tag fünf weitere Gruppen, die sich über den Weinberg verteilen und jeweils von einem Hobbywinzer angeleitet werden. In lockerer Atmosphäre kommen sie mit den Menschen ins Gespräch und beantworten geduldig die Fragen. Wie essenziell der Rebschnitt ist, bringt dabei Frank Hüttner treffend auf den Punkt: „Lässt man zu viele Reben an den Pflanzen dran, wachsen zwar mehr Trauben, allerdings haben diese eine spürbar schlechtere Qualität.“

Apropos Qualität. Klare Worte zum aktuellen Weinskandal in der Region dürfen auch bei diesem Lehrgang nicht fehlen. Gleich zu Beginn betont der Vorsitzende der Weinbaugemeinschaft Radebeul-Zitzschewig, Frank Sparbert: „Als kleines Anbaugebiet müssen wir mit Qualität punkten. Deshalb haben wir ein sehr strenges Kontrollsystem.“ Die gegenwärtigen Probleme könnten vieles von dem kaputt machen, was man nach der Wende mühsam aufgebaut habe. Das sei am Ende nicht nur schlecht für die Winzer, sondern auch für den Tourismus.

Um diesen weiter zu beleben, spendeten die Teilnehmer 267 Euro für die öffentliche Erschließung des Bismarckturmes.