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Hoch auf dem gelben Wagen

Kutschen und Kremser gehören längst zum Alltag im Ort. Seit gestern gibt es nun auch ein ganz spezielles Angebot.

© Arvid Müller

Von Karin Domann und Sven Görner

Auf dem Moritzburger Schlossparkplatz herrscht gestern Mittag Premierenstimmung. Das gelb-schwarze Gefährt mit den vier herrlichen Schimmeln davor zieht neugierige Blicke auf sich. Der Bärwalder Fuhrunternehmer Axel Gürntke präsentiert seine neuste Errungenschaft: den originalgetreuen Nachbau einer königlich-sächsischen Postkutsche. Gemeinsam mit der Kulturlandschaft Moritzburg GmbH (KLM) hat er sechs Routen ausgearbeitet, auf denen sich Touristen und Ausflügler künftig mit durchschnittlich fünf Kilometern pro Stunde durch Moritzburg und die Umgebung fahren lassen können.

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Der 45-Jährige hat bei der Jungfernfahrt selbst die Zügel in den Händen. Er schnalzt mit der Zunge. Für Don, Ben, Bubi und Rex ist es das Signal: Jetzt geht es los. Langsam setzen sich die vier Pferde des Sächsischen schweren Warmbluts in Bewegung. Und mit ihren die Kutsche. „Die Postkutsche ist ein lange gehegter Traum von mir“, sagt der Bärwalder, der nicht nur in Moritzburg, sondern auch in Dresden und anderen Orten Kutschen und Kremser fahren lässt. Ein Unternehmen im polnischen Kattowitz hat ihm den Traum nun ganz nach seinen Wünschen erfüllt.

„Natürlich sollte die Kutsche möglichst dem historischen Vorbild entsprechen. Aber ich wollte auch gern einige nützliche und zeitgemäße Änderungen realisiert haben.“ So verfügt die Kutsche über einen Kugelgelenkarm, hydraulische Feststell- und Scheibenbremsen sowie einen Gummibelag auf den Rädern. Ganz wichtig für die sechs Fahrgäste, die innen in der Kutsche mitfahren. „Ich habe den Raum breiter und höher bauen lassen, sodass alle eine gute Sicht haben.“ Gestern sind aber eher die Sitze im Freien gefragt. Auch davon gibt es sechs.

Inzwischen geht die Fahrt vorbei an den beiden historischen Postmeilensäulen vor dem Schlossdamm in Richtung Fasanengarten. Ein Blick auf die Reiseziele und Zeitangaben lässt ahnen, wie mühsam Reisen früher war. So viel Zeit müssen Axel Gürntkes Fahrgäste nicht einplanen. Aber deutlich länger als die gängigen Kutschentouren in Moritzburg von 25 und 50 Minuten sind die Postkutschfahrten schon. Unter fünf Stunden geht da nichts. Die Mindestteilnehmerzahl beträgt sechs Personen. Das besondere Reisevergnügen kostet zwischen 44 und 102 Euro pro Mitfahrer.

Die Angebote reichen von den „Höhepunkten der Moritzburger Kulturlandschaft“ über die „Friedewalder Naturentdeckungen“ bis zu Postkutschenfahrten nach Schloss Wackerbarth oder zum Wasserschloss Oberau. Ein Gästeführer, der den Reisenden die kulturellen Höhepunkte an den Strecken erklärt, kann bei jeder Route dazu gebucht werden.

„Für Touristen, die unsere Region ganz besonders intensiv erleben wollen, haben wir einen ,Triathlon mit historischen Verkehrsmitteln‘ entwickelt“, sagt KLM-Geschäftsführerin Gundula Bleul. Der Triathlon startet in Meißen auf einem Dampfschiff mit dem Ziel Radebeul. Von dort werden die Teilnehmer mit der Postkutsche nach Moritzburg gebracht. Die Rückreise erfolgt dann mit der Lößnitzgrundbahn nach Radebeul. Für alle Touren gibt es Terminangebote, möglich sind aber auch individuelle Anfragen.

www.kulturlandschaft-moritzburg.de

www.kutschfahrten-dresden.de