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Hoch hinaus

Seit die Kita „Pfiffikus“ nicht mehr zur Stadt gehört, kann sie sich so einiges leisten. Die Kinder freut's.

Von Susanne Plecher

Mit lautem Jubel stürmen die Kinder das neue Kletterkarussell. In Windeseile erklimmen sie das Plateau und klettern bis zur Mastspitze. Sie haben schon lange damit geliebäugelt. Eigentlich ist es ja noch gar nicht freigegeben, aber für die Presse wird eine kurze Ausnahme gemacht. Das Spielgerät mit himmelblauer Drehscheibe gehört zu den neuesten Anschaffungen der Kindertagesstätte „Pfiffikus“ auf der Großenhainer Preuskerstraße. Seit die Einrichtung vom gleichnamigen Verein betrieben wird, kann sie sich regelmäßig teures Spielgerät leisten.

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Wie das geht? Ganz einfach, man spart. „Wir sparen die Mitgliedsbeiträge über einen längeren Zeitraum. Und dann suchen wir uns etwas Schönes aus und kaufen es“, sagt Kitaleiterin Karla Böhme. Um 177 Kinder kümmern sie und ihre Kollegen sich zurzeit. Ein Großteil der Eltern ist in den Verein eingetreten, als sie den Betreuungsvertrag für ihren Nachwuchs unterschrieben haben. 1,50 Euro kostet die Mitgliedschaft pro Monat. Das ist wenig genug, um keinem weh zutun und ausreichend genug, um mit dem Geld in Summe etwas Sinnvolles anzufangen.

Kletterburgen kaufen, zum Beispiel. „Kinder brauchen immer wieder neue Herausforderungen“, weiß Karla Böhme. Ihre Kinder können auf einem Trampolin springen, über Wackelbrücken balancieren, an einer großen Matschstrecke mit Wasser experimentieren. Und ab Ende Juni ganz regulär das neue Kletterkarussell, ein kleines Spielhaus und eine Drehwippe in Beschlag nehmen. Denn auf dem Konto des Vereins werden nicht nur Mitgliedsbeiträge gespart, sondern auch Spendengelder. Die kommen von der Wärmeversorgung Großenhain GmbH und von den Eltern. Immerhin haben die drei neuen Geräte allein in der Anschaffung rund 8 000 Euro gekostet. Fallschutzmatten, Erd- und Installationsarbeiten noch nicht eingerechnet. Doch auch dabei haben Eltern die Einrichtung unterstützt. „Ohne sie ginge Vieles nicht“, schätzt Karla Böhme deren Beitrag. Und der ist tatsächlich nicht gering. Jedes Vereinsmitglied muss pro Kalenderjahr fünf Arbeitsstunden erbringen. Die können in zwei großen Arbeitseinsätzen, in drei Fensterputzaktionen oder individuellen Subbotniks abgearbeitet werden. Wer das nicht schafft, kann sich mit 7,50 Euro pro Arbeitseinheit auslösen. Auch das füllt die Vereinskasse. Außerdem müssen Bettwäsche und Handtücher zu Hause gewaschen werden. Die Eltern finden das alles halb so wild, meint Karla Böhme. „Sie haben das immer verstanden und uns unterstützt. Schließlich geht es um das Wohl ihrer Kinder.“

Pfiffikus wird 50

Bis 2005 war der „Pfiffikus“ eine kommunale Einrichtung. Als eine der letzten der insgesamt 16 Großenhainer Kinderkrippen, -gärten und -horten ist er in private Trägerschaft gekommen. Die beiden Gebäude – ältere Großenhainer kennen sie noch als Kinderkrippe Matroschka und Kindergarten Sputnik– sind von der Stadt 2005 und 2006 grundlegend saniert worden. Der Verein „Pfiffikus e.V.“ ist Mieter des gesamten Areals. Damals hat die Stadt viele schöne Außenspielgeräte angeschafft. Allerdings sind einige von denen nicht mehr in Ordnung. „Man muss bedenken, dass viele Kinder damit spielen. Die Geräte werden schneller abgenutzt als die Dinge, die man zu Hause hat“, so Karla Böhme.

Jetzt ist sie mit den Geräten im Garten zufrieden. Einzig die Schuppen im Kindergartenbereich möchte sie noch erneuern lassen. Dafür braucht sie jedoch die Hilfe der Stadt. Vielleicht könnte sie die als Geburtstagsgeschenk darbieten. Denn im kommenden Jahr wird die Einrichtung 50 Jahre alt. 1965 wurde sie eingeweiht. Überhaupt wird 2015 diverse Anlässe zum Feiern bieten: Die Gründung des Vereins jährt sich denn zum zehnten, die Sanierung der Krippe zum fünften Mal. Doch vorher werden die neuen Geräte eingeweiht. Mit Luftballons und Eis. Wie es sich auf dem Kletterkarussell anfühlt, haben einige ja schon ausprobiert. Die fünfjährige Alicia ist noch ganz außer Puste. „Ich war ganz oben“, sagt sie aufgeregt. „Die Aussicht hat mir am besten gefallen. Das war toll.“